«Wir werden uns gegenseitig umbringen»

Ray Dalio ist Milliardär und Kapitalismus-Kritiker. Er warnt vor einer Revolution wegen der Kluft zwischen Arm und Reich.

«Wir müssen für mehr Chancengleichheit sorgen»: Ray Dalio, Gründer des grössten Hedgefonds der Welt.

«Wir müssen für mehr Chancengleichheit sorgen»: Ray Dalio, Gründer des grössten Hedgefonds der Welt.

(Bild: Reuters)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

«Die Welt ist verrückt geworden, und das kapitalistische System ist kaputt», sagte der amerikanische Star-Investor Ray Dalio an einer Veranstaltung des Greenwich-Economic-Forums, wie die «Financial Times» berichtet. Der 70-jährige Hedgefonds-Manager macht sich Sorgen um die wachsende Kluft bei den Einkommen und Vermögen in den USA, die ernsthafte gesellschaftliche Verwerfungen herbeiführen könnte. Dalio erwähnt die Gefahren der Populismen von rechts und links. Und er warnt vor einer Revolution. «Dann werden wir versuchen, uns gegenseitig umzubringen.»

Dalio ist einer der erfolgreichsten Hedgefonds-Unternehmer weltweit. Der Sohn italienischer Einwanderer mit einem MBA-Abschluss der Harvard Business School gründete 1975 in seiner New Yorker 2-Zimmer-Wohnung seine Firma Bridgewater. Heute verwaltet Bridgewater Associates ein Vermögen von rund 160 Milliarden Dollar und ist damit der grösste Hedgefonds der Welt. «Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer grösser», sagt Dalio, der ein Vermögen von 19 Milliarden besitzt. Laut Statistik besitzt das oberste Prozent der US-Amerikaner mehr als 40 Prozent des Vermögens im Land. Die obersten 20 Prozent besitzen 90 Prozent, und die verbleibenden 80 Prozent teilen sich den Rest.

Für Mehrheit funktioniert Kapitalismus nicht mehr

Seit einigen Jahren gibt sich Dalio als Kritiker des Kapitalismus, der ihn sehr reich gemacht hat. Er kritisiert den Kapitalismus, weil er ihn bewahren möchte. «Es droht ein Konflikt zwischen Reichen und Kapitalisten auf der einen und Armen und Sozialisten auf der anderen Seite», sagte er im vergangenen Frühling in einem Interview mit dem deutschen «Handelsblatt». Der Kapitalismus sei bedroht, weil er für die Mehrheit der Leute nicht mehr funktioniere. «Der Kapitalismus muss reformiert werden. Falls das nicht gelingt, riskieren wir, dass er vom Sozialismus abgelöst wird.»

Dalio befürwortet die höhere Besteuerung von Superreichen. «Man müsste oben gar nicht viel wegnehmen, um unten einen grossen Unterschied zu machen.» Und weiter: «Wir müssen für mehr Chancengleichheit sorgen, vor allem bei der Bildung.» Dalio ist Teil der Initiative «The Giving Pledge» von Warren Buffett und Bill Gates. Dabei geht es darum, den Grossteil des Vermögens für gemeinnützige Zwecke zu stiften.

Superreiche stärker besteuern

Dass prominente Superreiche mehr Steuern für ihresgleichen fordern, scheint in Mode gekommen zu sein. «Besteuert uns stärker», appellierten 20 US-Milliardäre in einer letzten Juni veröffentlichten Erklärung an die Präsidentschaftskandidaten für die Wahlen 2020. «Amerika hat eine moralische, ethische und wirtschaftliche Verantwortung, unser Vermögen stärker zu besteuern», erklärte die Gruppe der Milliardäre, darunter George Soros, Facebook-Mitbegründer Chris Hughes, die Erben von Walt Disney und die Besitzer der Hotelkette Hyatt.

Dieses Ziel verfolgt auch die Organisation «Patriotic Millionaires» in den USA. Der Steuersatz für die Reichsten solle auf 90 Prozent ansteigen, fordert der US-Unternehmer und «patriotische Millionär» George Zimmer in einem «Guardian»-Gastbeitrag. In der Polit-Realität geht es aber in die andere Richtung. Präsident Donald Trump hat mit seinem Steuergesetz von 2017 das Einkommensgefälle verschärft.

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