Festung Singapur: Kims rennende Bodyguards

Fürs Gipfeltreffen ist Singapur eine Festung. Singapurs Polizei setzt auf die Eliteeinheiten nepalesischer Gurkhas.

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Vincenzo Capodici@V_Capodici

Es war eine merkwürdige Szene, die sich Ende April beim Korea-Gipfel in Panmunjom an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea abspielte. Kim Jong-un liess sich in einer schwarzen, gepanzerten Mercedes-Limousine zum Lunch chauffieren. Dabei rannten zwölf Männer hinter und neben dem Wagen des nordkoreanischen Machthabers mit. Die Männer im Laufschritt trugen alle schwarze Anzüge, weisse Hemden und schwarze Krawatten. Sie sind bereit, ihr Leben zu opfern, sollte ihr Chef angegriffen werden.

Diese zwölf Männer gehören zu den allerbesten Bodyguards von Kim. Die rennenden Bodyguards begleiten ihren Chef auch beim historischen Gipfel mit US-Präsident Donald Trump, der am Dienstag in Singapur stattfindet. Sie waren am Sonntag zu sehen, als Nordkoreas Staatschef von seinem Hotel zu Singapurs Premier fuhr. Bei seinem ersten Auftritt in Singapur wurde Kim Jong-un von 30 Fahrzeugen eskortiert.

Besuch beim Gastgeber vor dem Gipfel: Kim Jong-un in seiner Mercedes-Limousine auf dem Weg zu Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong. Quelle: Youtube/VOA-News

Die Leibwächter des nordkoreanischen Machthabers beherrschen den Umgang mit Waffen und verschiedene Kampfkünste. Ihre Ausbildung ähnelt jener der Spezialkräfte der nordkoreanischen Armee. Wer Bodyguard werden will, muss härteste physische und psychische Tests bestehen. Selbst das Aussehen spielt offenbar eine Rolle. Zudem müssen die Personenschützer ungefähr so gross sein wie der Machthaber Kim: Die Angaben über dessen Grösse sind nicht einheitlich, die Rede ist von 1,75 bis 1,79 Metern. Kandidaten und ihre Familie werden durchleuchtet, schliesslich müssen sie politisch zuverlässig sein und absolut loyal. Nicht selten stammen sie aus Familien, die der Elite des Landes angehören. Eine Laufbahn als Bodyguard dauert etwa zehn Jahre.

Die Bodyguards sind bei ihren Einsätzen meistens im westlichen Stil gekleidet. Sie tragen entsprechende Anzüge und Krawatten, zudem dunkle Sonnenbrillen und Knöpfe im Ohr, ähnlich den Leuten des Secret Service des US-Präsidenten. Zur Ausstattung gehören eine halbautomatische Waffe und eine zweite Waffe für den Notfall.

Bis 300 Leute für unmittelbaren Personenschutz

Kim Jong-un leistet sich einen grossen Sicherheitsapparat zu seinem persönlichen Schutz. Wie der Nordkorea-Experte Michael Madden in einem Beitrag für die BBC schreibt, gehören 200 bis 300 Personen einer Abteilung an, die sich allein um den unmittelbaren Personenschutz kümmert. Mehr als die Hälfte davon sind Leibwächter, die anderen Leute sind Fahrer oder gehören dem technischen Staff an.

Eine weitere Abteilung kümmert sich um andere Sicherheitsangelegenheiten, wenn Kim Jong-un öffentlich unterwegs ist. So inspiziert sie Strassen und Orte, die der Diktator passieren wird, sowie Gebäude, wo sich dieser aufhalten wird. Und sie entwickelt Aktionspläne für den Angriffsfall. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Hotel, wo der Staatschef übernachtet. Alles wird auf verborgenen Sprengstoff, Abhörwanzen und versteckte Kameras untersucht. Während des Aufenthalts wird auch das Essen überprüft. Im Hotel wird zudem ein eigenes verschlüsseltes Kommunikationssystem eingerichtet.

Mögliche Attentäter sollen nicht wissen, in welchem Wagen der US-Präsident sitzt: Donald Trumps Fahrzeugeskorte mit zwei Präsidentenlimousinen («The Beast») in den Strassen von Singapur. Foto: Reuters

Nordkoreanische Sicherheitsexperten, die sich um solche logistische und technische Aufgaben kümmern, halten sich schon seit Tagen in Singapur auf. Während des Gipfels sind die Nordkoreaner mit eigenem Wachpersonal rund um die Uhr vor Ort. Mehrere Sicherheitskordons sollen den Schutz von Nordkoreas Machthaber gewährleisten. Mit einem grossen Sicherheitsaufgebot sind auch die Amerikaner in Singapur präsent. An solche Gipfel schickt der Secret Service des US-Präsidenten mehrere Hundert Leute.

Eliteeinheiten nepalesischer Gurkhas im Einsatz

Für zusätzliche Sicherheit während des Gipfels sorgt die Polizei von Singapur. Im Einsatz sind unter anderem die Gurkhas. Das sind Elitesoldaten, die aus Nepal stammen. Sie haben eine grosse Tradition. Gurkhas hatten einst den britischen Kolonialherren gedient, weil sie als fähige Kämpfer aufgefallen waren. Gurkhas gehören seit 1949 der Singapurer Polizei an. Zurzeit dienen 2000 Gurkhas in Singapur.

Singapur ist ohnehin bekannt für seine strikten Sicherheitsvorkehrungen. Die Sicherheitskräfte werden zentrale Orte Singapurs faktisch abriegeln und Strassen sperren. Die Gegend um das Capella-Hotel auf Sentosa, wo der Gipfel stattfindet, erklärten die Behörden zur Sicherheitszone. Der Polizei ist die Durchsuchung von allen Menschen erlaubt, die in diesen Tagen in diese Zone hineinwollen. Für Treffen zwischen Kim und Trump werden schätzungsweise 23'000 Polizisten mobilisiert.

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