Zum Hauptinhalt springen

Ein Feuerball – dann wurde es dunkel

Ein Anschlag der Taliban auf eine Sicherheitskonferenz mit hochrangigen Teilnehmern hat zwei deutsche Soldaten getötet. Unter den Verletzten ist auch der Kommandeur der internationalen Schutztruppe.

Hier schlugen die Taliban zu: Rauch steigt auf über dem Sitz des Gouverneurs der Provinz Tachar.
Hier schlugen die Taliban zu: Rauch steigt auf über dem Sitz des Gouverneurs der Provinz Tachar.
AFP

Bei einem Selbstmordattentat auf ein Gebäudekomplex des Gouverneurs der nordafghanischen Provinz Tachar sind nach offiziellen Angaben zwei Bundeswehrsoldaten sowie mindestens vier Afghanen getötet worden. Drei weitere deutsche Soldaten wurden verletzt, darunter auch General Markus Kneip, der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF in Nordafghanistan, teilte Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin mit. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Selbstmordanschlag in Afghanistan als «mörderische Menschenverachtung». Sie sei «schockiert und traurig» über das Attentat mit Toten und Verwundeten, teilte Merkel am Samstag in Berlin mit. Den Angehörigen der Toten gelte ihr aufrichtiges Mitgefühl, den Verletzten wünsche sie von Herzen eine baldige und vollständige Genesung. Die Bundeskanzlerin forderte eine gründliche Untersuchung des Attentats durch die afghanischen Behörden, damit die Schuldigen so rasch wie möglich zur Rechenschaft gezogen werden können.

Attentäter in Polizeiuniform

Gegen 16.45 Uhr Ortszeit hat der Selbstmordattentäter in der nordafghanischen Stadt Talokan am Samstag seinen Sprengsatz gezündet, wie ein hochrangiger afghanischer Polizist mitteilte. Gerade, als die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz ihr Treffen beendet hatten. Dann habe es einen Feuerball gegeben und alle Menschen seien durcheinander gelaufen, sagte er. Danach sei der Raum dunkel geworden und weisser Rauch habe sich ausgebreitet.

Die Explosionen ereigneten sich während eines Treffens in dem Bürogebäude, sagte Lal Mohammad Ahmadsai, Sprecher der afghanischen Polizei, der sich zum Zeitpunkt des Attentats im Gebäude aufhielt. «Was wir wissen, ist, dass der Attentäter eine Polizeiuniform trug», sagte Fais Mohammad Tauhedi, ein Sprecher des bei dem Anschlag verletzten Gouverneurs Abdul Dschabar Takwa. «Wie er den Konferenzraum betrat und warum er nicht durchsucht wurde, wissen wir nicht», sagte Tauhedi. Offenbar war es dem Attentäter gelungen, in einen Raum in dem Gebäudekomplex zu gelangen, in dem am Samstag ein Treffen hochrangiger afghanischer Vertreter mit Mitgliedern der NATO-Truppen stattfand. Die Bundeswehr ist für die Sicherheit im Norden des Landes zuständig.

Taliban sprechen von einer Kampagne

Bei dem Anschlag wurde der Polizeichef Nordafghanistans und frühere Minister für Drogenbekämpfung, General Daud Daud getötet, sagte Basech. Demnach kamen ausserdem der Polizeichef der Provinz, ein Sekretär des Gouverneurs und ein Leibwächter Dauds ums Leben. Zehn Afghanen seien verletzt worden, darunter auch der Gouverneur Abdul Dschabar Takwa, der Verbrennungen an Kopf, Rücken und Händen erlitten habe, sowie sein Kameramann und acht Mitglieder der Sicherheitsdienste, sagte der Direktor der Gesundheitsbehörden der Provinz, Hassain Basech.

Talibansprecher Sabiullah Mudschahid sagte, der Anschlag sei Teil einer Kampagne zur Ermordung hochrangiger Beamter. Ausserdem habe das Attentat die Pläne der afghanischen Streitkräfte für eine Offensive im Norden des Landes untergraben sollen, sagte er. Der afghanische Präsident Hamid Karzai verurteilte den Selbstmordanschlag als «barbarischen Terrorakt». Erst vor zehn Tagen waren bei Zusammenstössen vor einem Bundeswehrlager in derselben Provinz zwölf Menschen getötet worden.

dapd/ami

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch