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«Die Lage kommt minütlich einem Bürgerkrieg näher»

Der Machtkampf zwischen der Regierung und den Rothemden wird immer brutaler. Thailands Regierungschef Abhisit verteidigt das Vorgehen der Armee.

Es wird scharf geschossen: Ein Fotograf hilft einem verletzten Demonstranten.
Es wird scharf geschossen: Ein Fotograf hilft einem verletzten Demonstranten.
Keystone
Zusammenstösse auch am Sonntag: Demonstranten verbarrikadieren sich in der Innentadt.
Zusammenstösse auch am Sonntag: Demonstranten verbarrikadieren sich in der Innentadt.
Keystone
Rückzug: Die Touristen verlassen eiligst die umkämpften Gebiete in der Innenstadt.
Rückzug: Die Touristen verlassen eiligst die umkämpften Gebiete in der Innenstadt.
Keystone
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In Bangkok wird der Machtkampf zwischen Regierung und Opposition immer brutaler: Seit Donnerstag starben bei Strassenkämpfen zwischen Armee und Rothemden nach Medienberichten 24 Menschen, etwa 170 wurden verletzt.

Im von den Rothemden besetzten Stadtteil Ratchaprasong schossen Soldaten erneut mit scharfer Munition auf eingekesselte Demonstranten. Diese setzten Benzinbomben, Steine und selbst gebaute Raketen als Waffen ein.

Tausende Sicherheitskräfte hatten das Gelände seit Donnerstag mit Stacheldraht abgeriegelt. Sie wollen verhindern, dass die Regierungsgegner Verstärkung und Nachschub, auch Nahrungsmittel und Getränke, erhalten. Wasser und Strom wurden von der Armee bereits abgedreht.

«Wir werden die staatliche Ordnung wiederherstellen»

Thailands Regierungschef Abhisit Vejjajiva drohte am Samstagabend in einer vom Fernsehen übertragenen Erklärung, die Sicherheitskräfte würden entschlossen vorgehen: «Wir werden die staatliche Ordnung, Ruhe und Frieden wiederherstellen.»

Die Armee erklärte das Areal um das besetzte Quartier am Samstag zu einer Zone, in der «scharf geschossen wird». Sie warnte auf einem Schild vor scharfer Munition. Ein Armeesprecher drohte zudem mit einer Stürmung. Zugleich beteuerte die Regierung, die Soldaten dürften nur schiessen, um ihr eigenes und andere Leben zu retten.

Durchhalteparolen bei den Rothemden

Die Rothemden, darunter Frauen und Kinder, verschanzen sich hinter aus scharfen Bambusstöcken, Autoreifen und Stacheldraht mit Rasierklingen errichteten Barrikaden. Es waren Gewehrsalven zu hören, Barrikaden standen in Flammen und Leichen lagen in Blutlachen. Demonstranten beschuldigten Scharfschützen des Heeres, drei Oppositionsanhänger mit Kopfschüssen gezielt getötet zu haben. «Die Lage kommt minütlich einem Bürgerkrieg näher», sagte einer der Führer der Proteste, Jatuporn Prompan. Zugleich erklärte er, die Regierungsgegner seien entschlossen weiterzukämpfen.

Die Zahlen über die Stärke der Rothemden gehen auseinander: Sicherheitskräfte schätzten sie am Samstag auf 8000, das Oppositionsbündnis UDD sprach von 15'000. Allerdings hatten sich zu Beginn der Proteste noch Hunderttausende Rothemden in der thailändischen Hauptstadt versammelt.

Bei den Regierungsgegnern ist die Lage verzweifelt, dennoch gaben Anführer Durchhalteparolen aus: «Wir werden weiter kämpfen», sagte einer. Er räumte aber ein, dass die Vorräte an Lebensmitteln, Wasser und Benzin zur Neige gingen. «Wir kämpfen bis zum Tod, wenn es sein muss», sagte ein 37- jähriger Demonstrant. Andere forderten jedoch einen Waffenstillstand. «Wir wollen nur Demokratie», rief einer.

Entsetzte Einwohner

Die Hauptstädter beobachteten entsetzt, wie sich Bangkok zu einem Kriegsgebiet zu verändern schien. «In meinen Ohren dröhnen noch immer die Schüsse der vergangenen Nacht», sagte der 48-jährige Ratana Veerasawat, der in der Nähe einen Gemischtwarenladen betreibt. «Es ist schlimm und wird immer schlimmer. Das beste ist, wir gehen.»

Schon vor Beginn der Blockade durch das Militär hatten im Quartier Ratchaprasong die meisten Geschäfte, Botschaften, Luxushotels und Villen-Anlagen dicht gemacht. Am Freitag wurde auch die Schweizer Botschaft geschlossen.

Kaum Wege aus der Krise

Die Rothemden sind überwiegend Anhänger des 2006 gestürzten Ministerpräsident Thaksin Shinawatra. Sie fordern Neuwahlen. Thaksins Anhänger hatten die Wahlen 2007 gewonnen. Sie wurden aber nach Protesten und juristischen Manövern aus der Regierung gedrängt. Abhisit kam nur an die Macht, weil ein Koalitionspartner der Thaksin- freundlichen Regierung die Seiten wechselte.

Mitte vergangene Woche waren Vermittlungsgespräche abgebrochen worden. Abhisit warf der Opposition vor, immer wieder neue Forderungen zu stellen. Der Regierungschef verlangte darauf ein Ende der Blockade bis Mittwoch. Nach Verstreichen des Ultimatums zog er sein Versprechen, im November Parlamentswahlen durchzuführen, wieder zurück und schickte die Armee los. Neue Verhandlungen schloss Abhisit vorerst aus.

sda/ddp/jak

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