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Wegen der «Shithole»-Aussage droht nun der Stillstand

Die «Dreckloch»-Kontroverse tobt unvermindert weiter. Sie führt zu Amnesie, grellen Behauptungen und könnte Washington lahmlegen.

«Ich bin kein Rassist»: US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag einiges klarzustellen.

«Ich bin kein Ganove», erklärte Richard Nixon im US-Fernsehen im November 1973, als Watergate seine Präsidentschaft bereits erdrosselte. Am Sonntagabend versicherte Donald Trump den Amerikanern, er sei «kein Rassist», die Bezeichnung «Dreckloch» habe er nicht benützt. Von Reportern während seines Ferienwochenendes in Florida einmal mehr nach seiner Charakterisierung von Haiti, El Salvador und afrikanischen Ländern als «Drecklöcher» befragt, fügte Trump hinzu, er sei «die am wenigsten rassistische Person, die ihr jemals interviewt habt.»

Die bizarre Behauptung des Präsidenten am Vorabend des US-Gedenktags für den ermordeten Bürgerrechtler Martin Luther King reflektiert den andauernden internationalen wie nationalen Aufruhr über Trumps vulgäre Bemerkung. Gefallen war sie bei einem Treffen mit Kongressmitgliedern sowie Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen am vergangenen Donnerstag. Am Montagmorgen allerdings war plötzlich unklar, ob Trump «Shithole» oder «Shithouse» gesagt hatte.

Bei dem Gespräch im Weissen Haus ging es um einen Kompromiss bei der Einwanderungsgesetzgebung, der den sogenannten Dreamers erlauben würde, legal in den USA zu bleiben. Die Dreamers, rund 800’000 Migranten, wurden von ihren Eltern als Kinder ohne Papiere in die USA gebracht und müssen nun als junge Erwachsene mit der Ausweisung rechnen, falls keine Übereinkunft zwischen Trump und der demokratischen Opposition im Kongress erzielt wird.

Auch ein Republikaner bestätigt

Als einziger Demokrat wohnte Senator Dick Durbin (Illinois) der Beratung am Donnerstag im Weissen Haus bei. Er sass neben Trump, und es war entweder Durbin oder ein Mitarbeiter des Senators, der einen Reporter der «Washington Post» über Trumps Fäkalausdruck informierte. Nachdem das Blatt darüber berichtet hatte, befiel einige der anwesenden Republikaner zunächst Amnesie. Gemeinsam erklärten die beiden Senatoren Tom Cotton (Arkansas) und David Purdue (Georgia) am Freitag, sie könnten sich nicht «daran erinnern», dass Trump den Ausdruck «Shithole» benützt habe. Vielleicht hatten sie «Shithouse» verstanden – und betrieben nun Haarspalterei.

Video: Schwere Vorwürfe gegen Trump

Der Senator bestätigt, der Präsident dementiert, und die Welt schüttelt den Kopf: Die «Dreckloch»-Kontroverse. (Video: Tamedia/Reuters)

Ein weiterer republikanischer Senator, Lindsey Graham (South Carolina), hatte allerdings seinem afroamerikanischen Kollegen Tim Scott zu diesem Zeitpunkt bereits anvertraut, Durbins Darstellung sei «korrekt». Laut Durbin hatte Graham den Präsidenten nach dessen Gebrauch von «Dreckloch» sogar zurechtgewiesen. Am Samstag sagte dann der republikanische Senator Jeff Flake (Arizona), ihm sei von Teilnehmern des Gesprächs im Weissen Haus unmittelbar danach erzählt worden, Trump habe das Wort «Shithole» benützt – bevor die «Washington Post» darüber berichtet habe.

«Ich erinnere mich nicht an den Ausdruck»

Inmitten des Skandals kehrte nun plötzlich das verlorene Gedächtnis der Senatoren Purdue und Cotton zurück: Trump habe das Wort nie gesagt, behaupteten beide am Sonntag. Heimatschutzministerin Nielsen litt unterdessen noch immer an Amnesie: Bei einem TV-Auftritt am Sonntag nach Trumps Äusserung befragt, sagte Nielsen, sie könne sich «nicht an die exakte Formulierung erinnern». Als ihr Interviewer Zweifel am verschwundenen Erinnerungsvermögen der Ministerin äusserte und nachbohrte, blieb Nielsen bei ihrer Darstellung: «Es war eine erregte Diskussion, ich erinnere mich nicht an den spezifischen Ausdruck, das ist alles, was ich dazu sagen kann.»

Das verlorene und im Falle der Senatoren Purdue und Cotton wiedergefundene Gedächtnis ist mehr als nur eine Hilfe für den bedrängten Präsidenten: Wird bis zum Wochenende kein Kompromiss bezüglich der Dreamers erzielt, drohen die Regierungsgeschäfte in Washington zum Erliegen zu kommen, ein Shutdown der gesamten Regierung mit Ausnahme des Militärs stünde an. Die Demokraten könnten dann auf Trumps rassistische Äusserung verweisen und geltend machen, dass der Präsident nicht wirklich ein Interesse am Verbleib der überwiegend aus Mexiko und Zentralamerika stammenden Dreamers habe.

Video: Künstler macht Trump-Hotel zum «Shithole»

Kreativer Protest gegen die angebliche Wortwahl des US-Präsidenten.

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