Peru will Flüchtlingsandrang aus Venezuela eindämmen

Hunderttausende Venezolaner fliehen vor Hunger und Elend. Nach Angaben der Uno haben bereits 2,3 Millionen Menschen das Land verlassen.

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Peru lässt seit Samstag nur noch venezolanische Flüchtlinge mit Reisepass ins Land und verwehrt damit zahlreichen Menschen die Einreise. Die Flüchtlinge waren mit Unterstützung des Nachbarlandes Ecuador dorthin gelangt: Ecuador hatte seine Grenzkontrollen vorübergehend gelockert, um einen «humanitären Korridor» für die Durchreise nach Peru zu schaffen.

Kurz vor Inkrafttreten der neuen Regelung in Peru drängten sich tausende Venezolaner durch die Grenzübergänge, wie AFP-Reporter berichteten.

Mit den verschärften Einreisebestimmungen will Peru die Zahl der einreisenden Flüchtlinge aus Venezuela reduzieren. Nur etwa die Hälfte der fliehenden Venezolaner besitzt Pässe, die anderen haben lediglich Personalausweise.

Immer mehr Menschen verlassen Venezuela, das wegen Ölpreisverfall und Misswirtschaft in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt. Hyperinflation, Knappheit bei Nahrungsmitteln und Medikamenten sowie Engpässe bei der Strom- und Wasserversorgung machen vielen Venezolanern zu schaffen. Die Länder der Region fühlen sich von der steigenden Zahl der Fliehenden stark belastet.

Ecuador unterstützt den Transit der Venezolaner aus humanitären Gründen. Wie Innenminister Mauro Toscanini erklärte, stellten die Behörden kostenlos 35 Busse bereit, die Migranten zur peruanischen Grenze brachten.

Boomende Wirtschaft

Peru ist wegen seiner stark wachsenden Wirtschaft für die Flüchtlinge interessant. Nach Angaben der Regierung in Lima sind insgesamt bereits 400'000 Venezolaner im Land – manche legten mit kleinen Kindern und Gepäck 2000 Kilometer zu Fuss zurück, andere kamen mit einem Bus oder im Auto. Im Land wächst allerdings der Unmut gegen die Zugezogenen.

Der Andrang an dem Grenzübergang Tumbes im Nordwesten Perus war so stark, dass er um Freitagmitternacht geschlossen wurde, obwohl er normalerweise rund um die Uhr geöffnet ist. Wer dort bereits in der Schlange wartete, sollte jedoch zur Öffnung am Morgen den Grenzübergang passieren dürfen.

Über den kleinen Grenzübergang Aguas Verdes kamen allein am Freitag mehr als 2500 Menschen, zehnmal so viele wie üblicherweise an einem Tag.

Zwei Millionen suchen das Weite

Nach Uno-Schätzungen sind schon mehr als 2,3 Millionen Venezolaner wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise in ihrem Land ins Ausland geflohen. Allein Kolumbien gibt an, 870'000 Venezolanern eine befristete Aufenthaltsgenehmigung erteilt zu haben.

Ecuador rief 13 lateinamerikanische Staaten zu einem Treffen im nächsten Monat auf, um eine gemeinsame Strategie zu besprechen. Auch Uno-Generalsekretär António Guterres will eine Gruppe einsetzen, um eine koordinierte regionale Reaktion auf den Flüchtlingsandrang zu organisieren.

(oli/sda)

Erstellt: 25.08.2018, 16:49 Uhr

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Ecuador hat beschlossen, nicht weiter Mitglied der Bolivarischen Allianz für Amerika (Alba) zu sein. Der ecuadorianische Aussenminister José Valencia sagte, sein Land sei «frustriert» von dem Mangel an politischem Willen Venezuelas, die Migrationskrise zu lösen.

Alba ist ein von dem ehemaligen Präsidenten Venezuelas Hugo Chávez und dem kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro gegründetes linkes Regionalbündnis mit Sitz in der venezolanischen Hauptstadt Caracas.

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