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Trump fordert Tribut

Donald Trump hat mit seinem Nachtreten gegen Angela Merkel den Kontrast zwischen den beiden Führern verstärkt. Der US-Präsident erweist sich einmal mehr als unsicherer Kantonist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gab sich wesentlich weltmännischer als ihr US-amerikanisches Pendant Donald Trump.
Bundeskanzlerin Angela Merkel gab sich wesentlich weltmännischer als ihr US-amerikanisches Pendant Donald Trump.
Keystone

Der ehemalige Botschafter der USA bei der Nato konnte zu so viel Unsinn nicht schweigen. «Sorry, Mr. Präsident, so funktioniert die Nato nicht», kommentierte Ivo Daalder die via Twitter aus Mar-A-Lago nachgereichten Tribut-Forderungen an Deutschland. Die NATO-Beiträge seien keine Kompensation amerikanischer Militärkosten. Nach zwei Weltkriegen und einem Kalten Krieg liege es «im vitalen Interesse der USA», Europa «ganz, frei und friedlich zu halten.»

Daalder sah sich zu der Nachhilfe veranlasst, weil Trump am Tag nach der ersten persönlichen Begegnung mit Merkel im Weissen Haus beim Thema Verteidigungslasten nachgetreten hatte. Berlin schulde den USA und der Nato «riesige Summen» für die «gewaltige und sehr teure Verteidigung, die sie Deutschland bereitstellen.»

Ungeachtet dessen habe er, entgegen der «Fakenews» in den Medien, «ein grossartiges Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel gehabt.» Nicht ganz.

Das Bundeskanzleramt schwieg eisig zu den Kapriolen des US-Präsidenten, der bei der Pressekonferenz am Freitag noch die Anstrengungen Deutschlands bei der Anpassung der Verteidigungsleistungen gelobt hatte.

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wies am Sonntag darauf hin, Deutschland habe nicht nur seine Ausgaben angepasst, sondern leiste auch im zivilen und humanitären Bereich weltweit erhebliche Beiträge zur Sicherheit. «Es gibt kein Schuldenkonto in der Nato. Die zwei Prozent Verteidigungsausgaben, die wir Mitte der nächsten Dekade erreichen wollen, allein auf die Nato zu beziehen, ist falsch.»

Tatsächlich haben die 28 NATO-Mitglieder 2014 in Wales beschlossen, ihre Beitragszahlungen an das Bündnis bis zum Jahr 2024 auf zwei Prozent des Brutto-Inlandsprodukts anzupassen.

Die offene Frage für Analysten in Washington bleibt, warum Trump gegen jede diplomatische Etikette verstiess, und ungeachtet der Faktenlage gegen den Bündnispartner stänkerte. Der morgendliche Tweet aus Florida rückte die scheinbare Weigerung Trumps beim Fototermin im Weissen Haus in den Blick, der Kanzlerin die Hand zu schütteln.

Der renommierte «New York Times»-Koluminist Roger Cohen nannte das Verhalten des Präsidenten «absolut unverschämt». Selbst Trump gewogene Stimmen, wie MSNBC-Moderator Joe Scarborough, zeigten sich peinlich berührt. «Er hat sich zum Narren gemacht», kommentiert der ehemalige republikanische Kongressabgeordnete.

Für George W. Bushs langjähriger Redenschreiber Michael Gerson hat der denkwürdige Moment im Oval Office die Frage geklärt, wer die westliche Werte-Gemeinschaft führt. «Wir haben den Führer der freien Welt gesehen», schreibt Gerson. «Und es war nicht der US-Präsident.»

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