Trump ist ungeeignet für die D-Day-Feierlichkeiten

Der US-Präsident hält wenig von Bündnissen. Die Invasion in der Normandie gelang jedoch einer multinationalen Allianz.

Christof Münger@ChristofMuenger

Ein Staatsbesuch im Vereinigten Königreich inklusive Glamour und Galadinner – das ist eine Show ganz nach dem Geschmack von Donald Trump. Heute folgt nun der Höhepunkt, die Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des D-Day. Dabei betonen Gastgeber und Gäste bei jeder Gelegenheit den speziellen Charakter der Beziehungen zwischen Gross­britannien und den USA. Wie eng auch immer die sogenannte Special Relationship derzeit noch sein mag – sie hatte eine historische Wirkung: Im Zweiten Weltkrieg begründet, wurde sie zur Urzelle einer transatlantischen Allianz, der nach 1945 ganz Westeuropa und nach dem Sturz der kommunistischen Diktaturen auch die osteuropäischen Staaten beitraten.

Mit der Landung der Alliierten in Frankreich wurde der Grundstein gelegt für dieses erfolgreiche Bündnis. Der D-Day war zwar nicht die entscheidende Schlacht im Kampf gegen Hitler-Deutschland – der Zweite Weltkrieg wurde an der Ostfront entschieden –, aber er markierte den Beginn der Rückeroberung Europas durch den Westen. Seither haben alle US-Präsidenten mehr oder weniger enthusiastisch das transatlantische Verhältnis gepflegt.

Mit der Landung der Alliierten wurde der Grundstein gelegt für das transatlantische Bündnis.

Bis Trump kam. Ihm ist die Allianz egal, die Nato hat er als überflüssig bezeichnet, und die EU betrachtet er als wirtschaftlichen und politischen Gegner, wenn nicht gar als Feind. Deshalb ist Trump eigentlich ungeeignet, um an den D-Day-Feierlichkeiten in Portsmouth teilzunehmen. Als Chef der US-Streitkräfte ist er zwar automatisch Ehrengast, fraglich ist aber, ob er über das dafür notwendige Geschichtsverständnis verfügt.

Denn er scheint auszublenden, dass es eine Allianz war, die den Sieg in der Normandie erst ermöglicht hat. Einer deren Väter war Dwight D. Eisenhower, der Oberkommandierende der Invasionstruppen und spätere US-Präsident. Ihm war es gelungen, aus mehreren nationalen Armeen eine multinationale Streitmacht zu bilden, die sich heute vor 75 Jahren in Südengland einschiffte. Der Kontrast zwischen dem diplomatischen General und dem undiplomatischen Präsidenten könnte grösser nicht sein.

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