Zum Hauptinhalt springen

Eskalation per Luftballon

Nordkorea droht, die Grenze zum Süden wieder zu schliessen. Gerüchten zufolge soll Kim Jong-il einen zweiten Schlaganfall erlitten haben.

Kritische Beobachter: Zwei nordkoreanische Soldaten äugen kritisch auf die Grenze zum Süden (Archiv).
Kritische Beobachter: Zwei nordkoreanische Soldaten äugen kritisch auf die Grenze zum Süden (Archiv).
Keystone

Nordkorea werde ab 1. Dezember die Grenze zum Süden schliessen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur in Pyongyang am Mittwoch. Seine Armee werde die Zahl der Grenzübertritte strikt beschränken oder ganz stoppen, bestätigte ein nordkoreanischer Armee-Unterhändler seinem südkoreanischen Kollegen.

Pyongyang begründete die Drohung mit dem Konfrontationskurs der konservativen Regierung in Seoul. Präsident Lee Myung-bak verletze jene Abkommen, welche bei den zwei innerkoreanischen Gipfeln unterzeichnet wurden.

Insbesondere regt sich das Regime im Norden über die grossen Propaganda-Ballone auf, die südkoreanische Aktivisten mit Flugblättern und Devisen über die Grenze fliegen lassen. Sie wollen Nordkoreaner zur Flucht animieren. Solche Propaganda war bis zum ersten Gipfel im Juni 2000 üblich. An jenem Treffen vereinbarten die beiden Koreas, darauf künftig zu verzichten. Lees Regierung sagt, sie könne nichts machen, die Aktivisten starteten ihre Ballone von ausserhalb der Grenzzone. Während der Amtszeiten der letzten zwei Präsidenten hatte die Polizei solche Aktionen freilich verhindert.

Nicht, dass die innerkoreanische Grenze bisher offen wäre. Nur zwei Strassenübergänge und eine Bahnverbindung durchbrechen die knapp 250 Kilometer lange Grenze, an der über eine Million Soldaten stehen. Die Strassen wurden in den letzten Jahren eröffnet, die Bahnlinie offiziell erst vergangenen Herbst. Auf ihr verkehrt ein einziger Güterzug täglich in die Wirtschaftssonderzone bei Kaesong, der grenznahen Stadt des Nordens. Dort beschäftigen Firmen aus Südkorea derzeit etwa 100'000 Nordkoreaner: zu Kosten, die zehnmal geringer sind als in Südkorea.

Zurzeit leben und arbeiten 1600 Südkoreaner in der Sonderzone, dazu besuchen täglich etwa 200 die Wirtschaftsenklave im Norden. Sie, ihre Firmen und Südkoreas Wirtschaft wären die Leidtragenden der angedrohten Grenzschliessung.

Obwohl Nordkorea vorige Woche Militär in die Sonderzone schickte und bereits mit ihrer Schliessung drohte, glaubt Lees Administration, der Norden, dem eine neue Hungersnot drohe, könne es sich gar nicht leisten, die innerkoreanischen Beziehungen abzubrechen. Bisher hat Seoul die täglichen Attacken gegen Lee und frühere Warnungen deshalb ignoriert. Allerdings fürchten manche Beobachter in Seoul, diesmal sei es dem Norden ernster.

Der Hardliner Lee, der auch in innenpolitischen Konflikten keine Neigung zum Kompromiss zeigt, war gegen die Streichung Nordkoreas von der US-Liste der den Terrorismus unterstützenden Staaten. Als Reaktion liess er den Ton gegen den Norden verschärfen.

Selbst in Lees Regierung fürchtet eine Minderheit, die gegenwärtige Eskalation könnte im Norden eine Eigendynamik auslösen, die den Militärs noch mehr Macht in die Hand spielt. Oder schon gespielt hat. Sie sind gegen jeden Ausgleich mit dem Süden.

Wie geht es dem Diktator?

Niemand weiss, wie krank Nordkoreas Diktator Kim Jong-il ist. Er scheint am 13. August einen Schlaganfall erlitten zu haben und dürfte seither zwar entscheidungsfähig, aber nicht vorzeigbar gewesen sein. Also wohl behindert. Unter Berufung auf Geheimdienstquellen meldete der japanische Fernsehsender TBS freilich, im Oktober habe er einen zweiten Schlag erlitten. Diktaturen reagieren mit Abschottung, wenn die Machtstruktur wankt. Macht der Norden seine Drohung wahr, wäre das auch ein Indiz, dass es Kim Jong-il nicht gutgeht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch