Dieser Walfang ist Good News für Wale

Erstmals seit Jahrzehnten läuft eine japanische Walfangflotte aus. Gleichzeitig gibt das Land den Fang im Pazifik auf – für Experten ein Fortschritt.

Ein Minkewal im Netz eines japanischen Schiffes. Foto: Getty Images

Ein Minkewal im Netz eines japanischen Schiffes. Foto: Getty Images

Christoph Neidhart@tagesanzeiger

Im Hafen der nordjapanischen Stadt Kushiro werden heute fünf Walfangkutter mit einer schlichten Feier verabschiedet. Zum ersten Mal seit 31 Jahren läuft damit eine Fangflotte Nippons zum kommerziellen Walfang aus. Wie lange diese Jagd dauern wird und welche Quoten freigegeben sind, ist nicht bekannt. Walschützer in aller Welt reagieren empört – Patrick Ramage dagegen, der Direktor des Meeresschutzprogramms der Tierschutzorganisation International Fund for Animal Welfare, lobt Japan. Das sei ein grosser Schritt zum Schutz der Wale, «der Anfang vom Ende des Walfangs», sagte er kürzlich in Tokio.

Japan ist ab heute nicht mehr Mitglied der Internationalen Walfangkommission (IWC). Damit ist es nicht mehr an dessen Walfangmoratorium gebunden. Tokio gab seinen Austritt, nachdem es beim letzten IWC-Kongress in Brasilien mit seinem Vorstoss gescheitert war, die Zulassung eines limitierten kommerziellen Walfangs durchzusetzen. Der Minkewal oder Nördliche Zwergwal sei keine bedrohte Tierart mehr, so Tokios Argument. Die IWC stoppte 1986 jeden kommerziellen Walfang mit einem Moratorium, das zunächst für fünf Jahre galt. Es wurde seither stets verlängert.

Tokio beendet die Scharade

Trotz dieses Verbots hat Japan weiter Wale gejagt, von Dezember bis März vor der Küste der Antarktis, im Juni und Juli im Nordpazifik. Dazu nützte es ein Schlupfloch im Moratoriumstext, das das Töten von Walen für die Wissenschaft zulässt. Für seine angebliche Forschung, die der Internationale Gerichtshof in einem Urteil von 2014 als Deckmantel entlarvte, hat Japan seit 1986 23 000 Wale erlegt. Und ihr Fleisch nach einer «wissenschaftlichen» Auswertung zum Verkauf freigegeben. Noch im Juni erlegten jene Walfänger, die nun zum kommerziellen Walfang auslaufen, vor der Küste von Hokkaido 47 Minkewale «für die Forschung».

Tokio hat gleichzeitig mit der Ankündigung, es werde kommerziellen Walfang in seinen Küstengewässern wiederaufnehmen, auch bekannt gegeben, es beende den Walfang im Süd- und Nordpazifik – und die Scharade, die Jagd sei für die Wissenschaft. «Wenn man mir das vor zehn Jahren gesagt hätte, ich hätte es nicht geglaubt», sagt Tierschützer Ramage. «Das Ende der Jagd im Süd- und Nordpazifik ist ein grosser Fortschritt. Zudem ist das eine sauberere Lösung.»

Ramage wertet Tokios IWC-Austritt als geschickten Schachzug: «Es war undenkbar, dass ­Japan den Tierschützern nachgibt. Andererseits hätte die IWC den kommerziellen Walfang nicht wieder zugelassen. Ich will den Einfluss der Walschützer nicht schmälern. Aber diese Entscheidung musste Tokio für sich selber treffen.»

Tourismus ist einträglicher

Mit dem Austritt sei es der Regierung von Premier Shinzo Abe gelungen, «das Gesicht zu wahren und den angeblich wissenschaftlichen Walfang doch aufzugeben». Nebenbei kann sie damit Subventionen von etwa 40 Millionen Dollar sparen, mit denen ein Lebensmittel gefördert wurde, das die grosse Mehrheit der Japaner gar nicht will. Nur noch wenige essen Walfleisch, zumeist ältere Männer.

«Inzwischen bieten 115 japanische Unternehmen entlang der Küste Walsafaris an. Sie wenden sich ebenfalls gegen den Walfang», so Ramage. «Es geht den Tieren und den Küstenorten besser, wenn die Wale gesehen werden statt gejagt.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt