Zum Hauptinhalt springen

Utah führt Erschiessungskommandos ein

Wie soll die Todesstrafe durchgesetzt werden, wenn das Gift fehlt, haben sich viele US-Staaten gefragt. Utah führt nun für Notfälle wieder Erschiessungen ein. «Ein bisschen grauenhaft», gibt der Gouverneur zu.

«Wir haben jetzt einen Backup-Plan»: Die Hinrichtungskammer für Erschiessungskommandos im US-Staat Utah. (Archivbild)
«Wir haben jetzt einen Backup-Plan»: Die Hinrichtungskammer für Erschiessungskommandos im US-Staat Utah. (Archivbild)
Keystone

Zum Tode verurteilte Straftäter dürfen im US-Staat Utah bei einem Mangel an Giftspritzen im Notfall von Exekutionskommandos erschossen werden. Gouverneur Gary Herbert unterschrieb ein Gesetz, das im Notfall solche Hinrichtungen ermöglicht. Utah ist somit der erste und einzige Staat, in dem dies von nun an erlaubt ist.

Herbert sagte, er finde, die Methode sei «ein kleines bisschen grauenhaft». Doch gebe sie dem Staat eine Ausweichmöglichkeit, sollten Exekutionen per Todesspritze nicht möglich sein.

«Wir bedauern, wenn jemand jemals die abscheuliche Tat eines schwerwiegenden Mordes begeht, um die Todesstrafe zu verdienen. Und wir bevorzugen die primäre Methode der Giftspritze, wenn solch eine Strafe erlassen wird», sagte Herberts Sprecher Marty Carpenter. «Dennoch ist es die Verpflichtung der Exekutive, diese rechtmässige Entscheidung durchzusetzen, wenn eine Jury diese getätigt hat und ein Richter einen Hinrichtungsbefehl angeordnet hat.»

Staaten suchen nach Alternativen

Die Bestätigung der Massnahme in Utah ist bezeichnend für den Frust einiger US-Staaten über fehlgeschlagene Hinrichtungen und eine Knappheit an Mitteln, die für die Tötung per Spritze benötigt werden. Utah hatte deshalb wie andere Bundesstaaten nach Alternativen gesucht, nachdem eine Exekution per Giftspritze in Oklahoma im vergangenen Jahr schiefgegangen war. Eine weitere in Arizona hatte fast zwei Stunden gedauert.

Der Republikaner Paul Ray, der die Kommandos ins Gespräch gebracht hatte, bezeichnete die Erschiessungen als menschlichere Form von Hinrichtungen. «Wir würden gerne eine funktionierende Todesspritze bekommen, so dass wir damit weitermachen können. Aber falls nicht, haben wir jetzt einen Backup-Plan», hatte Ray der Nachrichtenagentur AP gesagt. Gegner führen an, die Methode sei barbarisch und stelle den Staat in ein schlechtes öffentliches Licht.

Der Entwurf des Gesetzes sieht vor, dass ein Erschiessungstrupp dann zum Einsatz kommt, wenn die tödlichen Injektionsmittel nicht bis 30 Tage vor der Hinrichtung zur Hand sind. Bis zur nächsten Exekution könnte es in Utah jedoch möglicherweise noch Jahre dauern.

Früher hatten die Todeskandidaten die Wahl

In dem konservativen Staat hatten zum Tode verurteilte Häftlinge bis vor fast einem Jahrzehnt die Wahl, ob sie von einem Exekutionskommando erschossen werden wollen. Diese Wahl wurde 2004 von den Abgeordneten des Staates abgeschafft. Ihrer Ansicht nach erzeugte diese Massnahme eine übermässige Medienaufmerksamkeit, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit habe sich zudem weg von den Opfern und hin zu den Mördern gerichtet, hiess es damals.

Utah war der einzige Staat, der in den vergangenen vier Jahrzehnten solch eine Hinrichtung ausführte. Seit der Oberste Gerichtshof der USA die Todesstrafe 1976 wieder in Kraft setzte, wurden drei Todestraktinsassen in dem Staat erschossen, zuletzt 2010. Damals wurde Ronnie Lee Gardner von fünf Polizeibeamten mit Gewehren hingerichtet, weil er einen Barkeeper getötet hatte. Während eines Fluchtversuchs aus dem Gerichtssaal im Jahr 1985 hatte er später einen Anwalt erschossen und einen Gerichtsdiener verletzt.

AP/chk

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch