Trump feuert seinen Chefstrategen

Washington

US-Präsident Donald Trump hat am Freitag seinen umstrittenen Berater Steve Bannon gefeuert. Bannon ist ein Exponent der Rechten, der seine Meinung ohne Rücksicht auf taktische Überlegungen durchsetzte.

Steve Bannon hat den Machtkampf mit den moderateren Kräften im Weissen Haus verloren.

Steve Bannon hat den Machtkampf mit den moderateren Kräften im Weissen Haus verloren.

(Bild: Keystone )

US-Präsident Donald Trump hat seinen umstrittenen ultrakonservativen Chefstrategen Steve Bannon entlassen. Die US-Regierung bestätigte gestern entsprechende Medienberichte. Stabschef John Kelly und Bannon hätten sich darauf geeinigt, sagte Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders. Bannon hatte demnach gestern seinen letzten Arbeitstag im Weissen Haus.

Streng nationalistisch

Bannon ist für seine extremen politischen Ansichten bekannt. Er befürwortet in der Wirtschaftspolitik einen nationalistischen Kurs und ist immer wieder mit Provokationen aufgefallen. Bannon gilt gemeinsam mit Stephen Miller als Architekt der «America First»-Strategie Donald Trumps. Der frühere Marineoffizier arbeitete vor seiner politischen Karriere bei Goldman Sachs und war Hollywoodfilmproduzent.

Trotz der Kritik hielt der Präsident lange an ihm fest, weil Bannon im vergangenen Jahr einen massgeblichen Anteil am Wahlsieg hatte. Viele von Trumps treuesten Anhängern unterstützen Bannon. Bevor er im August 2016 Chef von Trumps Wahlkampfteam wurde, hatte er das rechte Nachrichtenportal «Breitbart News» geleitet.

Äusserungen zu Nordkorea

Der 63-jährige Bannon hatte Mitte der Woche im Gespräch mit einem Journalisten die Nord­korea-Politik Trumps konterkariert, indem er eine militärische Option zur Lösung des Konflikts kategorisch ausschloss. Trump soll wütend reagiert haben, wie Medien berichteten.

Die Konfrontation mit Nordkorea sei «nur ein Nebenschauplatz», sagte Bannon damals dem linksgerichteten Onlinemedium «American Prospect» demnach. In Wahrheit drehe sich alles um den Handelskonflikt mit Peking. «Der Wirtschaftskrieg mit China ist alles. Und wir müssen uns wahnsinnig darauf konzentrieren», zitierte «American Prospect» den Strategen. Ansonsten würden die Vereinigten Staaten in spätestens zehn Jahren deutlich gegenüber Peking an Einfluss verlieren.

Viele Gegner im Weissen Haus

Bannon war zudem seit geraumer Zeit in den Verdacht geraten, vertrauliche Details aus dem Weissen Haus an Medien weitergegeben zu haben.

Zu seinen internen Widersachern gehören die moderateren und wirtschaftsliberalen Kräfte im Team um Trump wie dessen Schwiegersohn Jared Kushner, Wirtschaftsberater Gary Cohn und Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster.

Der Abgang Bannons ist der Höhepunkt einer turbulenten Woche im Weissen Haus, in der Trump vor allem wegen seines Umgangs mit gewalttätigen Rechtsextremisten in der Stadt Charlottesville ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war (vgl. Box).

Was macht Bannon?

Gestern schossen in Washington Spekulationen über Bannons künftige Rolle ins Kraut. Unter anderem wurde vermutet, Bannon könnte versuchen, mit oder ohne Unterstützung Trumps eine nationalistische Bewegung ausserhalb der US-Regierung zu formen.

In den letzten Wochen haben bereits mehrere hochrangige Mitarbeiter Trumps ihre Posten aufgeben müssen. So folgte der heutige Stabschef Kelly erst im Juli auf Reince Priebus. Wenig später feuerte Trump Regierungssprecher Anthony Scaramucci.

sda/chk

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