Zum Hauptinhalt springen

Wie Liberale und Konservative aneinander vorbeireden

Eine Statistikerin hat untersucht, wie die Twittergemeinde rund um die Unruhen in Ferguson kommuniziert. Und hat festgestellt: Die User sprechen gar nicht miteinander.

Wer kommuniziert mit wem? Die Punkte repräsentieren die aktivsten Nutzer, die Linien bezeichnen Bemerkungen, die sich auf andere Tweets beziehen. (Bild: www.qz.com)
Wer kommuniziert mit wem? Die Punkte repräsentieren die aktivsten Nutzer, die Linien bezeichnen Bemerkungen, die sich auf andere Tweets beziehen. (Bild: www.qz.com)

Die Wutwelle, die derzeit die Strassen vieler US-Städte erfasst, funktioniert auch dank sozialer Netzwerke wie Twitter und Facebook. Auf ihnen werden Neuigkeiten geteilt, Proteste organisiert, Fotos gepostet. Und sie tragen die Diskussion in die virtuelle Welt: Unter Hashtags wie #Ferguson und #MichaelBrown wird lebhaft diskutiert, ob es richtig war, dass die Geschworenenjury den Polizisten nicht anklagen will, der im August den schwarzen Teenager Michael Brown erschossen hat. Mit diesem Entscheid hat sie den neuerlichen Proteststurm überhaupt ausgelöst.

Die amerikanische Statistikerin Emma Pierson wollte wissen, ob sich aus den Tweets die rassenbedingten und politischen Spannungen herauslesen lassen würden, die den Unruhen zugrunde liegen. Dazu wertete sie über 200'000 Tweets zum Thema aus. Sie stellte fest, dass die User in ihrer Wahrnehmung stark auseinanderdriften.

Gegenseitige Ignoranz

Mit einer interessanten Grafik (siehe oben) veranschaulicht sie ihre Erkenntnisse. Die Punkte repräsentieren die aktivsten Nutzer, die Linien bezeichnen Bemerkungen, die einen Bezug zu anderen Tweets haben. Pierson hat zwei Hauptgruppen ausgemacht: Twitterer, die sich als konservativ bezeichnen, sie gehören zur roten Gruppe. Und Nutzer, die sich als liberal beschreiben, sie sind die blaue Gruppe. In dieser Gruppe befinden sich auch überdurchschnittlich viele Nutzer afroamerikanischer Herkunft.

Die Grafik zeigt: Die beiden Gruppen führen zwar rege Diskussionen auf Twitter, sie bewegen sich aber kaum je aus ihrem politischen Wertekreis heraus. Sie ignorieren einander geradezu, schreibt Pierson. Das zeige sich auch darin, dass die beiden Gruppen die gleichen Dinge – in diesem Fall die Tötung von Michael Brown und die fehlende Anklage gegen den Polizisten – sehr unterschiedlich bewerteten. Als Beispiel stellt sie diejenigen Aussagen einander gegenüber, die von den beiden Gruppen je am häufigsten geretweetet worden sind.

(Grafik: www.qz.com)
(Grafik: www.qz.com)

Ein Nutzer der roten Gruppe schreibt etwa, er würde sich sicherer fühlen, träfe er den Polizisten Darren Wilson (der Michael Brown tötete) auf der Strasse, als wenn er Michael Brown begegnen würde. In einem beliebten Tweet der blauen Gruppe wiederum wird der bewaffnete Darren Wilson dem unbewaffneten Michael Brown gegenübergestellt.

Die rote Gruppe wirft Präsident Barack Obama vor, die Spannungen zu verschärfen und fordert einen Notstatus in Missouri (der mittlerweile ausgerufen worden ist). Die blaue Gruppe hingegen findet, der Notstatus solle nicht dazu dienen, Menschenrechte auszuhebeln.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch