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Der Inselstreit geht ins Geld

Der Streit um die Inselgruppe im Ostchinesischen Meer beschränkte sich bisher auf lautstarkes Säbelrasseln. Für japanische Firmen in China geht es jedoch bereits ums Überleben: Ihnen drohen Milliardenverluste.

Angespannte Lage im Ostchinesischen Meer: Südkoreanische Kampfjets auf dem Luftwaffenstützpunkt von Seosan.
Angespannte Lage im Ostchinesischen Meer: Südkoreanische Kampfjets auf dem Luftwaffenstützpunkt von Seosan.
Keystone
China wie auch Japan erheben Anspruch auf eine Kette felsiger Inseln: Ein japanisches Patrouillenflugzeug über Senkaku. (13. Oktober 2013)
China wie auch Japan erheben Anspruch auf eine Kette felsiger Inseln: Ein japanisches Patrouillenflugzeug über Senkaku. (13. Oktober 2013)
Japan Pool/Jiji Press, AFP
Auf dem Weg zu den Diaoyu-Inseln: Chinesische Fischerboote. (16. September 2012)
Auf dem Weg zu den Diaoyu-Inseln: Chinesische Fischerboote. (16. September 2012)
AFP
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Der Streit zwischen China und Japan um eine rohstoffreiche Inselgruppe im Ostchinesischen Meer könnte beide Länder Milliarden kosten. In der Volksrepublik blieben angesichts der Proteste in Dutzenden Städten etliche japanische Betriebe am Dienstag geschlossen.

So habe Mazda die Produktion in seiner Fabrik in Nanjing für vier Tage gestoppt, berichtete die Tageszeitung «China Daily». Canon schloss demnach drei Fabriken und gab 20'000 Mitarbeitern zwei Tage bezahlten Urlaub. Zudem seien insgesamt mehr als 200 Läden zweier japanischer Ketten geschlossen worden. Während Honda die Schliessung aller fünf Montagewerke in China für Dienstag und Mittwoch meldete, stellte Sony die Produktion nur an zwei seiner sieben Standorte im Land ein. Sharp und Kawasaki hingegen berichteten von normalem Geschäftsbetrieb an ihren Standorten in China.

Der chinesische Verteidigungsminister kündigte unterdessen an, dass sein Land sich in dem Konflikt das Recht vorbehalte, weitere Massnahmen gegen Japan zu ergreifen. Japan solle die volle Verantwortung für den Streit tragen, sagte General Liang Guanglie am Dienstag in Peking. Zuvor war er mit US-Verteidungsminister Leon Panetta zusammengetroffen, der sowohl Liang als auch Japan aufforderte, eine friedliche und diplomatische Lösung zu finden.

Demonstranten verbrennen japanische Flaggen

Tausende Demonstranten zogen am Dienstag wieder aus Protest zur japanischen Botschaft in Peking und riefen antijapanische Parolen. Einige verbrannten japanische Flaggen und warfen Äpfel, Wasserflaschen und Eier auf die Botschaft. Die Demonstranten forderten einen Boykott japanischer Waren. An die chinesische Regierung appellierten sie, an ihrem Anspruch auf die umstrittenen Inseln, die in Japan Senkaku-Inseln und in China Diaoyu-Inseln genannt werden, festzuhalten. Die Polizei errichtete Barrikaden, um das Gebäude zu sichern. Die chinesische Regierung hatte am Vortag ein hartes Durchgreifen gegen gewaltsame antijapanische Proteste angekündigt. In zahlreichen weiteren Städten in China kam es zu ähnlichen Protesten, jedoch mit deutlich weniger Teilnehmern.

«Ich bin hergekommen, damit unsere Inseln nicht von Japan überfallen werden», sagte Wang Guoming, ein 38-Jähriger Demonstrant. «Wir denken, wir sollten Japan den Krieg erklären, denn die Japaner sind zu böse. Nieder mit Klein-Japan», rief er. Der glühende Patriotismus drang auch ins Internet vor. So sahen Nutzer des populären Suchmaschinenbetreibers Baidu auf der Webseite eine riesige chinesische Fahne, errichtet auf einer Zeichnung der Inselgruppe. Zudem zogen sich alle Mitglieder der chinesischen Badminton-Mannschaft, die bei den Olympischen Spielen in London mehrere Goldmedaillen gewonnen hatte, von einem Turnier in Japan zurück. Der Wettbewerb hatte am Dienstag erst begonnen.

Jahrestag der japanischen Invasion in China

Der rege Zulauf zu den Protesten wurde anlässlich des 81. Jahrestags der japanischen Invasion in China noch stärker. Der 18. September ist der Jahrestag eines Anschlags, der 1931 zur Mandschurei-Krise geführt hatte. Japan besetzte damals die Provinz im Nordosten Chinas.

Die Spannungen zwischen Japan und China wegen der Inselgruppe im Ostchinesischen Meer nehmen schon seit Wochen zu. Am Wochenende hatte sich der Streit in zum Teil massiven Protesten in zahlreichen chinesischen Städten entladen. Am Dienstag landeten überdies nach Angaben der japanischen Küstenwache zwei Japaner auf einer der umstrittenen Inseln. Demnach war unklar, warum die zwei zu der Insel gefahren waren. Am frühen Morgen hatte die Küstenwache bereits einem chinesischen Schiff nahe den Inseln eine Warnung erteilt. Doch konnten die Behörden keine Berichte staatlicher chinesischer Medien bestätigen, wonach mehr als 1000 chinesische Fischerboote auf dem Weg zu den Eilanden seien.

Auslöser der aktuellen Proteste war der Kauf der umstrittenen Inseln durch die japanische Regierung von einem Unternehmer, was in China als Affront betrachtet wurde. Japan kontrolliert die Inseln seit 40 Jahren, nachdem sie von den USA, die sie im Zweiten Weltkrieg besetzt hatten, aufgegeben worden waren. Beansprucht werden die Inseln aber auch von China und Taiwan. Sie sind von reichen Fischgründen umgeben. Zudem werden riesige Ölvorkommen unter dem Meeresboden vermutet.

dapd/mrs

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