«Ich betrachte das überhaupt nicht als Vertrauensbruch»

70 Länder protestieren gegen Nordkoreas Raketentests, auch die USA. Doch Präsident Trump relativiert den jüngsten Atomwaffen-Drill.

Beeinträchtigt für US-Präsident Donald Trump das Verhältnis zum Machthaber Kim Jong-un nicht: Raketentest in Nordkorea. (10. Mai 2019) Bild: KCNA/Reuters

Beeinträchtigt für US-Präsident Donald Trump das Verhältnis zum Machthaber Kim Jong-un nicht: Raketentest in Nordkorea. (10. Mai 2019) Bild: KCNA/Reuters

Siebzig Länder haben Nordkorea nach den jüngsten Waffentests dazu aufgerufen, seine Atomwaffen, ballistischen Raketen und verwandte Programme aufzugeben, und die «unverminderte Bedrohung» für den Weltfrieden angeprangert.

Pyongyang werde ermutigt, «jegliche Provokation zu vermeiden», hiess es in dem von Frankreich verfassten Dokument vom Freitag. Zu den Unterzeichnern gehörten die USA, Südkorea sowie Länder aus Asien, Lateinamerika, Afrika und Europa, nicht allerdings Russland und China.

Weiter wird Nordkorea in dem Dokument aufgefordert, die «Gespräche mit den USA über eine Denuklearisierung fortzusetzen». Nordkorea hatte zuvor mit zwei Raketentests innerhalb einer Woche scharfe Kritik in weiten Teilen der internationalen Gemeinschaft ausgelöst.

Experten gehen davon aus, dass Pyongyang mit den Abschüssen Druck auf die USA in den festgefahrenen Gesprächen zum Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenarsenals ausüben möchte.

Trump: Kein Vertrauensbruch

US-Präsident Donald Trump versicherte jedoch am Freitag, die Test hätten sein Verhältnis zum nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un nicht beeinträchtigt. «Ich betrachte das überhaupt nicht als Vertrauensbruch», sagte Trump in einem Interview mit dem Politmagazin «Politico». Es habe sich lediglich um Kurzstreckenraketen gehandelt, «sehr normales Zeug. Sehr normal».

Nur 24 Stunden zuvor hatte der US-Präsident die Waffentests noch als Anlass genommen, die Verhandlungsbereitschaft Pyongyangs infrage zu stellen. «Ich weiss, sie wollen verhandeln, sie sprechen übers Verhandeln. Aber ich denke nicht, dass sie bereit zum Verhandeln sind», sagte er am Donnerstag im Weissen Haus.

«Das war sehr normales Zeug»: Donald Trump, hier im Bild mit seiner Frau Melania im Weissen Haus, sagt, es habe sich lediglich um Kurzstreckenraketen gehandelt. (10. Mai 2019) Bild: Jim Watson/AFP

Kim hatte sich bei einem Gipfeltreffen mit Trump im vergangenen Jahr in Singapur grundsätzlich auf eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel verständigt. Konkrete Schritte wurden allerdings nicht vereinbart.

Ihren zweiten Gipfel im Februar in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi brachen Kim und Trump ergebnislos ab. Nordkorea hatte eine Aufhebung der Sanktionen gefordert, über eine Gegenleistung Pyongyangs wurde aber keine Einigung erzielt.

oli/sda

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