Trump ist nun schon an drei Fronten gefordert

US-Korrespondent Thomas J. Spang zu den Ermittlungen gegen Donald Trump.

Diesen Geburtstag wird Donald Trump so schnell nicht vergessen. Er dürfte ihm nicht nur wegen der Schiesserei auf dem Baseballfeld in Er­innerung bleiben. Vor allem markiert er den dramatischen Wendepunkt bei den Ermittlungen in der Russland-Affäre.

Während sich der Präsident bisher damit trösten durfte, nicht Ziel der Ermittlungen zu sein, kann er das nun nicht mehr behaupten. Sonderermittler Robert Mueller ermittelt gegen Trump per­sönlich wegen möglicher Behinderung der Justiz. Mueller betreibt damit nicht «die grösste Hexenjagd» in der US-Geschichte, wie der Präsident behauptet. Dem Sonderermittler blieb gar nichts anderes übrig, nachdem sich Trump in einem NBC-Interview um Kopf und Kragen geredet hatte.

Darin bezeichnete er «das Russland-Ding» selber als Grund für den Rauswurf von FBI-Direktor James Comey. Kurz darauf prahlte er vor dem russischen Aussenminister Sergei Lawrow im Oval Office damit, diesen «Verrückten» los zu sein. Alles andere fügt sich zu einem Muster zusammen. Von den höchst problematischen Vieraugengesprächen mit Comey über die fragwürdige Unterredung mit dem nationalen Geheimdienstdirektor Dan Coats bis hin zu dem Versuch, NSA-Chef Mike Rogers davon zu überzeugen, dass die Russland-Affäre erfunden sei.

Trump droht damit nun Ungemach auf drei Ebenen. Persönlich muss er sich gegen den Vorwurf der Justizbehinderung zur Wehr setzen. Das allein reichte in der Watergate-Affäre, Richard Nixon zum Rücktritt zu bewegen. Parallel dazu ermittelt Mueller gegen Vertraute, Freunde und Berater des Präsidenten, die im Verdacht stehen, mit Russland gemeinsame Sache gegen Hillary Clinton gemacht zu haben. Es geht um Hochverrat. Schliesslich interessiert sich der Sonderermittler für Geldwäsche, nicht offengelegte Geldzahlungen fremder Mächte und andere Finanzverbrechen.

Ob gegen Trump auch wegen Kollabo­ration und unlauterer Geldgeschäftemit Russland ermittelt wird, ist nicht bekannt. Denkbar wäre es schon. Kein Wunder, dass Trump die Feierlaune verging. Es war ein etwas anderes «Happy Birthday, Mr. President», als er sich erträumt haben mag.Bericht:Seite 15Mail:ausland@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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