Trump klagt über die «schweren Fehler» von Fox News

Der konservative TV-Sender gilt als linientreues Medium des US-Präsidenten. Nun ist das innige Verhältnis brüchig.

Donald Trump bei einem Interview mit Chris Wallace von Fox News im Dezember 2016. Foto: Richard Drew (Keystone)

Donald Trump bei einem Interview mit Chris Wallace von Fox News im Dezember 2016. Foto: Richard Drew (Keystone)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Rupert Murdochs Fox News gilt als zuverlässiges Organ des Trumpismus. Zumeist linientreu begleitete der TV-Sender den Präsidenten bislang durch dessen Amtszeit, ein katzbuckelndes Medium und zugleich eine gewaltige Agitprop-Maschine. Fox News, das war Donald Trump.

Neuerdings aber knirscht es in der Beziehung. Nicht nur erlauben sich freche Fox-Moderatoren wie Shepard Smith und Chris Wallace manchmal Majestätsbeleidigung, indem sie Trump in ihren TV-Shows offen kritisieren. Noch Unerhörteres leisteten sich vergangene Woche die Demoskopen des TV-Senders. Sie veröffentlichten eine Umfrage, derzufolge Trump die Präsidentschaftswahl sowohl gegen Joe Biden als auch gegen dessen Konkurrenten Elizabeth Warren, Bernie Sanders und Kamala Harris verlieren würde – ein politischer Schnappschuss nur, aber genug, um den Präsidenten in Wallung zu versetzen.

«Ich bestimme, wo es langgeht bei den wirklich grossen Debatten, ich denke, dass wir drei davon haben werden.»Donald Trump

Fox sei «ganz anders geworden als früher», beschwerte sich Trump am Sonntag. Denn «meine besten Umfragen kamen immer von Fox». Jetzt aber mache der Sender «schwere Fehler», klagte der Präsident. Zu den besten Sendezeiten – Frühstücksfernsehen und Abendsendungen ­– lassen Moderatoren wie Sean Hannity, Laura Ingraham und Tucker Carlson sowie die besonders linientreue Morgenrunde «Fox & Friends» den Präsidenten nach wie vor hochleben. Aber es stimmt: Tagsüber wird schon mal an Trump gemäkelt.

Interne Zahlen bereiten Sorgen

Am Montag schob der Beleidigte dann nach: «Trotz aller Fake News sind meine Umfragewerte prima», twitterte Trump und berief sich auf «neue interne Erhebungen». Deren Zahlen seien «die besten, die wir jemals hatten». Leider nein: Es sind besonders die internen, nicht öffentlich zugänglichen Erhebungen, die Trumps Stab Sorge bereiten. Sie zeigen, dass der Präsident in unverzichtbaren Staaten im Mittleren Westen derzeit schlecht dasteht. Und selbst in republikanischen Hochburgen wie Texas und Georgia ergeben die internen Erhebungen kein rosiges Bild.

Der Präsident braucht die mediale Haubitze Fox News also mehr denn je, allein, sie will nicht mehr so richtig für ihn feuern. Mal beklagte sich Trump über zu viele Demokraten, die bei seinem Haussender den Bildschirm bevölkerten, mal ärgerte er sich darüber, dass der Sender die demokratische Strategin Donna Brazile als Kommentatorin anstellte.

Ein kleiner Konkurrent bleibt treu

Derart genervt war der Präsident, dass er Fox News sogar mit Konsequenzen für die TV-Debatten der beiden Präsidentschaftskandidaten im kommenden Jahr drohte: «Ich bestimme, wo es langgeht bei den wirklich grossen Debatten, ich denke, dass wir drei davon haben werden», so Trump. Tatsache ist, dass der Präsident nicht viel zu sagen hat, was die TV-Debatten mit seinem demokratischen Herausforderer im Herbst 2020 betrifft. Denn eine parteilose Kommission legt deren Termine fest und bestimmt, welche TV-Sender die Debatten abhalten.

Die gelegentliche Unbotmässigkeit seines Haussenders hat Trump offenbar so verstört, dass er neuerdings sogar die Konkurrenz empfiehlt: «Sich Fake News bei CNN anzuschauen, ist besser, als Shepard Smith zuzuschauen, der die schlechtesten Einschaltquoten bei Fox News hat», fiel Trump über den bisweilen kritischen Fox-Moderator her. «Überhaupt schalte ich, wenn immer möglich, OANN ein», ätzte der Präsident. OANN steht für One America News Network, ein noch konservativerer TV-Kanal als Fox News, der Donald Trump unverbrüchlich die Treue hält. Allerdings erreicht OANN nicht einmal halb so viele Zuschauer wie Fox News.

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