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Gewaltiger Schaden für das Urlaubsland

Mathias Peer, Korrespondent in Südostasien, kommentiert den Terroranschlag in Bangkok.

Die Eskalation der Gewalt in Thailands Hauptstadt ist eine Tragödie für die Opfer, ihre Freunde und Angehörige. Sie ist aber auch eine Katastrophe für das ganze Land, das nach jahrelangen Konflikten offenbar noch immer nicht zur Ruhe kommen kann.

Über die Hintergründe des Anschlags kann bisher nur spekuliert werden – möglicherweise hat er etwas mit dem Widerstand gegen die Militärregierung zu tun, die sich im vergangenen Jahr an die Macht geputscht hat. Möglicherweise geht es um den gewaltsamen Kampf der Separatisten im Süden des Landes. Sicher ist: Dass sich die Menschen auf Bangkoks Strassen nicht mehr sicher fühlen können, ist ein gewaltiger Schaden für das Urlaubsland, dessen Bevölkerung zu grossen Teilen auf Geschäfte mit Touristen angewiesen ist.

Die Bomben von Bangkok vergrössern nun die politische Instabilität der vergangenen Jahre und verschrecken die Besucher aus dem Ausland. Erste Reisewarnungen gibt es. Die Behörden müssen nun alles dafür tun, die Verantwortlichen zu finden und die Sicherheit in der Hauptstadt wiederherzustellen.

Der Chef der Militärjunta, Prayuth Chan-ocha, sollte dabeiaber der Versuchung widerstehen, die Freiheitsrechte der Bevölkerung weiter einzuschränken. Seit seiner Machtübernahme sind politische Kundgebungen verboten, die Pressefreiheit wurde erheblich abgebaut, Kritik gilt als unerwünscht. Prayuth verfolgte damit nach eigenem Bekunden das Ziel, das gespaltene Land zu befrieden. Doch die Konflikte in Thailands Gesellschaft verschwinden nicht, indem man sie einfach von der Bildfläche verbannt.

Im vergleichsweise armen, aber bevölkerungsreichen Nordosten des Landes haben Millionen Menschen seit Jahren den Eindruck, dass ihre Stimme von der Elite in Bangkok ignoriert wird. Immer wieder wählten sie Regierungen ins Amt, die anschliessend per Gerichtsverfahren oder durch Machtübernahmen des Militärs wieder entfernt wurden. Sie fürchten, dass die neue Verfassung, die derzeit von der Militärregierung erarbeitet wird und im kommenden Jahr in Kraft treten soll, ihre Mitspracherechte noch weiter einschränken soll.

Damit vermieden werden kann, dass Spannungen noch weiter eskalieren, muss Thailands politische Führung deshalb versuchen, einen Konsens zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen herzustellen. Dafür sind offene Debatten ohne Maulkorb nötig – und demokratische Wahlen, bei denen jede Stimme das gleiche Gewicht erhält.

Mail: ausland@bernerzeitung.ch

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