Zum Hauptinhalt springen

Wie El Chapo den Fahndern ins Netz ging

Eine jahrelange Verfolgungsjagd ist zu Ende: Der Drogenboss Joaquín Guzmán wurde verhaftet. Wenige Tage zuvor entwischte er den Ermittlern durch ein Tunnelsystem unter seiner Badewanne.

Er wirkt resigniert, verschreckt, gedemütigt: Joaquín El Chapo Guzmán bei seiner Verhaftung.
Er wirkt resigniert, verschreckt, gedemütigt: Joaquín El Chapo Guzmán bei seiner Verhaftung.
Reuters
Diese Bilder lassen den Mythos um dem meistgesuchten Drogenboss Mexikos verschwinden.
Diese Bilder lassen den Mythos um dem meistgesuchten Drogenboss Mexikos verschwinden.
Reuters
Vor 13 Jahren gelang ihm die Flucht. Dies soll nun nicht noch einmal passieren: Joaquín Guzmán.
Vor 13 Jahren gelang ihm die Flucht. Dies soll nun nicht noch einmal passieren: Joaquín Guzmán.
Keystone
1 / 13

Mit der Festnahme von Joaquín Guzmán in Mexiko stirbt ein Mythos um einen der berüchtigsten Mafiabosse der Welt. 13 Jahre lang haben die dortigen Behörden und ihre Kollegen aus den USA nach El Chapo gesucht. Der 56-Jährige war den Ermittlern immer einen Schritt voraus – bis am vergangenen Samstag.

In einem elfstöckigen Wohnhaus in der mexikanischen Küstenstadt Mazatlán ging er den Sicherheitskräften ins Netz. Dort soll er sich mit einer Frau aufgehalten haben, hiess es ersten Berichte zufolge. Später bestätigten die Behörden die Anwesenheit eines zweiten Mannes.

Von Person zu Person an die Spitze

Die für die Verhaftung entscheidenden Informationen lieferte offenbar das Handy des Sohnes von Guzmáns Stellvertreter «El Mayo» Zambada. Serafin Zambada-Ortiz wurde im November an der mexikanischen Grenze gefasst. Ein hochrangiger US-Vollzugsbeamter bezeichnet diese Verhaftung gegenüber der britischen Zeitung «Guardian» rückblickend «als Wendepunkt in der Jagd nach El Chapo».

Die Antidrogenbehörde (DEA) verglich die Nummern auf dem Handy mit über einer Milliarde Datensätze – bestehend aus Informationen aus Vorladungen, Hausdurchsuchungen und vorgehenden Verhaftungen. Zudem soll die DEA wichtige Daten vom US-Geheimdienst erhalten haben. Offiziell wurde die Beteiligung der NSA jedoch nie bestätigt. «Wir behandelten diesen Fall wie viele andere zuvor», sagt der US-Beamte gegenüber der britischen Zeitung. Man habe sich von Person zu Person an die Spitze vorgearbeitet.

Moderne Technik

Auf der Jagd nach dem berüchtigten Drogenboss setzten die Fahnder modernste Technik ein: Selbst Überwachungsdrohnen seien dem Kriminellen mit Zustimmung des mexikanischen Militärs zwei Wochen lang gefolgt, sagte ein Mitarbeiter des Justizministeriums in Washington. Mehrere Telefone seien zudem abgehört worden.

Erst am Montag hatte sich die Schlinge schon fast einmal zugezogen. Mexikanische Soldaten stürmten vor einer Woche sein Versteck in Culiacán. Der wohl mächtigste Drogenboss der Welt entkam durch einen Tunnel unter der Badewanne. Seine Verfolger verloren seine Spur in einem Gewirr von Tunneln unter der Stadt (siehe Video).

In den Verstecken fand das mexikanische Militär überall stahlverstärkte Türen und Fluchtluken unter den Badewannen. Jeder Gang – teilweise mit Beleuchtung, Holzvertäfelung und Klimaanlage – führte zu einem System von Röhren in der Kanalisation der Stadt. In einem der Häuser wurden zudem drei Tonnen Drogen – offenbar Kokain – sichergestellt.

Das Haus im Feriengebiet

Einen Tag nach dem fehlgeschlagenen Zugriff fassten die Behörden Guzmáns Topvertrauten Manuel Lopez Ozorio. Den Ermittlern sagte er, er habe seinen Chef, Ramirez und eine Frau aus einem Abwasserkanal geholt und ihnen bei der Flucht nach Mazatlán geholfen. Ein abgehörtes Telefongespräch brachte die Ermittler schliesslich auf das Haus am Strand, in dem sich Guzmán aufhielt und wo er schliesslich festgenommen wurde.

Dass die Verhaftung unblutig ablief, gilt als ein Wunder. «Wir hätten niemals erwartet, dass er lebend gefasst wird», sagt ein führender US-Ermittler. Wie es nun mit dem Drogenboss weitergeht, ist unklar – ausser der Tatsache, dass man sich auf ein längeres juristisches Tauziehen einstellen muss. Sowohl die USA als auch Mexiko würden ihn liebend gerne vor Gericht stellen.

In Mexiko geht es um seine Rolle als Kopf des Sinaloa-Kartells, das Kokain, Marihuana, Heroin und Meth in mehr als 50 Länder weltweit verkaufen soll. In den USA liegen mindestens sieben Haftbefehle gegen Guzmán vor – wegen Drogenschmuggels, bandenmässiger, organisierter Kriminalität und Mordes. Chicago und Brooklyn haben bereits Interesse an einer Auslieferung erklärt, das letzte Wort soll allerdings die US-Regierung haben. Das Justizministerium hält sich bislang bedeckt. Angesichts der heiklen diplomatischen Situation gebe es noch keine Entscheidung.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch