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Asien nimmt Abschied von der Kohle

In Indien und China wird nach einem Bericht mehrerer Umweltorganisationen deutlich weniger in neue Kohlekraftwerke investiert. Das hat globale Auswirkungen. Das Pariser 2-Grad-Ziel rückt in greifbare Nähe.

Starke Verschmutzung, geringe Renditeprognose: Kohlekraftwerk in der Provinz Liaoning im Nordosten Chinas.
Starke Verschmutzung, geringe Renditeprognose: Kohlekraftwerk in der Provinz Liaoning im Nordosten Chinas.
Keystone

Während US-Präsident Donald Trump der Kohle als Energielieferant eine neue Chance geben will, beginnt Asien langsam, sich von diesem Rohstoff zu verabschieden. Jahrelang investierten Indien und China Milliarden in die Kohleverstromung, doch nun deutet sich gemäss einem Bericht eine Trendwende an.

Ausbau drastisch verlangsamt

Im Vergleich zum Vorjahr wurden 2016 weltweit rund zwei Drittel weniger Kohlestromkapazität installiert, heisst es in dem Bericht, den die drei Umweltorganisationen Greenpeace, Sierra Club und Coal Swarm gemeinsam veröffentlichten. Für den Kampf gegen den Klimawandel sind das gute Nachrichten: Dank der drastischen Verlangsamung beim Ausbau komme das im Pariser Klimaabkommen beschlossene 2-Grad-Ziel nun in greifbare Nähe, schreiben die Autoren der Studie – wenn die Entwicklung so weitergehe.

Über 100 Projekte auf Eis

Die einsetzende Abkehr von der Kohle in Indien und China hat globale Bedeutung. In diesen beiden Ländern wurden in den vergangenen zehn Jahren 86 Prozent der weltweit neuen Kohlemeiler errichtet. Doch jetzt liegen in den beiden Staaten insgesamt mehr als 100 Projekte auf Eis, wie es in dem Bericht der Umweltorganisationen heisst. 2016 war weltweit die Kapazität der eingefrorenen Projekte erstmals höher als jene, die durch neu begonnene Projekte hinzukommen soll.

Für den Trend gibt es mehrere Gründe: Aufgrund der starken Smogbelastung hat Chinas Regierung vergangenes Jahr zahlreiche Projekte gestoppt und sogar bereits mehrere Meiler stillgelegt. Ohnehin wurden in der Vergangenheit in China mehr Kohlekraftwerke gebaut, als eigentlich benötigt wurden. Auch in Indien hat man sich beim Bedarf für Kohlestrom verkalkuliert. Dort haben grosse Energiekonzerne zunehmend Schwierigkeiten, eine Finanzierung für Kohlekraftwerke zu bekommen.

Solarstrom immer billiger

Im Dezember prognostizierte die Regierung in Delhi, dass bis zum Jahr 2027 keine weiteren Kohlekraftwerkprojekte mehr in Angriff genommen werden sollen. Stattdessen werden erneuerbare Energien immer schneller ausgebaut – vor allem dank sinkender Preise für die Anlagen. Das Beratungsunternehmen KPMG beispielsweise geht davon aus, dass Solarstrom in Indien bis zum Jahr 2020 rund 10 Prozent billiger als Strom aus Kohle sein wird. Viele Kohlekraftwerke könnten aus diesem Grund schon bald unrentabel werden.

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