Der König von Thailand ist tot

Die Militärregierung ruft nach dem Tod von Bhumibol Adulyadej eine einjährige Staatstrauer aus. Sein Nachfolger steht schon lange fest.

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Thailands König Bhumibol Adulyadej ist tot. Nach Angaben des Palastes starb der 88-Jährige im Siriraj-Spital in Bangkok. Dort wurde er bis zuletzt wegen verschiedener, meist altersbedingter Leiden behandelt.

«Obwohl ihn das Gremium der Ärzte genau beobachtet und nach ihrem besten Vermögen behandelt hat, hat sich der Gesundheitszustand des Königs bis Donnerstag niemals verbessert, sondern verschlechtert», hiess es in einer Erklärung des Palastes.

Sondersitzung des Parlaments

Das Land hatte bereits seit Tagen um den schwer kranken Monarchen gebangt. Täglich beteten Hunderte Thailänder vor dem Spital in Bangkok. Das Parlament berief für Donnerstagabend eine Sondersitzung ein.

Bhumibol ist der dienstälteste Monarch der Welt – er wurde 1946 zum König ausgerufen und im Mai 1950 offiziell gekrönt. Im Volk genoss er hohes Ansehen und wurde mit religiöser Hingabe verehrt.

Kronprinz wird König – lange Staatstrauer

Nachfolger des verstorbenen Königs wird der Kronprinz des Landes. Wie der thailändische Regierungschef Prayuth Chan-ocha in einer Fernsehansprache bekannt gab, soll der 64-jährige Prinz Maha Vajiralongkorn den Thron besteigen.

Die Regierung werde das Parlament darüber informieren, dass König Bhumibol seinen Sohn am 28. Dezember 1972 zu seinem Nachfolger bestimmt habe. Zugleich rief der Militärmachthaber eine einjährige Trauerzeit aus.

«Er ist nun im Himmel und dürfte von dort auf die thailändischen Bürger schauen», sagte Regierungschef Prayuth Chan-ocha. Die Todesnachricht sei eine Tragödie für das thailändische Volk.

Nicht mehr öffentlich aufgetreten

Einen Grossteil des vergangenen Jahrzehnts befand sich der Monarch in stationärer Behandlung im Siriraj-Spital in der Hauptstadt Bangkok, vor allem wegen altersbedingter Leiden. Dort wird auch seine schwer kranke Frau Sirikit behandelt.

Im Juni hatte er sich einer Herzoperation unterziehen müssen. Am Sonntag hatte der Palast erklärt, der Gesundheitszustand des Königs sei «instabil» – verbunden mit dem Hinweis, die Ärzte rieten davon ab, dass er weiter seinen Amtspflichten nachkomme. Zuletzt war er nach Angaben vom Mittwoch an ein Atemgerät angeschlossen und bekam eine Nierenersatztherapie.

Bhumibol hatte zwar auf dem Papier vorwiegend repräsentative Aufgaben, doch hatten Palast und Kronrat hinter den Kulissen enormen politischen Einfluss. Keine Regierung konnte sich ohne das Wohlwollen des Königs lange halten. Der jüngste Militärputsch fand im Mai 2014 statt. Seit Januar ist Bhumibol nicht mehr öffentlich aufgetreten.

Kronprinz weniger beliebt

Das buddhistische Königreich in Südostasien mit fast 70 Millionen Einwohnern dürfte vor grossen politischen Umwälzungen stehen. Die rund 30 Millionen Touristen, die jedes Jahr kommen, sollen davon aber unberührt bleiben, wie die Behörden versichern.

Kronprinz Maha Vajiralongkorn ist bei weitem nicht so beliebt, wie sein Vater es war. Der 64-Jährige verbringt viel Zeit in München, weil sein jüngster Sohn Dipangkorn Rasmijoti in Bayern zur Schule geht. Von der Mutter hat der Kronprinz sich 2014 scheiden lassen. Er hat sieben ältere Kinder mit zwei weiteren Ex-Frauen.

Militärregierung sicherte sich im August Einfluss

Das Land hat strikte Gesetze gegen Majestätsbeleidigung. Sie schützen den König, seine Frau und den Kronprinzen vor jeder Kritik. Selbst harmlos klingende Kommentare können zu Anzeigen führen. Die Gesetze werden seit Jahren ausgenutzt, um politische Gegner zu diskreditieren.

Die Gesetze haben einen Diskurs darüber, wie das Land sich nach dem Ableben des Königs weiterentwickeln will, unterbunden. Die Militärregierung hat sich mit einer im August durchgesetzten Verfassung andauernden Einfluss gesichert.

Gespaltene Gesellschaft

Thailands Gesellschaft ist seit mehr als zehn Jahren politisch tief gespalten. Auf der einen Seite stehen die sogenannten Gelbhemden. Sie geben sich als Monarchietreue, die die alte Ordnung, in der wenige einflussreiche Familien die Geschicke des Landes bestimmten, aufrechterhalten wollen. Auf der anderen Seite stehen die Rothemden, unterstützt vor allem von der ärmeren Bevölkerung, die mehr Mitsprache und eine Politik zur Förderung der Armen fordern.

Beide Seiten werfen sich masslose Korruption vor. Mit Demonstrationen und Blockadeaktionen haben beide Lager die jeweils andere Regierung immer wieder unter Druck gesetzt und deren Sturz herbeigeführt.

fal/AFP/SDA/AP

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