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Kims Herzstück zur Plutoniumanreicherung

Pyongyang will die stillgelegte Nuklearanlage in Yongbyon wieder in Betrieb nehmen. Dort könnte Plutonium aufbereitet werden. China kritisiert den Schritt. Die US-Armee belässt ihr Kriegsschiff vor Ort.

Nach Verhandlungen schaltete Nordkorea den Reaktor einst ab. Zum Beweis zerstörte das Land damals den Kühlturm der Anlage: Südkoreaner sehen sich die Videosimulation der Ereignisse im Fernsehen an. (27. Juni 2008)
Nach Verhandlungen schaltete Nordkorea den Reaktor einst ab. Zum Beweis zerstörte das Land damals den Kühlturm der Anlage: Südkoreaner sehen sich die Videosimulation der Ereignisse im Fernsehen an. (27. Juni 2008)
AFP
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Der 2007 stillgelegte Atomreaktor nahe der Kleinstadt Yongbyon, den Nordkorea jetzt wieder in Betrieb nehmen will, befindet sich in der wichtigsten Atomanlage des Landes. Nach Angaben der Internetseite Globalsecurity.org besteht der Komplex rund hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Pyongyang aus einem fünf Megawatt starken Forschungsreaktor sowie Zentren zur Aufbereitung von Plutonium und Brennstäben.

Der Ausbau der Anlage mit einem weiteren 50-Megawatt-Reaktor wurde bis heute nicht vollendet. Der Kernreaktor in Yongbyon war 1994 im Rahmen eines Abkommens mit den USA stillgelegt worden. Die nordkoreanische Staatsführung hatte ihn aber 2002 wieder in Betrieb genommen, nachdem sie von Washington beschuldigt worden war, ein weiteres Atomprogramm mit Uran heimlich fortgeführt zu haben.

In Yongbyon wurde Plutonium produziert, das Nordkorea für seinen ersten Atomwaffentest im Oktober 2006 nutzte. Heute soll das Land über genügend Plutonium verfügen, um vier bis acht Atombomben herstellen zu können. Das US-Institut für Wissenschaft und internationale Sicherheit (ISIS) geht davon aus, dass der Norden bis 2016 über genug waffenfähiges Uran für 21 bis 32 Atomwaffen verfügt, wenn es auch die Zentrifuge in Yongbyon zur Uran-Anreicherung nutzt.

Kühlturm in die Luft gesprengt

Im Zuge von Verhandlungen über das Ende seines Atomprogramms sicherte Pyongyang 2007 zu, die Plutonium produzierende Anlage abzuschalten. Die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA bestätigten nach einer Besichtigung im Juli 2007, dass der Reaktor abgeschaltet wurde. Als sichtbares Zeichen für den Abbau seines Atomprogramms sprengte Nordkorea im Juni 2008 den Kühlturm des Reaktors. Im Gegenzug für den Ausstieg aus dem Atomprogramm sollte das ostasiatische Land ausländische Hilfen und Sicherheitsgarantien erhalten.

Schon im September 2008 drohte Pyongyang aber mit der Wiederinbetriebnahme des Reaktors. Zur Begründung hiess es, die USA führten Nordkorea weiterhin auf der Liste der «Schurkenstaaten». Doch wenig später erklärte sich Nordkorea bereit, die Ergebnisse der Sechser-Gespräche (Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland und die USA) anzuerkennen und neue Inspektionen in Yongbyon zuzulassen. Im Oktober 2008 nahmen die Vereinigten Staaten Nordkorea dann von der Liste der sogenannten Schurkenstaaten.

China hat Nordkoreas Ankündigung zur Wiederinbetriebnahme seines Atomreaktors in Yongbyon «mit Bedauern» zur Kenntnis genommen. «Wir rufen alle beteiligten Seiten auf, Ruhe zu bewahren und Zurückhaltung zu üben», sagte der Sprecher des Aussenministeriums in Peking, Hong Lei. Die derzeitige Lage auf der koreanischen Halbinsel sei «kompliziert» und «sensibel». China trete weiterhin für eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel sowie für Frieden und Stabilität in der Region ein.

Ban sieht Nordkorea auf «Kollisionskurs»

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sieht Nordkorea auf einem «Kollisionskurs mit der internationalen Gemeinschaft». Die aktuelle Krise sei «bereits zu weit gegangen», sagte Ban mit Blick auf die eskalierenden Spannungen angesichts der fast täglichen Kriegsdrohungen Pyongyangs gegen Südkorea und die USA. Der UN-Chef sprach sich für unverzügliche internationale Verhandlungen aus. Er sei aber «überzeugt, dass keiner vorhat, (Nordkorea) anzugreifen», erklärte Ban.

USA lassen Zerstörer in Nordkoreas Nähe

Angesichts der scharfen Drohungen Nordkoreas belässt die US-Armee einen Zerstörer in der Nähe des kommunistischen Landes. Wie ein Vertreter des Verteidigungsministeriums in Washington sagte, wurde die USS Fitzgerald, die wegen des derzeitigen gemeinsamen Militärmanövers der USA mit Südkorea in der Region war, angewiesen, doch nicht in ihren Heimathafen in Japan zurückzukehren. Stattdessen solle das Schiff, das Raketen abfangen kann, vor der Südwestküste der koreanischen Halbinsel Stellung beziehen. Es handele sich um eine Vorsichtsmassnahme, sagte der US-Vertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Der Sprecher des Weissen Hauses, Jay Carney, hatte zuvor erklärt, es gebe keine Anzeichen dafür, dass Nordkorea seine militärischen Drohungen gegen Südkorea und die USA tatsächlich in die Tat umsetzen wolle.

Das kommunistische Nordkorea hatte am Samstag den Kriegszustand mit Südkorea erklärt und mit einem Atomkrieg gedroht. Inmitten der wachsenden Spannungen entsandten die USA weitere hochmoderne Kampfjets nach Südkorea. Zwei über Tarnkappeneigenschaften verfügende Jets des Typs F-22 Raptor trafen nach Angaben der US-Armee vom Montag tags zuvor in Südkorea ein, um an einem gemeinsamen Manöver teilzunehmen. In der vergangenen Woche hatten die USA zwei Tarnkappenbomber und zwei atomwaffenfähige B-52-Bomber nach Südkorea geschickt.

(AFP/sda/AP)

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