Trump prüft ein Eingreifen in Venezuela

Von CIA-Aktionen bis zu einer Marineblockade: Die US-Administration diskutiert ihre Optionen in Venezuela.

Drohte wiederholt mit einem militärischen Eingreifen in Venezuela: US-Präsident Donald Trump. Foto: Keystone

Drohte wiederholt mit einem militärischen Eingreifen in Venezuela: US-Präsident Donald Trump. Foto: Keystone

Martin Kilian@tagesanzeiger

In der US-Hauptstadt werden Pläne erörtert für eine Intervention in Venezuela zum Sturz der Regierung von Nicolás Maduro. Bereits am Freitag hatten sich Sicherheitsberater John Bolton, Aussenminister Mike Pompeo und der amtierende Verteidigungsminister Patrick Shanahan im Pentagon über die Situation in Venezuela nach dem gescheiterten Aufstand gegen die Regierung Maduro in der vergangenen Woche beraten.

Ebenfalls anwesend war Admiral Craig Faller, der Kommandeur des für Lateinamerika zuständigen Southern Command der US-Streitkräfte in Doral nahe Miami. Anschliessend sprach Pentagon-Chef Shanahan von «umfassenden Optionen» und verwies auf die lange Küste Venezuelas: «In der Nähe gibt es viel Wasser», so der Verteidigungsminister.

Unstimmigkeiten über die Rolle Russlands

Insider in Washington berichten, bei dem Gespräch am Freitag seien sowohl verdeckte Operationen von US-Geheimdiensten gegen die Regierung Maduro erwogen worden als auch eine amerikanische Blockade venezolanischer Häfen. In einer Erklärung des Southern Command hiess es, Admiral Faller habe bei den Beratungen «eine breite Palette militärischer Optionen vorgelegt». Das US-Südkommando sei «darauf vorbereitet, alle Optionen zu unterstützen», falls eine entsprechende Anweisung erfolge.

Am Samstag hatte der republikanische Senator Todd Young (Indiana) daraufhin verlangt, der aussenpolitische Ausschuss des Senats müsse sich mit den Plänen der Trump-Administration befassen. Er sei «besorgt über Berichte über eine mögliche militärische Intervention in Venezuela», sagte Young.

«Wir haben auch über Venezuela geredet, und er möchte sich dort nicht einmischen, ausser dass dort etwas Positives geschehen soll.»Donald Trump über sein Telefonat mit Wladimir Putin

Offenbar aber gibt es innerhalb der Regierung Trump Unstimmigkeiten über die Rolle Russlands bei dem bürgerkriegsähnlichen Konflikt in dem südamerikanischen Ölstaat. Am vergangenen Donnerstag hatte Aussenminister Pompeo in einem Interview Russland und Kuba beschuldigt, die Regierung Maduro militärisch zu stützen. Es sei «lachhaft, wenn Leute sagen, man müsse verhindern, dass es eine Invasion in Venezuela gibt», sagte Pompeo. Denn es habe «bereits eine Invasion gegeben, nämlich vor einiger Zeit von den Kubanern und danach von den Russen», so der Aussenminister weiter.

Einen Tag später widersprach Präsident Trump nach einem anderthalbstündigen Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin seinem Aussenminister: «Wir haben auch über Venezuela geredet, und er möchte sich dort nicht einmischen, ausser dass dort etwas Positives geschehen soll», beschrieb Trump die Absichten seines russischen Gesprächspartners. Ihm gehe es nicht anders, auch er wolle «humanitäre Hilfe» für Venezuela, fügte der US-Präsident hinzu.

Video – Putschversuch in Venezuela: Chronik

Die Lage im südamerikanischen Land steht auf der Kippe. Video: Reuters, AFP, Twitter

Diese Behauptung aber deckt sich nicht mit Trumps wiederholten Drohungen, notfalls militärisch in Venezuela einzugreifen. Zudem hat die Regierung Trump in den vergangenen Monaten beim Umgang mit Venezuela mehrmals auf die Monroe-Doktrin verwiesen. 1823 von Präsident James Monroe formuliert, wendet sich die Doktrin gegen jegliche Einmischung europäischer Kolonialmächte in lateinamerikanische Angelegenheiten.

Die Doktrin diente Washington als Vorwand für eine hegemoniale Herrschaft und zahlreiche Interventionen in Zentral- und Südamerika sowie in der Karibik. Zwar hatte Barack Obamas Aussenminister John Kerry 2013 erklärt, die «Ära der Monroe-Doktrin» sei vorbei, mit dem Amtsantritt der Trump-Administration aber kam die Doktrin wieder in Mode. «Diese Regierung hat keine Angst, das Wort ‹Monroe-Doktrin› zu benützen», hatte Sicherheitsberater John Bolton im März erklärt.

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