Zum Hauptinhalt springen

US-Soldat kommt vor Gericht

Ein Soldat der US-Armee soll in Afghanistan zum Vergnügen Zivilisten getötet haben. Die Anklage fordert, ihn vor ein Militärgericht zu stellen.

Soll vor ein Militärgericht gestellt werden: Der 22-Jährige US-Soldat Jeremy Morlock.
Soll vor ein Militärgericht gestellt werden: Der 22-Jährige US-Soldat Jeremy Morlock.
Keystone

Die US-Armee stellt einen ihrer Soldaten vor ein Militärgericht, der in Afghanistan gemeinsam mit vier anderen Soldaten willkürlich Zivilisten getötet haben soll. Ein Datum für den Beginn des Prozesses stehe noch nicht fest, teilte die Führung des Stützpunktes Lewis-McChord nahe Seattle mit. Einem Medienbericht zufolge gab es in der Einheit der Soldaten grosse Probleme mit der Disziplin.

Der 22 Jahre alte Jeremy Morlock soll den Ermittlern zufolge gemeinsam mit seinen vier Kameraden in der Provinz Kandahar im Süden Afghanistans drei Zivilisten getötet und anschliessend deren Leichen geschändet haben. Die Vorfälle ereigneten sich in den ersten Monaten dieses Jahres. Der Anklage zufolge töteten die US-Soldaten die Zivilisten zum Vergnügen.

«Kein Monster und kein Psychopath»

Die Anklage hatte nach Anhörungen im September gefordert, Morlock vor ein Militärgericht zu stellen. Bei einer Verurteilung droht Morlock lebenslange Haft. Armee-Ermittlern zufolge hat er in Verhören seine Beteiligung an der Tötung von Zivilisten gestanden. Sein Anwalt führte hingegen an, Morlock habe in der Zeit unter dem Einfluss starker Medikamente gestanden. Sein Mandant sei «kein Monster und kein Psychopath». Bei der Anhörung hatten mehr als zehn wichtige Zeugen - unter ihnen drei der Verdächtigen - von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch gemacht.

Im Fall der vier anderen US-Soldaten sind nun ebenfalls Anhörungen geplant, ein Termin steht aber auch hier nicht fest. Zudem wird gegen sieben weitere Soldaten ermittelt, die die Untersuchungen der Vorfälle behindert haben sollen. Sie sollen zudem einen Kameraden verprügelt haben um zu verhindern, dass er den Haschisch-Konsum der Soldaten bei Vorgesetzten meldete.

Tötung kein Zusammenhang mit Drogenkonsum

Die «New York Times» berichtete am Samstag, in der Einheit, der die Soldaten angehörten, habe es massiven Drogenmissbrauch gegeben. Bereits auf dem Stützpunkt Lewis-McChord in den USA hätten die Männer soviel Haschisch geraucht, dass ihre Unterkunft immer nach der Droge gerochen hätte, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die eidesstattliche Erklärung eines Soldaten. Allerdings soll die Tötung der afghanischen Zivilisten nicht im Zusammenhang mit Drogenkonsum stehen.

In Afghanistan soll die 30 Mann starke Einheit zudem praktisch ohne jede Kontrolle von Vorgesetzten gehandelt haben. Der «New York Times» zufolge wurde die Einheit von ihrer Kompanie getrennt und einer anderen Kompanie zugeordnet. Diese habe die Einheit aber weitestgehend ignoriert. Die Soldaten seien «auf sich alleine gestellt» gewesen, sagte der Vater eines der angeklagten Soldaten der Zeitung.

Die US-Regierung betrachtet das Verfahren wegen möglicher Auswirkungen auf die öffentliche Meinung in Afghanistan mit Sorge. Ein Pentagon-Sprecher hatte die mutmasslichen Taten als «Verirrung» bezeichnet, die keinesfalls für das Vorgehen der mehr als 100.000 US-Soldaten in Afghanistan stünden.

AFP/ske

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch