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Vom «Piranha» zum Retter der Kumpel

Mit so viel Aufmerksamkeit hatte er wohl vor seinem Besuch in Europa nicht gerechnet: Die Welt feiert Chiles Präsidenten Sebastián Piñera als Retter der Kumpel. Früher hatte er einen wenig schmeichelhaften Ruf.

Galt als Silvio Berlusconi von Chile: Sebastián Piñera.
Galt als Silvio Berlusconi von Chile: Sebastián Piñera.
AFP

Vermutlich hätte die Europareise eines chilenischen Präsidenten unter anderen Umständen eher wenig Beachtung gefunden. Doch seit der spektakulären Bergung der 33 in Chile verschütteten Bergarbeiter ist Sebastián Piñera ein Star auf der internationalen Bühne. Er ist nicht mehr nur der höchste Repräsentant seines Landes, sondern zugleich ein gefeierter Retter, dem weltweit angeblich eine Milliarde Fernsehzuschauer dabei zusahen, wie er strahlend die geretteten Bergleute in die Arme schloss.

Am Freitag wird Piñera in Berlin von Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen. Bei ihrem Gespräch soll es um die bilateralen Beziehungen, wirtschaftliche Fragen und das Verhältnis des Landes zur EU gehen. Aber mit Sicherheit wird es erstmal Glückwünsche zur erfolgreichen Rettungsaktion geben.

Vom kalten Unternehmer zum pathetischen Retter

Das Wunder der Mine von San José ist für Piñera ein Glücksfall: Der einst als kalt und technokratisch geltende Milliardär hat sich den Chilenen - und der ganzen Welt - als Macher mit Herz und Mann des Volkes präsentieren können.

Der 60-Jährige war von vielen mit Misstrauen beäugt worden, als er im März sein Amt antrat. Nicht nur war mit ihm 20 Jahre nach Ende der Militärdiktatur des Augusto Pinochet erstmals wieder ein rechtsgerichteter Politiker zum Präsidenten des südamerikanischen Landes gewählt worden; auch stand er im Ruf, sein Milliardenvermögen auf rücksichtslose Art und Weise angehäuft zu haben, was ihm den Beinamen «Piranha» eintrug.

Vergleiche mit Silvio Berlusconi wurden laut - auch weil Piñera, wie der italienische Regierungschef, einen Fernsehsender und einen Fussballclub besass. Seine Sendergruppe hat er inzwischen verkauft, wie auch seine Anteile an der heimischen Fluggesellschaft LAN Chile.

Sein Vermögen wird vom US-Magazin «Forbes» auf 2,2 Milliarden Dollar geschätzt. Und auch wenn viele dem Geschäftsmann wenig Sympathien entgegenbrachten – sicher auch auf Grund seines unternehmerischen Erfolgs zogen ihn die Chilenen bei der Stichwahl im Januar dem farblosen Christdemokraten Eduardo Frei vor.

Keine Zeit vergeuden

Piñera tat viel, um seinem Ruf als Macher auch in der Politik gerecht zu werden. Seine Minister verpflichtete er auf schnelle Ergebnisse - und schenkte ihnen eine Uhr, um deutlich zu machen, dass es keine Minute zu vergeuden gelte. Zugleich versprach er, die auch nach dem Tod Pinochets tief gespaltene chilenische Gesellschaft zu einen, «Mauern einzureissen, die uns trennen und Brücken der Begegnung zu bauen». Im Juli lehnte er eine umfassende Amnestie für wegen Menschenrechtsverletzungen inhaftierte Armeeangehörige des früheren Militärregimes ab.

Als Macher präsentierte sich Piñera auch bei dem Grubenunglück, von Anfang an. Kurz nach dem Einsturz der Grube am 5. August brach er seine Teilnahme an der Vereidigung des neuen kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos ab, um zum Unglücksort zu reisen. 17 Tage nach dem Einsturz dann konnte er verkünden, dass die 33 Männer noch leben. Er hielt ein Stück Papier vor die Fernsehkameras, das mit Hilfe einer Sonde aus der Mine geholt worden war und auf dem in roter Krakelschrift stand: «Bergarbeiter leben».

Ein Profiteur des Unglücks

Piñera erklärte die Bergung der Kumpel zur Chefsache - diese wurde für ihn zum Triumph, in der er um pathetische Reden nie verlegen war. Die Rettung sei «einmalig in der Geschichte der Menschheit», sagte er, nachdem der erste Kumpel geborgen war. Und als alle Bergleute befreit waren: «Ich glaube, dass die Augen der ganzen Welt noch niemals so auf Chile fixiert waren.» Damit hatte er wohl Recht – und dass die Augen der ganzen Welt dabei auch immer wieder auf ihn gerichtet waren, dürfte Piñera nicht missfallen haben

(AFP)

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