Trump umgarnt Chinas Präsidenten

US-Unternehmen bekommen im Umgang mit Huawei wieder mehr Freiheit, China soll dafür Landwirtschaftsprodukte in den USA kaufen.

G20-Gipfel in Osaka: Ein Handschlag, auf den Gespräche folgen sollen, die den Welthandel wieder erleichtern.

G20-Gipfel in Osaka: Ein Handschlag, auf den Gespräche folgen sollen, die den Welthandel wieder erleichtern.

Christoph Neidhart@tagesanzeiger

Chinas Präsident Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump wollen wieder Handelsgespräche aufnehmen. Solange diese liefen, werde Trump weder neue Strafzölle einführen noch bereits verhängte Zölle aufheben, sagte er. Er habe noch die Möglichkeit, auf Güter im Wert von jährlich 350 Milliarden Dollar Zölle zu erheben.

Zu Beginn des Gesprächs sagte Xi, Trump und er seien per Telefon und Brief ständig in Kontakt geblieben. Er sei bereit, die Beziehungen zwischen China und den USA zu verbessern. Der US-Präsident antwortete, Xi und er seien schon bei ihrem ersten Treffen Freunde geworden. In früheren Handelsgesprächen zwischen beiden Ländern wäre es beinahe zu einer Einigung gekommen, aber dann seien die Verhandlungen entgleist. «Es wäre ein historisches Versäumnis, wenn wir uns nicht einigen», so Trump. Xi und er wollen diesmal vermeiden, dass sie in «die Fallen von Konflikt und Konfrontation tapsen», wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

«Vielleicht der beste Präsident der letzten 200 Jahre»

Trump erklärte nach dem Treffen, China sei bereit, fast sofort für viele Milliarden Dollar zusätzliche US-Landwirtschaftsprodukte zu kaufen. «Wir werden ihnen eine Liste der Produkte geben, von denen wir wollen, dass sie sie kaufen.» Die Chinesen wollten dringend eine Lösung; und er ja auch. Xi sei ein guter Verhandler: «Vielleicht der beste Präsident, den China in den letzten 200 Jahren hatte.»

Zum Elektronik-Konzern Huawei, den Trump angeblich aus Sicherheitsgründen auf eine schwarze Liste setzte, sagt der Präsident: «Das ist eine komplizierte Frage, Huawei muss bis zuletzt warten.» In einem Punkt gab er jedoch bereits nach: «Amerikanische Unternehmen dürfen ihre Produkte an Huawei verkaufen», sagte er.

Kim «einfach für einen Handschlag» treffen

Von Osaka fliegt Trump am Samstagabend nach Seoul weiter, wo er mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in über Nordkorea sprechen und am Sonntag die demilitarisierte Zone, die innerkoreanische Grenze, besuchen wird. Am Samstagmorgen erklärte Trump sich dann dazu bereit, im Grenzdorf Panmunjom den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un treffen: «Falls der Vorsitzende Kim das sieht, dann würde ich ihn an der Grenze treffen, einfach für einen Handschlag», twitterte er.

Als er beim G-20-Gipfel Moon begegnete, fragte er grinsend: «Haben sie meinen Tweet gesehen?» Moon bejahte, und Trump hielt den Daumen hoch. In der Pressekonferenz sagte er später, Kim verfolge seine Tweets, Pyongyang habe fast sofort reagiert. «Das wird aber kein Gipfel, sondern ein Handschlag. Auf die Frage, ob er auf Kims Einladung dann die Grenze übertrete, sagte Trump: «Sicher!» Aber wenn Kim nicht komme, sei das auch kein Problem.

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