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General Petraeus: Ausdünnung statt Abzug

Erstmals hat General David H. Petraeus sein Vorgehen für Afghanistan skizziert. Er will einzelne Regionen nicht sich selbst überlassen, die Sicherheit in den Städten massiv erhöhen und die Korruption bekämpfen.

Sollen nach Kampfhandlungen länger in den Regionen verbleiben: US-Kämpfer in Afghanistan.
Sollen nach Kampfhandlungen länger in den Regionen verbleiben: US-Kämpfer in Afghanistan.
Keystone

Der neue Oberkommandierende für Afghanistan, US-General David H. Petraeus, hat seine neue Strategie für die kommenden Monate fertig skizziert. Demnach soll der Rückzug aus einzelnen Regionen schrittweise vollzogen werden, anstatt die Übergabe der Sicherheitsaufgaben auf einen Schlag an die Lokalbehörden zu übergeben. Dies berichten Offizielle der Nato und des Pentagons der «New York Times».

Diese Strategie ermöglicht es Petraeus, einzelne Truppenkontingente aus dem Land abzuziehen, nachdem einzelne Regionen abgesichert wurden. Gleichzeitig können andere Einheiten für neue Missionen in Afghanistan eingesetzt werden. Ausserdem soll die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte noch zusätzlich forciert werden.

Für jede einzelne Region soll ein Zeitplan zur Übergabe der Souveränität erstellt werden. «Wir werden nicht einfach eine Region sich selbst überlassen, sondern unsere Truppen langsam ‹ausdünnen›», wird der US-General im Magazin «Wired» zitiert.

Kein überstürzter Abzug

Um die Fortschritte auch in der Bevölkerung spürbar werden zu lassen, will Petraeus den Sicherheitsaufwand in Kabul und anderen Städten massiv erhöhen und die Korruption in der Regierung Karzai verstärkt bekämpfen. Petraeus wendet sich somit vom Vorgehen seines Vorgängers Stanley McChrystal ab, bei dem die US-Truppen Aufständische aus einem bestimmten Gebiet vertrieben, weiterzogen und damit erneut ein Sicherheitsvakuum hinterliessen.

Mit dieser Neuausrichtung der Strategie erhofft sich der General der Forderung Barack Obamas nach einem Beginn des Abzugs ab 2011 entsprechen zu können. Von einem überstürzten Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan will Petraeus jedoch nichts wissen.

«Sie sollten sich noch einmal anhören, was Präsident Obama gesagt hat: dass im Juli 2011 eine Phase beginnt, in der wir nicht alle zum Ausgang rennen und nach dem Lichtschalter suchen, den wir ausmachen können, bevor wir die Tür hinter uns zuschlagen», sagte Petraeus in einem Interview mit dem ZDF. Man werde sich «den Gegebenheiten angepasst» zurückziehen.

14 tote US-Soldaten seit letzter Woche

Momentan sind die afghanischen Truppen nicht in der Lage, für die Sicherheit im eigenen Land zu garantieren. Nur in wenigen Provinzen sei der erwünschte Fortschritt erzielt worden, sagt eine Quelle der Nato gegenüber der «New York Times». Die Lage im Süden des Landes hat sich zudem dramatisch verschlechtert. Alleine seit letztem Samstag sind 14 US-Soldaten bei Angriffen der Taliban im Süden des Landes gestorben.

Petraeus wird es in den nächsten Wochen darum gehen, die Nato-Alliierten davon zu überzeugen, mehr in die Ausbildung der afghanischen Truppen zu investieren, anstatt überstürzt aus einem unbeliebten Krieg abzuziehen. Der US-General plädiert für Geduld. Denn die USA hätten erst jetzt die volle Kampfkraft erreicht. Noch bleibt ihm rund ein Jahr Zeit, seine Pläne in die Tat umzusetzen.

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