Trump laufen die Topmanager davon

Wieder haben mehrere Spitzenunternehmer den Industriebeirat von Trump verlassen. Anlass ist die zögerliche Verurteilung des rechtsextremen Terrors in Charlottesville. Doch die Enttäuschung der Topmanager geht tiefer.

An der Medienkonferenz in New York verurteilte Donald Trump erneut auch linke Demonstranten für die Gewalt in Charlottesville. Wirtschaftsberater Gary Cohn (ganz links) war entsetzt über die Äusserungen des Präsidenten, der eigentlich über die US-Infrastruktur sprechen sollte.

An der Medienkonferenz in New York verurteilte Donald Trump erneut auch linke Demonstranten für die Gewalt in Charlottesville. Wirtschaftsberater Gary Cohn (ganz links) war entsetzt über die Äusserungen des Präsidenten, der eigentlich über die US-Infrastruktur sprechen sollte.

(Bild: Keystone)

Immer mehr US-Unternehmer kehren Präsident Trump den ­Rücken. Erneut haben mehrere Topmanager den Industrierat im Weissen Haus verlassen: Brian Krzanich, CEO des Computerchip-Herstellers Intel, Kenneth Frazier, Chef des Pharmagiganten Merck, Kevin Plank, CEO der Sportbekleidungsfirma Under Armour, und Scott Paul, Präsident des Industrieverbandes. Trump hat bereits reagiert und das Strategieforum und den Industrierat kurzerhand aufgelöst. Er habe sich zu diesem Schritt entschlossen, «anstatt Druck auf die Geschäftsleute auszuüben», twitterte er gestern.

Sogar Cohn entsetzt

Ein Grund für den Exodus der Spitzenmanager sind die unbeherrschten Äusserungen von Donald Trump – wie jüngst seine Gleichstellung von Neonazis und weissen Rassistengruppen mit liberalen Protestierern in Charlottesville. «Nicht alle diese Leute waren Neonazis», hatte Trump die rechten Demonstranten verteidigt. Über diese Äusserungen war sogar Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn schwer entsetzt, wie die «New York Times» berichtete. Nach einem Onlinebericht des «Politico» hat er sich an der Medienkonferenz am Dienstagabend «höchst unwohl» gefühlt (siehe Kasten).

«Ich bin zurückgetreten, weil ich Fortschritte sehen will, während mancher in Washington mehr daran interessiert ist, jeden zu attackieren, der nicht seiner Meinung ist», sagte Intels CEO Brian Krzanich. Noch deutlicher wurde Merck-Chef Kenneth Frazier. Er fühle als Unternehmenschef und aufgrund seines persönlichen Gewissens «die Verantwortung, gegen Intoleranz und Extremismus einzustehen», sagte er gemäss einem Bericht der «Washington Post».

Douglas McMillon, CEO von Walmart, bleibt zwar im Strategie- und Politikforum des Weissen Hauses. Aber auch er verurteilte Trump: «Als wir die Ereignisse und die Antwort des Präsidenten am Wochenende sahen, fühlten auch wir, dass er eine wichtige Gelegenheit verpasst hat, unser Land zusammenzubringen, indem er unmissverständlich die Aktionen der White Supremacists verurteilt», schrieb McMillon in einem Rundbrief an die Walmart-Belegschaft.

Unabhängig von den Ereignissen in Charlottesville haben immer mehr Manager das Gefühl, dass zu viel Nähe zu Trump ihrem Geschäft eher schadet als nutzt.

«Keine Wichtigtuer»

Trump hat seit Beginn seiner Präsidentschaft wenig für die Wirtschaft getan. Seine Steuer­reform existiert bloss auf Papier. Den Infrastrukturplan legte er noch nicht vor. Die durchaus rechtsorientierte «Dallas Morning News» schrieb zu den Manager-Abgängen: «Mr. Trump, das sind keine Wichtigtuer, das sind Manager, die Führung und Ergebnisse wollen. Beides bekommen sie nicht aus dem Weissen Haus.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt