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China bereit für Handelskrieg mit Japan

Der Konflikt um die unbewohnte Senkaku-Inselgruppe im Ostchinesischen Meer spitzt sich weiter zu. Die chinesische Regierung will zwar hart gegen Demonstranten vorgehen, droht Japan aber gleichzeitig mit Sanktionen.

Angespannte Lage im Ostchinesischen Meer: Südkoreanische Kampfjets auf dem Luftwaffenstützpunkt von Seosan.
Angespannte Lage im Ostchinesischen Meer: Südkoreanische Kampfjets auf dem Luftwaffenstützpunkt von Seosan.
Keystone
China wie auch Japan erheben Anspruch auf eine Kette felsiger Inseln: Ein japanisches Patrouillenflugzeug über Senkaku. (13. Oktober 2013)
China wie auch Japan erheben Anspruch auf eine Kette felsiger Inseln: Ein japanisches Patrouillenflugzeug über Senkaku. (13. Oktober 2013)
Japan Pool/Jiji Press, AFP
Auf dem Weg zu den Diaoyu-Inseln: Chinesische Fischerboote. (16. September 2012)
Auf dem Weg zu den Diaoyu-Inseln: Chinesische Fischerboote. (16. September 2012)
AFP
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Zehntausende haben am Dienstag an anti-japanischen Demonstrationen in zahlreichen chinesischen Städten teilgenommen. Ein Grossaufgebot von Polizei und paramilitärischen Kräften sicherte die meist gut organisierten Protestzüge. Anlass der neuen Massenaufmärsche ist der historisch heikle Jahrestag des Mukden-Zwischenfalls am 18. September 1931, den die kaiserlich japanische Armee damals als Vorwand für ihre Invasion in Nordostchina genommen hatte.

Neuerliche Demonstrationen gab es in Peking sowie im ganzen Land verteilt in Städten wie Guangzhou, Changsha, Chongqing, Wenzhou, Harbin und Shenyang. Die Demonstranten protestierten wie bereits am Wochenende gegen den Kauf von Inseln im Ostchinesischen Meer durch die japanische Regierung. Die chinesisch Diaoyu und japanisch Senkaku genannten unbewohnten Felseninseln sind seit Jahrzehnten zwischen beiden Ländern umstritten. In dem Seegebiet gibt es reiche Fischgründe sowie Öl- und Gasvorkommen.

Japanische Firmen schliessen

Wegen der neuen Protestwelle forderte Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda seine Botschaft in Peking sowie japanische Generalkonsulate in anderen Städten des Landes zu erhöhter Wachsamkeit auf. Die chinesischen Behörden wurden aufgefordert, für die Sicherheit japanischer Staatsbürger zu sorgen.

Grosse japanische Konzerne schlossen aus Sicherheitsgründen ihre Fabriken in China. Elektronikhersteller wie Sony, Mitsubishi Electric sowie Autofabriken von Honda, Toyota, Suzuki oder Nissan schickten ihre chinesischen Arbeiter vorerst für zwei Tage nach Hause. Nach Berichten erhielten einige Händler japanischer Automarken sogar Polizeischutz in ihren Vertretungen, nachdem es am Wochenende zu Plünderungen und Ausschreitungen gekommen war. Auch japanische Einzelhandelsketten liessen ihre Türen vorsichtshalber geschlossen.

Peking droht mit Wirtschaftssanktionen

In Peking demonstrierten mehrere tausend Menschen vor der japanischen Botschaft. Der Umzug schien gut organisiert und wurde von einem Grossaufgebot von Polizei überwacht. Demonstranten riefen zum Boykott japanischer Waren auf. Auf einigen Spruchbändern wurde sogar zum Krieg gegen Japan aufgerufen. Demonstranten warfen Plastikflaschen auf das Botschaftsgelände.

Chinas Regierung will hart gegen die Demonstranten durchgreifen. Gleichzeitig schreckt Peking nach eigenen Angaben vor einem Handelskrieg nicht zurück. Das kommunistische Parteiorgan «Volkszeitung» drohte offen mit Wirtschaftssanktionen. Wichtige Bereiche wie Produktion, Finanzen, Exporte nach China, Importe «strategisch wichtiger Materialen» oder japanisch investierte Unternehmen in China könnten Zielscheibe der Strafmassnahmen werden, warnte das Blatt. Ein Handelskrieg werde beide Länder treffen. Aber China sei willens und in der Lage, die Konsequenzen zu tragen, die für Japan «katastrophaler» wären, hiess es.

Boote patrouillieren in umstrittenen Gewässern

Angesichts der Spannungen patrouillieren beide Länder mit Schiffen in den umstrittenen Gewässern. Die japanische Küstenwache habe ein chinesisches Fischerei-Begleitschiff gesichtet, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press. Man habe die Besatzung aufgefordert, nicht in japanische Hoheitsgewässer einzudringen.

Berichten zufolge ist eine Flotte Hunderter chinesischer Fischerboote zum Beginn der neuen Fangsaison in das Seegebiet aufgebrochen. Chinas Küstenwache will die Fischer beschützen. Zwischenfälle wurden bislang nicht bekannt. Am Dienstag landeten überdies nach Angaben der japanischen Küstenwache zwei Japaner auf einer der umstrittenen Inseln. Demnach war unklar, warum die zwei zu der Insel gefahren waren.

Vor dem Hintergrund der Spannungen begann US- Verteidigungsminister Leon Panetta politische Gespräche in Peking. Er war am Vorabend aus Tokio kommend zu einem länger geplanten dreitägigen Besuch in Peking eingetroffen. In Japan hatte Panetta zu Zurückhaltung und einer friedlichen Lösung des Konfliktes aufgerufen.

sda/dapd/bh/rbi/fko

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