Ein Fall für die Weltpolizisten

Indien und Pakistan laufen Gefahr, die Kontrolle über die Eskalation im Kashmir-Konflikt zu verlieren.

Das Militär wird mobilisiert: Indische Truppen bewegen sich in der umstrittenen Region. Video: Reuters
Christof Münger@ChristofMuenger

Angefangen hat es mit einem perfiden Anschlag auf indische Truppen. Darauf bombardierte Indiens Luftwaffe ein mutmassliches Terror-Camp in Pakistan. Und nun schossen die pakistanischen Streitkräfte zwei indische Kampfjets ab – es ist seit Jahrzehnten die grösste Krise im Streit um Kashmir. Die beiden Erzfeinde versichern zwar immer wieder, man wolle eine Eskalation unbedingt vermeiden. Aber genau das geschieht jetzt.

Einen Konflikt eskalieren zu lassen, ist denn auch viel einfacher, als ihn zu entschärfen. Vor allem dann, wenn beiden Seiten eine Eskalation nicht ungelegen kommt: In Indien wird in zwei Monaten gewählt, und Premier Narenda Modi, ein hinduistischer Nationalist, kann seine Popularität steigern, wenn er Härte zeigt. Dasselbe gilt für Imran Khan, den pakistanischen Ministerpräsidenten, der erst seit kurzem im Amt ist und sich profilieren möchte. Und weil dieser Dauerkonflikt die Ingredienzen Atomwaffen und islamistischer Terrorismus enthält, ist er besonders gefährlich.

Einen Konflikt wie jenen um Kashmir eskalieren zu lassen, ist viel einfacher, als ihn zu entschärfen.

Deshalb sollten die Weltpolizisten den Fall übernehmen. Vom UNO-Sicherheitsrat ist jedoch kaum mehr zu erwarten als ein Appell. Wenigstens dürften sich die Vetomächte für einmal nicht blockieren, denn niemand kann an einem Krieg in Südasien interessiert sein. Das gilt insbesondere für China, das einen Teil Kashmirs besetzt hält. Vor allem aber investiert Peking in Pakistan viel in seine neue Seidenstrasse, man spricht bereits von «Pekistan». Ein Krieg würde das Milliardenprojekt massiv stören. Nur schon aus Eigeninteresse müsste China seinen Verbündeten mahnen, sich zurückzuhalten.

Was China für Pakistan ist, sind die USA für Indien. Washington hat Delhi vor gut zehn Jahren das Plazet für sein Atomprogramm gegeben. Seither sind die beiden Staaten strategische Partner. Vielleicht ist es eine Fügung, dass der US-Präsident gerade in der Gegend ist. So könnte Donald Trump nach dem Gipfel in Hanoi auf dem Heimweg einen Zwischenhalt in Delhi einlegen und mässigend auf die Regierung Modi einwirken. Zumal er Ambitionen auf den Friedensnobelpreis hat.

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