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170 Prozent in zehn Jahren – China rüstet auf

In den letzten zehn Jahren sind Chinas Investitionen in Waffen massiv gestiegen. Und die Volksrepublik will noch mehr.

Bekommen mehr Gehalt: Chinesische Soldaten bei einer Übung am Stadtrand Pekings (2014).
Bekommen mehr Gehalt: Chinesische Soldaten bei einer Übung am Stadtrand Pekings (2014).
Keystone

Der Wirtschaftsboom und die Sorge über die Übermacht des Westens haben Chinas Waffenausgaben in den vergangenen zehn Jahren in die Höhe schnellen lassen. Zwischen 2004 und 2013 sind die Ausgaben in der Volksrepublik nach Schätzungen um 170 Prozent gestiegen.

«Wenn man zurück bis in die Zeit nach dem Kalten Krieg um 1992 blickt, haben sie sich sogar versiebenfacht», sagte Sam Perlo-Freeman vom Sipri-Institut in Stockholm der Deutschen Presse-Agentur. Längst hat das Land damit seine Position als weltweite Nummer Zwei hinter den USA und vor Russland gefestigt.

«Ihnen ist mehr und mehr bewusst geworden, wie sehr sie hinter den westlichen Ländern hinterherhinken», sagte Perlo-Freeman. «China ist sehr bedacht darauf, zu den USA aufzuschliessen oder seine Fähigkeiten zumindest soweit zu erhöhen, dass diese sie nicht beherrschen und in ihrer eigenen Nachbarschaft herumscheuchen können», meinte der Forscher. «Keiner rechnet mit einem Krieg – aber beide Länder sind um ihren Einfluss und ihre Stärke in der Pazifikregion besorgt.»

«Etwa zehn Prozent»

Vor der jährlichen Sitzung des Volkskongresses hat das Land eine weitere militärische Aufrüstung angekündigt. Die Ausgaben für die Streitkräfte würden um «etwa zehn Prozent» steigen, sagte die Sprecherin des Volkskongresses, Fu Ying, auf einer Pressekonferenz in der Grossen Halle des Volkes in Peking.

«Für ein grosses Land wie China ist es nötig, dass es sich gut verteidigen kann.» Deshalb sei eine ausreichende Finanzierung nötig.

Wettrüsten in der Region

Chinas Vormarsch wiederum lässt bei seinen Nachbarn die Alarmglocken schrillen. «Es herrscht viel Besorgnis über Chinas militärische Macht, besonders in den Ländern, mit denen China in Konflikt steht», sagte Perlo-Freeman. Japan rüste gerade seit der Machtübernahme durch die Rechtskonservativen auf. «Die Regierung ist sehr interessiert daran, Japan als Militärmacht zu etablieren und sich von der pazifistischen Verfassung der Nachkriegszeit wegzubewegen.»

Auch Indien blicke wegen der langen Rivalität der beiden Länder und Streits über Grenzen argwöhnisch Richtung China. «Indien hat seine Militärausgaben bis vor ein paar Jahren erhöht. China war ein Grund dafür», sagte Perlo-Freeman. «Das hat sich aber verlangsamt, auch weil Indiens Wirtschaft nicht mehr so schnell wächst.»

Auch Vietnam und die Philippinen rüsteten auf, um der Volksrepublik ansatzweise Paroli zu bieten. «Einige Länder, die eine im Grossen und Ganzen gute Beziehung zu China haben, reagieren anders», sagte der Forscher. Taiwan etwa bemühe sich, das Verhältnis zu China zu intensivieren.

Weniger Import – mehr Eigenproduktion

Bewusst hangele sich die Höhe der Ausgaben am Wirtschaftsboom entlang, sagte der Forscher. «Die Chinesen haben die offizielle Linie, dass die Modernisierung des Militärs hinter der wirtschaftlichen Entwicklung stehen muss», erklärte Perlo-Freeman. «Sie wollen dem Militär eine hohe Priorität einräumen. Es soll aber keine zunehmende Belastung für die Wirtschaft sein.»

Die jährlichen Ausgaben betragen deshalb konstant seit über einem Jahrzehnt etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zuletzt gab China 2013 nach Sipri-Schätzungen 188,5 Milliarden Dollar für sein Militär aus.

Die Volksrepublik habe nicht nur die Gehälter der Soldaten erhöht, sondern stecke vor allem Geld in moderne Informationstechnologien für das Militär an Land, auf dem Wasser und in der Luft. «Viele Waffen sind aus Russland importiert worden», sagte Perlo-Freeman. «Aber sie haben sich schnell eine eigene Industrie aufgebaut, stark in militärische Forschung und Entwicklung investiert.»

Das sei daran zu erkennen, dass die Waffenimporte in China in den vergangenen Jahren gesunken seien: Hinter Indien ist das Land inzwischen nur noch der zweitgrösste Importeur. «Das liegt nicht daran, dass sie weniger Geld ausgeben – sie geben mehr aus, aber eben immer mehr zu Hause.»

SDA/chk

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