Der Diktator und die mächtigen Frauen

Mehrere Frauen begleiten Kim Jong-un in Vietnam. Wer sind sie, und welchen Einfluss haben sie auf den nordkoreanischen Machthaber?

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Christoph Neidhart@tagesanzeiger

Kim Jong-un wird in Vietnam von mehreren Frauen begleitet: seiner Schwester Kim Yo-jong, seiner Gattin Ri Sol-ju sowie der Sängerin Hyong Song-wol. Alle drei sind wichtig für das nordkoreanische Regime.

Anders als Kim trat seine Schwester direkt von der Universität in den Parteiapparat ein. Seit vier Jahren leitet sie die Propagandaabteilung. Sie ist immer in der Nähe, wenn Kim auftritt. «Kim Yo-jong ist entscheidend für Kims Image», sagte Jay Song von der Universität Melbourne. «Sie hat Kim aus seinem Bau geholt und sorgt dafür, dass er sich vor Kameras und auf dem internationalen Parkett wohlfühlt. Sie orchestriert seine Auftritte.»

Ministerin Choe Son-hui und Sängerin Hyong Song-wol. Fotos: PD

Als Kim Jong-un mit US-Aussenminister Mike Pompeo verhandelte, soll Kim gesagt haben: «Ich bin ein Vater und Ehemann. Und ich habe Kinder. Ich will nicht, dass meine Kinder ihr ganzes Leben die Bürde von Atomwaffen auf ihrem Rücken tragen.» Das berichteten Mitglieder von Pompeos Team. Mit seiner Frau Ri Sol-ju tritt Kim auch in Nordkorea als modernes Paar auf, Ri meist in hellen westlichen Kleidern und einer Handtasche von Chanel. Er hält ihre Hand, oder sie hakt ihm unter. Das war selbst in Südkorea bis vor kurzem nicht möglich. Ri hat für Nordkoreas Elite ein neues Frauenbild geschaffen. Sie geht nur selten hinter ihm, wie es die traditionelle Frauenrolle verlangt. Experten glauben, sie habe grossen Einfluss auf ihren Mann. Und seine Schwester forme ihre Schwägerin zur perfekten First Lady.

Gattin Ri Sol-ju und Schwester Kim Yo-yong. Fotos: PD

Die Musikerin Hyong Song-wol, die inzwischen auch in Südkorea populär ist, hat ähnlich viel Einfluss wie die Schwester. «Nicht auf das Image Kims. Sie steht für das schöne Korea», sagt Experte Jay Jong.

Mit Vize-Aussenministerin Choe Son-hui und Kim Song-hye haben im Vorfeld des Gipfels auch zwei Frauen mit den Amerikanern verhandelt. «Nordkorea braucht ein positives, weniger bedrohliches Bild, das männerdominierte, militaristische Image hilft nicht, Sanktionen zu überwinden oder die innerkoreanischen Beziehungen zu verbessern», sagt Jay Song. Im Norden werden die Frauen sicher weiter an Gewicht gewinnen. «Ironischerweise hinkt das demokratischere Südkorea hinterher. Gerade im Friedensprozess wären die Frauen wichtig.»

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