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China verliert die Geduld mit den USA

Die USA müssen sich wegen ihrer Schuldenprobleme massive Kritik von ihrem grössten ausländischen Geldgeber China gefallen lassen. Peking droht Washington nun mit Geldentzug.

Kritische Haltung: Chinas Präsident Hu Jintao im Gespräch mit einem Übersetzer beim Staatsbesuch in Washington. Im Hintergrund Barack Obama. (19. Januar 2011)
Kritische Haltung: Chinas Präsident Hu Jintao im Gespräch mit einem Übersetzer beim Staatsbesuch in Washington. Im Hintergrund Barack Obama. (19. Januar 2011)
Keystone

Den Vereinigten Staaten gehe es derzeit schlechter als erwartet, sagte ein Wirtschaftsberater der chinesischen Regierung, Yu Bin. Peking müsse deshalb die möglichen Risiken seiner grossen Beteiligungen an den US-Schulden ernsthaft prüfen, warnte Yu.

Sein Land beobachte derzeit, ob die US-Notenbank neue Massnahmen in die Wege leite, die China möglicherweise schaden könnten, sagte Yu. Dabei geht es vor allem um den Aufkauf von Staatsanleihen durch die US-Notenbank. Das würde den Kurs des Dollars drücken, was die meisten Rohstoffe verteuern würde, die in Dollar gehandelt werden. Das könnte das Wirtschaftswachstum in China und das Leben der Menschen beeinträchtigen, erklärte Yu.

«Wir hoffen, dass die US-Regierung verantwortungsvolle Beschlüsse und Massnahmen verabschiedet, die die Interessen der Investoren garantiert», sagte auch der Sprecher des Aussenministeriums, Hing Lei. China hält US-Staatsanleihen im Wert von mehr als einer Billion Dollar und ist damit der grösste Gläubiger der US-Regierung. Der Druck auf US-Präsident Barack Obama und den Kongress wird damit stärker, bei den Gesprächen über eine Anhebung der Verschuldungsgrenze zu einer Einigung zu kommen und einen Zahlungsausfall damit zu vermeiden.

70 Prozent in Dollar-Anlagen

Zum einen wird die Zeit langsam knapp, zum anderen droht die mächtige Ratingagentur Moody's mit einem umgehenden Entzug der Bonitäts-Bestnote «Aaa». Berater der chinesischen Zentralbank erwarten in den kommenden Jahren einen Dollar-Verfall. «Langfristig, so in zehn bis 20 Jahren, wird es mit dem Dollar bergab gehen», sagte Xia Bin, akademisches Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Notenbank, zu Reuters. «Wir sollten deshalb unsere Währungsreserven stärker streuen.»

Durch hohe Exportüberschüsse und den massiven Kapitalzufluss sind die Devisenreserven Chinas im Frühjahr um 153 Milliarden Dollar auf den Rekordwert von 3,2 Billionen Dollar gestiegen. Etwa 70 Prozent davon stecken in Dollar-Anlagen, schätzen Analysten. Bekommen die USA ihre Schuldenprobleme nicht in den Griff, droht eine Abwertung des Dollar - und damit Verluste für Dollar-Investoren.

Mögliche Herabstufung

Die chinesischen Ratingagentur Dagong will die Bonitätsnote für die USA zum zweiten Mal seit November herabsetzen, sollte die Regierung das Schuldenproblem nicht rasch in den Griff bekommen. «Wenn sich die Finanzlage in den den kommenden drei bis sechs Monaten nicht merklich bessert, werden wir die US-Staatsanleihen definitiv herabstufen», sagte Dagong-Chef Guan Jianzhong zu Reuters.

Das gelte auch für den Fall, dass die US-Notenbank Federal Reserve der angeschlagenen grössten Volkswirtschaft der Welt mit weiteren Milliarden-Spritzen unter die Arme greift. Im Frühjahr hatten bereits mehrere Ratingagenturen den USA mit einer Herabstufung gedroht. Moody's signalisierte nun jedoch als erste, dass der Schritt unmittelbar bevorstehen könnte, indem sie die Note auf «Überprüfung auf eine mögliche Herabstufung» setzte.

US-Präsident Barack Obama braucht die Zustimmung des Kongresses, um die Verschuldungsgrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar anzuheben. Falls die Gespräche - die am Donnerstagabend fortgesetzt werden sollten - scheitern, sind die USA voraussichtlich ab dem 2. August zahlungsunfähig. Ein solcher «Super-GAU» der weltgrössten Wirtschaftsmacht würde die Finanzmärkte erschüttern. Das US-Finanzministerium erklärte, die Drohung von Moody's sei eine passende Erinnerung daran, dass der Kongress nun endlich eine Einigung erzielen müsse.

Chinas Aufstieg ist nicht aufzuhalten

Chinas Aufstieg zur globalen Führungsmacht ist derweil nach Meinung der meisten Westeuropäer nicht aufzuhalten. Eine Umfrage des Forschungsinstitut Pew unter 22 Nationen weltweit kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Westeuropäer glauben, dass China die USA bereits als führende Weltmacht abgelöst hat oder dies noch tun wird.

Obwohl viele Westeuropäer Zweifel gegenüber dem Machtanspruch der Vereinigten Staaten haben, geniessen die USA in den meisten der befragten Länder weiterhin ein positives Image. Damit setzt sich ein Trend fort, der mit dem Beginn der Präsidentschaft von Barack Obama 2009 einsetzte. Dabei gingen die Meinungen über den US-Präsidenten durchaus weit auseinander. Vertrauen ihm in Deutschland 88 Prozent der Befragten, so sind es in Pakistan lediglich acht Prozent.

China wird von den meisten Ländern positiv gesehen, erreichte aber in Ländern wie Deutschland, Indien, Japan, der Türkei und anderen nur Zustimmungswerte unter 40 Prozent. Während mehr als die Hälfte der befragten US-Bürger eine positive Sicht von China haben, waren es dort umgekehrt nur 44 Prozent, die mit Wohlwollen auf die Vereinigten Staaten blicken.

Chinas wachsende Militärmacht sehen viele mit Sorge

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage war das weitverbreitete Gefühl, dass es sich bei der wachsenden militärischen Stärke Chinas eher um eine schlechte Sache handelt. Dabei kam bei der Befragung ein durchaus gemischtes Bild hinsichtlich Chinas Wirtschaftswachstums zustande, welches in 13 Ländern von der Mehrheit als positiv betrachtet wird. In Grossbritannien beispielsweise beurteilten 53 Prozent der Befragten das chinesische Wirtschaftswachstum als positiv, während 71 Prozent das militärische Wachstum als schlecht bezeichneten.

Gleichwohl gab es jenseits des westeuropäischen Optimismus auch andere Einschätzungen. So glaubt ein knappes Drittel in der Türkei, dass China die USA ablösen wird, während im Libanon 54 Prozent sagten, China werde die Vereinigten Staaten niemals als führende Weltmacht ersetzen.

dapd/ sda/pbe, jak

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