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Obama zitiert seinen General nach Washington

Die Lästereien von Stanley McChrystal gegen die amerikanische Regierung werfen hohe Wellen: Der Nato-Befehlshaber in Afghanistan entschuldigt sich für seine Aussagen. Dennoch wird er nun ins Weisse Haus gerufen.

Unterwegs nach Washington: Stanley McChrystal, hier 2009 mit dem Afghanistan-Gesandten Richard Holbrooke in Kabul.
Unterwegs nach Washington: Stanley McChrystal, hier 2009 mit dem Afghanistan-Gesandten Richard Holbrooke in Kabul.

Barack Obama hat Nato-General Stanley McChrystal nach Hause beordert. Wie «New York Times» und «Huffington Post» berichten, muss sich der Oberbefehlshaber des Afghanistan-Krieges kritischen Fragen zu einem Pressebericht stellen. «Er wird Obama seine Zitate erklären müssen», so die NYT.

McChrystal hatte in einem Vorabbericht zu einem Porträt des Magazins «Rolling Stone» seine Zweifel am Rückhalt der amerikanischen Regierung für seine Mission geäussert. Hauptkonfliktpunkt ist nach Darstellung des Magazins McChrystals Forderung nach einer Truppenaufstockung im Jahr 2009, die in Washington auf Widerstand gestossen sei.

Unter anderem wird McChrystal im Text mit der Aussage zitiert, er möge die Mails vom Afghanistan-Sondergesandten Richard Holbrooke kaum mehr lesen. Über Vize-Präsident Joe Biden sagte er laut «Rolling Stone»: «Joe Biden, wer ist das? Sagten Sie ‹bite me› (leck mich)?» Auch von Barack Obama sei McChrystal «sehr enttäuscht», so das Magazin – der Präsident habe sich kaum für den Afghanistan-Einsatz interessiert.

Britischer Gesandter geht

Das Porträt mit dem Titel «The Runaway General», für das laut «Rolling Stone» ein Reporter den General und seine Berater während mehrerer Wochen begleitet hat, kommt zu einer heiklen Zeit. Am Samstag hatte die UNO eine Analyse veröffentlicht, wonach die Sicherheitslage in Afghanistan sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert hat. In Deutschland, den Niederlanden und Grossbritannien wird der Sinn der Afghanistan-Strategie seit Monaten heftig diskutiert. Heute Dienstag liess sich ausserdem der britische Sondergesandte für Afghanistan Sherard Cowper-Coles für längere Zeit beurlauben, wie das Aussenministerium bekannt gab. Und zwar weil er mit dem hauptsächlich militärisch orientierten Kampf gegen Aufständische nicht einverstanden gewesen sei, wie der «Guardian» schreibt.

Nachdem sämtliche grossen amerikanischen Medien in der Nacht auf heute über das «Rolling Stones»-Porträt berichtet haben, veröffentlichte McChrystal heute eine Stellungnahme. «Ich entschuldige mich aufrichtig für diesen Artikel. Er ist geprägt von fehlerhaften Einschätzungen und hätte nie entstehen sollen», liess der General verlauten. «Während meiner gesamten Karriere habe ich mich an Prinzipien der persönlichen Ehre und der professionellen Integrität orientiert. Was dieser Artikel widerspiegelt entspricht in keiner Weise diesem Anspruch. Ich hege grossen Respekt und Bewunderung für Präsident Obama und seine Sicherheitsberater sowie für die Truppen, die in diesem Krieg kämpfen.»

Ein Sprecher der Nato liess sich gegenüber der BBC mit der Aussage zitieren, der Artikel sei «eher unglücklich, aber nur ein Artikel». Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen habe «volles Vertrauen in General McChrystal als Befehlshaber».

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