US-Zeitungen gegen Facebook und Co.

News Media Al­liance, ein Zusammenschluss amerikanischer Qualitäts­zeitungen, will gegen Google und Facebook vorgehen. Die Internetriesen beherrschten den Markt so sehr, dass guter Journalismus kaum noch möglich sei.

Zeitungsautomaten in New York: Grosse US-Medien gehen gemeinsam gegen die massive Marktdominanz von Facebook und Google vor.

Zeitungsautomaten in New York: Grosse US-Medien gehen gemeinsam gegen die massive Marktdominanz von Facebook und Google vor.

(Bild: Keystone)

Amerikanische Qualitätszeitungen stören sich an der Rolle von Facebook und Google bei der Nachrichtenverbreitung. «New York Times», «Wall Street Journal», «Washington Post» und ­andere grosse US-Nachrichtenproduzenten haben daher eine Ausnahme von Wettbewerbs­regeln verlangt, um direkt mit den zwei bei Werbung und Nachrichtenverbreitung dominierenden Plattformen verhandeln zu können.

«Die einzigartige Rolle, die Nachrichtenmedien weiterhin in US-Politik und -Geschichte spielen, macht es notwendig, einen fairen Wettbewerb um ­Umsätze zwischen Nachrichtenverlegern und diesen massiven Informationsplattformen zu sichern», schrieb David Chavern, Präsident der News Media Al­liance, in einem Meinungsbeitrag im «Wall Street Journal».

Der ­Interessengemeinschaft gehören zweitausend kanadische und US-Zeitungen an. Google und Facebook würden aufgrund der Wettbewerbsregeln nicht wie andere Marktteilnehmer behandelt.

Behörden «schauen nur zu»

Aktuell verhindern amerikanische Gesetze, dass miteinander im Wettbewerb stehende Zeitungen sich zusammenschliessen, um Preise für Nachrichten­inhalte zu verhandeln. Die Al­lianz würde also eine entsprechende Gesetzgebung durch den Kongress benötigen. Viele grosse Zeitungen kämpfen mit finanziellen Problemen. Leser und Anzeigenkunden wandern von den gedruckten Publikationen ins Internet ab.

Nachdem die Zei­tungen bereits drastische Einsparungen vorgenommen haben, wollen sie nun etwas von den Umsätzen erhalten, welche Google und Facebook mit ihren Geschichten, Fotos und anderen Inhalten generieren. «Die zwei di­gitalen Giganten beschäftigen keine Reporter», schrieb Chavern. «Sie arbeiten sich nicht durch Dokumente, um Korruption aufzudecken. Sie senden auch keine Korrespondenten in Kriegsgebiete.» Stattdessen würden sie erwarten, dass eine wirtschaftlich angeschlagene Nachrichtenbranche diese kostspielige Arbeit für sie erledigt.

Facebook und Google stehen für mehr als 70 Prozent des Marktes für digitale Anzeigen mit einem Umfang von 73 Milliarden Dollar, wie es beim Pew Research Center heisst. Der Anzeigenmarkt bei Zeitungen hat im vergangenen Jahr 18 Milliarden Dollar betragen, nach 50 Milliarden Dollar im Jahr 2006.

Chavern und andere halten den Wettbewerbsbehörden vor, das Wachstum der beiden Internetriesen ermöglicht zu haben, indem ihnen erlaubt wurde, vermeintliche Wettbewerber aufzukaufen. Während in Europa erste Schritte gegen die Behinderung des Wettbewerbs durch Google unternommen worden seien, würden die Behörden in Washington «nur zuschauen», sagt Chavern. «New York Times»-Chef Mark Thompson erklärte, dass Sorgen und Ärger wegen des ungleichen Verhältnisses wachsen würden.

Hilfe versprochen

Facebook und Google haben sich zu der Initiative bislang noch nicht geäussert. Sie gaben aber an, nicht der Feind der Nach­richtenproduzenten zu sein. Der ehemalige CNN-Journalist Campbell Brown, jetzt zuständig für das neue Partnerschaftsprogramm von Facebook, sagte, das soziale Netzwerk wolle gemeinsam mit den Medien guten Journalismus produzieren. «Wir sind entschlossen, dabei zu helfen, guten Journalismus auf Facebook präsentieren zu können. Durch unsere Zusammenarbeit mit den Nachrichtenherausgebern machen wir Fortschritte, wir haben aber noch viel Arbeit vor uns.»

Google erklärte, man wolle die Nachrichtenbranche bei ihrem digitalen Übergang unterstützen. «In den vergangenen Jahren haben wir zahlreiche spezielle Produkte und Technologien ent­wickelt, durch welche Zeitungen vertrieben, bezahlt und unterstützt werden können. Das hat weiterhin Priorität, und wir sind fest entschlossen, Herausgeber bei ihren Herausforderungen und Chancen zu unterstützen», hiess es.

Berner Zeitung

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