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«Wir haben hier sicher nicht das Wahlergebnis vor uns»

Die jüngste US-Wahlumfrage sieht Mitt Romney vor Barack Obama. Das mag stimmen – heisst aber wenig, sagt Claude Longchamp. Der Politologe erklärt, welchen Prognosen er vertraut, und wen er im Vorteil sieht.

Martin Wilhelm

«Romney überholt Obama in Umfrage»: So oder ähnlich titelte heute morgen ein ganzer Strauss von Medien. Diese Umfrageergebnisse in Prozenten (siehe Grafik links) sind für sich alleine genommen wenig wert, meint Politikwissenschaftler Claude Longchamp. Am Sonntag schrieb er in seinem Blog: «Zwischen Websites der Prognosespezialisten in den USA und den Schlagzeilen führender Medien der Schweiz klafft eine Lücke.» Longchamp verweist dabei auf fünf in seinen Augen vertrauenswürdige Prognosen (siehe Grafik oben), welche alle einen Sieg für Obama voraussagen. Als Masseinheit gilt hier die zu erwartende Anzahl an Elektorenstimmen.

Claude Longchamp, wie kommt diese Lücke zwischen den Umfragewerten und den von Ihnen zitierten Prognosespezialisten zustande?Die Amerikaner unterscheiden dies – gerade auch in den Medien – besser als die Schweizer. Bei der erwähnten Umfrage durch das Pew Research Center handelt es sich um einen sogenannten Nowcast, also eine Aussage über den Stand zum jetzigen Zeitpunkt. Aussagen über den wahrscheinlichen Wahlausgang sind hingegen Vorhersagen. Erstmals besagt nun eine breit akzeptierte Umfrage, dass Romney möglicherweise einen Vorsprung auf Obama aufweist. Es ist relativ offensichtlich, dass hier die viel diskutierte TV-Debatte eine Wende zugunsten des Herausforderers auslöste. Wir haben hier aber sicher nicht das Wahlergebnis vor uns. Die Frage ist, ob die Wende nachhaltig ist. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass sie vorübergehend ist – wie es in der Vergangenheit nach den Fernsehdebatten häufig der Fall war.

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