Ende aller Hoffnung

Der türkische Einmarsch in Nordsyrien zwingt die Kurden zur Aufgabe ihres Traums vom eigenen Staat – einmal mehr.

Türkische und US-amerikanische Militär-Fahrzeuge nahe der syrischen Grenzstadt Tal Abyad. Die US-Truppen zogen sich vergangenen Montag aus dem Gebiet zurück. Die Kurden fühlen sich im Stich gelassen. Foto: Keystone

Türkische und US-amerikanische Militär-Fahrzeuge nahe der syrischen Grenzstadt Tal Abyad. Die US-Truppen zogen sich vergangenen Montag aus dem Gebiet zurück. Die Kurden fühlen sich im Stich gelassen. Foto: Keystone

Paul-Anton Krüger@pkr77

Das wechselseitige Verhältnis zwischen der Türkei, Syrien, dem Irak und dem Iran ist von Konkurrenz geprägt, sprachlich, kulturell, historisch und (geo)politisch. Ankara und Teheran ringen um die Führung in der Region, bis zum Sturz Saddam Husseins hatte auch der Irak Ambitionen, Syrien bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges 2011. In einem aber sind sich die vier Staaten einig: Die Unabhängigkeitsbestrebungen des kurdischen Volkes, das verteilt auf ihren Territorien lebt, betrachten sie als Bedrohung.

Mehrmals in der Geschichte haben diese Staaten Deals geschlossen, die zulasten der Kurden gingen. Immer wieder sind die Kurden auch instrumentalisiert worden in Rankünen, und sie haben mitgemacht in der Hoffnung auf den eigenen Staat. In Syrien stehen sie nun wieder allein da.

Die Europäer tun jetzt empört, konkret geholfen haben aber auch sie nicht.

So ähnlich ging es schon den irakischen Kurden. Auch sie hatten mit der Armee, dem einstigen Feind, gegen die Terrormiliz Islamischer Staat gekämpft. «Wir sind alle Iraker», hiess es auf den Schlachtfeldern um Mosul noch allerseits. Kaum aber waren die letzten Hochburgen des Kalifats gefallen, wendeten sich dieselben Anti­terroreinheiten gegen die Kurden.

In vielerlei Weise bieten sich die Kurden dem Westen als Partner an. Im Irak haben sie ihre Autonomie unter dem Schutz der USA genutzt, um ein Gemeinwesen aufzubauen, das sich positiv abhebt in der Region. Es hätte langen Atem gebraucht und politischen Einsatz, um in Syrien eine ähnliche Regelung durchzusetzen. Der Westen wäre es den Kurden schuldig gewesen.

Doch Trump hat daran kein Interesse, aus welchen Motiven auch immer. Die Europäer tun jetzt sehr empört, konkret geholfen haben aber auch sie nicht. Was den Kurden bleibt, ist einmal mehr ein Arrangement zu ihren Lasten: Sie haben Russland um Vermittlung gebeten. Das heisst nichts anderes, als das Regime von Präsident Bashar al-Assad in ihre Gebiete zu holen. Mit Assads Truppen an der Grenze könnte der türkische Präsident wohl leben – anders als mit den Kurden. Der Preis für sie wird einmal mehr sein: das Ende der Autonomie und des Traums vom eigenen Staat.

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