Tote Saudi-Schwestern: Sie wollten Asyl in den USA

Die Mutter der beiden in New York aufgefundenen Toten hatte einen Anruf des saudischen Konsulats erhalten. Der Fall könnte nun zu einem Politikum werden.

Sie wollten nicht zurück nach Saudiarabien: Tala Farea (16) und Rotana Farea (22). Bild: NYPD

Sie wollten nicht zurück nach Saudiarabien: Tala Farea (16) und Rotana Farea (22). Bild: NYPD

Vincenzo Capodici@V_Capodici

Es ist ein Drama mit dem schlimmstmöglichen Ausgang. Tala und Rotana Farea, die sich von ihrer Familie in Fairfax, Virginia, abgesetzt hatten, sind letzte Woche in New York tot aufgefunden worden. Die Leichen der 16 und 22 Jahre alten Schwestern aus Saudiarabien waren ans Ufer des Hudson River angeschwemmt worden, als sie von einem Passanten entdeckt wurden. Die beiden jungen Frauen waren gekleidet und mit Panzertape aneinandergefesselt. Die Polizei will weder Mord noch Suizid ausschliessen.

Als die beiden Frauen ins Wasser des Hudson River gelangten, ob freiwillig oder nicht, sollen sie noch am Leben gewesen sein, wie Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise berichten. An ihren Körpern stellte die Gerichtsmedizin keine sichtbaren Verletzungen fest. Über die genaue Todesursache liegen noch keine Informationen vor. Der Tod von Tala und Rotana Farea ist jedenfalls ein grosses Thema in den US-Medien. Seit dem Fall Khashoggi (siehe Infobox) zieht Saudiarabien eine erhöhte Aufmerksamkeit auf sich.

Asylgesuch der beiden Schwestern

Brisanz erhält der Fall aufgrund von Aussagen der Mutter der beiden Toten. Diese erklärte, dass sie am 23. Oktober, also am Tag vor dem Leichenfund, einen Anruf aus dem saudischen Konsulat in New York erhalten habe. Der Konsulatsangestellte sagte der Mutter, dass ihre beide Töchter um politisches Asyl in den USA nachgesucht hätten. Bei dem Anruf wurde die Familie Farea, zu der auch zwei Söhne gehören, aufgefordert, die USA raschestmöglich zu verlassen. Die Familie war vor drei Jahren aus Jidda nach Virginia gezogen. Der Vater pendelt beruflich zwischen den USA und Saudiarabien.

Die saudische Botschaft in Washington DC dementierte Informationen, wonach die beiden Studentinnen politisches Asyl beantragt hatten. Zu Wort meldete sich auch das Konsulat Saudiarabiens in New York. In einer Stellungnahme heisst es, dass die Details des Falles nicht bekannt gegeben würden, «damit keine Gerüchte gestreut werden». Man werde bei den Ermittlungen kooperieren und die betroffene Familie unterstützen. In dem rätselhaften Fall stellt sich eine zentrale Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Tod der beiden Schwestern und ihrem Asylgesuch?

Medienberichte legen die Vermutung nahe, dass die beiden Farea-Töchter Angst hatten, mit ihrer Familie nach Saudiarabien zurückkehren zu müssen, nachdem die jüngere Schwester ein Stipendium an einer Privatschule in Dar al-Fikr zugesprochen bekommen hatte. Die ältere Schwester studierte an der George Mason University, die enge Verbindungen zu Saudiarabien unterhält. Die Angst vor der Rückkehr in die Heimat erklärt, dass die Schwestern um politisches Asyl in den USA gebeten hatten.

Die 16-jährige Tala riss im August von zu Hause aus und zog zur 22-jährigen Rotana nach New York. Mehrere Wochen galt Tala als vermisst. Die beiden Schwestern hatten am 17. Oktober letztmals telefonischen Kontakt mit ihrer Mutter. Eine Woche später musste die Mutter erfahren, dass ihre Töchter tot aufgefunden worden waren.

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