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Tod eines US-Soldaten empört Chinatown

Der 19-jährige Danny Chen starb auf einer Basis in Afghanistan durch einen Kopfschuss. Zuvor war er offenbar von Vorgesetzten misshandelt worden. Die Armee spricht von Suizid, doch die Familie ist skeptisch.

Erst seit kurzem in Afghanistan stationiert: Soldaten tragen den Sarg von Danny Chen. (13. Oktober 2011)
Erst seit kurzem in Afghanistan stationiert: Soldaten tragen den Sarg von Danny Chen. (13. Oktober 2011)

Der Soldat Danny Chen war seit August in der afghanischen Provinz Kandahar stationiert. Am 3. Oktober wurde er erschossen auf dem Wachturm einer US-Militärbasis gefunden.

Wenige Tage danach erklärte die Armee seinen Eltern in Chinatown New York, es laufe eine Ermittlung, ob es sich beim Tod des chinesischen Immigranten um Suizid oder Mord handle. Doch das Schicksal von Chen hat bei der Familie und der asiatischen Gemeinde Argwohn ausgelöst, schreibt die «New York Times»,. Denn das Militär habe zwar zugeben, dass Chen zuvor schikaniert worden war, hülle sich zum Fall seither aber in Schweigen.

Körperlich misshandelt

Offizielle Armeestellen informierten Chens Eltern darüber, dass ihr Sohn während seines Dienstes von Vorgesetzten mehrere Male körperlich misshandelt und mit rassistischen Sprüchen beleidigt worden war. Einmal habe man ihn mitten in der Nacht aus dem Bett geholt und über den Boden geschleift, weil er vergessen hatte, nach dem Duschen einen Boiler abzuschalten.

Wenige Tage nach der Offenbarung händigte die Militäruntersuchung der Familie noch drei Seiten von Danny Chens Tagebuch aus; darauf eine Zeichnung eines angstverzerrten Gesichts und eine Liste von Fehlern, die Vorgesetzte dem 19-Jährigen offenbar vorgeworfen hatten. Seither warten seine Eltern verunsichert auf Antworten.

Die schweigende Militärjustiz beruft sich auf das laufende Verfahren und hält den Rest des Tagebuches unter Verschluss. Das Battallion von Chen meldete sich nicht bei der Familie. Derweil sträuben sich Verwandte und Bekannte in New York gegen die Theorie, dass der US-Soldat Selbstmord beging. «Ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass er kein Suizid begangen hat», meint seine Mutter. «Ich vermute, dass irgendwer hinter ihm her war.»

Nicht der erste Fall

Danny Chen hatte sich bereits während der Grundausbildung regelmässig Witze und rassistische Äusserungen wegen seiner asiatischen Herkunft anhören müssen. Doch, wie seine Eltern gegenüber «NBC New York» sagten, habe er diese immer hingenommen. Bis zum Schluss sei Danny ein motivierter Soldat gewesen.

Die Skepsis von Eltern und Gemeinde bezüglich Chens Tod scheint nicht gänzlich aus der Luft gegriffen zu sein. Elizabeth R. OuYoung, Anwältin für Minderheiten, äussert sich gegenüber der «New York Times» besorgt über die Behandlung der wenigen Asiaten in der US-Armee. Erst im April hatte sich ein asiatisch-stämmiger Marine das Leben genommen, nachdem er von Mitsoldaten brutal schikaniert worden war.

Die Eltern von Danny Chen hoffen nun darauf, bald die Wahrheit über den Tod ihres Sohnes herauszufinden. Gleichzeitig fürchten sie allfällige Ergebnisse der Untersuchung. Gegenüber «NBC New York» äusserte die Mutter: «Ich könnte akzeptieren, wenn mein Sohn beim Ausüben seiner Pflicht gestorben ist. Aber komme nicht damit klar, dass er vielleicht wirklich auf diesem Turm ums Leben kam.»

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