Russische Anwältin mit Kontakt zum Trump-Team angeklagt

Die US-Justiz wirft Natalia Weselnizkaja Behinderung in einem Geldwäschefall vor.

Im Visier der amerikanischen Justiz: Natalia Weselnizkaja. (8. November 2016)

Im Visier der amerikanischen Justiz: Natalia Weselnizkaja. (8. November 2016)

(Bild: Keystone Juri Martjanow)

Während des amerikanischen Wahlkampfs 2016 traf sich die russische Anwältin Natalia Weselnizkaja mit dem ältesten Sohn von Donald Trump und anderen Vertrauten des heutigen US-Präsidenten – nun ist sie von der US-Justiz wegen Justizbehinderung angeklagt worden. Die am Dienstag bekanntgegebene Anklage bezieht sich aber nicht auf das ominöse damalige Treffen im New Yorker Trump Tower, sondern auf ihre Rolle in einem weiter zurück liegenden Geldwäsche-Fall.

Die 43-Jährige habe als Rechtsvertreterin der Immobilienfirma Prevezon «absichtlich irreführende» Angaben gegenüber der US-Justiz gemacht, erklärten der New Yorker Bundesanwalt Geoffrey Berman und der Sonderermittler Angel Melendez. Die in Zypern registrierte Firma des Russen Denis Kazyw soll Immobiliengeschäfte in der amerikanischen Ostküstenmetropole für Geldwäsche sowie Betrug am russischen Fiskus missbraucht haben.

Weselnizkaja drohen wegen ihrer Falschaussagen den US-Ermittlern zufolge bis zu zehn Jahre Haft. Nach Angaben eines US-Justizsprechers hält sie sich aber «wahrscheinlich» nicht in den Vereinigten Staaten auf.

Das ominöse Treffen

In die Schlagzeilen geraten war die Anwältin im Sommer 2017, als ihr Treffen mit dem Trump-Sohn Donald junior, Schwiegersohn Jared Kushner und Ex-Wahlkampfleiter Paul Manafort ans Licht gekommen war. Die Informationen über das Treffen schürten den Verdacht, dass es eine illegale Zusammenarbeit zwischen dem Trump-Team und Moskau gegeben haben könnte. Der Verdacht wird seit Mai 2017 von dem Sonderermittler Robert Mueller untersucht.

Im Vorfeld des Treffens mit Weselnizkaja war dem Trump-Sohn belastendes Material über Trumps Wahlkampfrivalin Hillary Clinton in Aussicht gestellt worden. Laut Aussagen der Teilnehmer aus dem Trump-Lager legte Weselnizkaja dann jedoch kein kompromittierendes Material über Clinton vor.

Sie selber sagte, sie habe in dem Gespräch auf die Aufhebung von 2012 verhängten Russland-Sanktionen hinwirken wollen. Der Trump-Sohn habe sich offen dafür gezeigt, dass im Falle eines Wahlsiegs die Regierung seines Vaters auf die Annullierung der Sanktionen hinarbeiten könnte, berichtete Weselnizkaja im November 2017 der US-Nachrichtenagentur Bloomberg.

Kazyw gilt als Kreml-nah

Die von Weselnizkaja genannten Strafmassnahmen waren Ende 2012 vom US-Kongress als Reaktion auf den Fall des russischen Steueranwalts Sergej Magnizki verhängt worden. Magnizki war im Alter von 37 Jahren unter dubiosen Umständen in einem russischen Gefängnis gestorben. Er hatte die mutmasslichen betrügerischen Machenschaften von Prevezon aufgedeckt.

Prevezon-Eigentümer Kazyw gilt als Kreml-nah. Der frühere New Yorker Bundesanwalt Preet Bharara, der die Ermittlungen gegen die Firma geleitet hatte, wurde im März 2017 von Trump – weniger als zwei Monate nach Amtsantritt des Präsidenten – gefeuert. Wenig später gelang es Weselnizkaja, den Fall beizulegen. Prevezon willigte dafür in die Zahlung von knapp sechs Millionen Dollar ein.

In der jetzigen Anklage wird Weselnizkaja angelastet, eine bei einem US-Gericht eingereichte Stellungnahme zum Fall Prevezon falsch deklariert zu haben. Sie gab demnach an, das Statement mit angeblich entlastenden Informationen über die Firma habe von der russischen Regierung gestammt. Tatsächlich aber hatte sie das Schriftstück nach Überzeugung der Ermittler selbst im Zusammenwirken mit einem russischen Staatsanwalt verfasst.

fal/afp

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