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Militär vor Hunger

Nordkorea hat eine der grössten Armeen Asiens. Gleichzeitig leiden im hochgerüsteten Land Millionen Menschen Hunger. Daran dürfte sich vorerst nichts ändern – der Raketenstart hat die Prioritäten verdeutlicht.

Waffen scheinen bei ihm mehr im Fokus zu stehen als leere Mägen: Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un. (15. April 2012)
Waffen scheinen bei ihm mehr im Fokus zu stehen als leere Mägen: Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un. (15. April 2012)

Der Weltsicherheitsrat hat den nordkoreanischen Raketenstart scharf verurteilt. Die Aktion habe gegen eine Resolution des Sicherheitsrats aus dem Jahr 2009 verstossen, wonach ein Start mit «ballistischer Raketentechnologie» verboten sei, teilte das höchste UN-Gremium heute nach Beratungen hinter verschlossenen Türen mit. Der Sicherheitsrat werde nun über «eine angemessene Reaktion» beraten.

Nordkorea hatte heute einen Satelliten ins All geschossen. Mit dem Start der Rakete vom Typ Unha-3 setzte sich das Regime über alle internationalen Warnungen und Proteste hinweg. In der Hauptstadt Pyongyang feierten und tanzten danach die Menschen auf den Strassen. In Washington, Seoul, Tokio, New York und Berlin wurde der Raketenstart hingegen kritisiert. Die internationale Gemeinschaft befürchtet, dass Nordkorea an einer Atomrakete arbeitet, die den US-Staat Kalifornien erreichen könnte. «Angesichts der Dringlichkeit der Angelegenheit werden die Mitglieder des Sicherheitsrats ihre Beratungen über eine angemessene Reaktion fortsetzen», hiess es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Ob die Vetomacht China allerdings weiteren Sanktionen gegen seinen Verbündeten Nordkorea zustimmen wird, war zunächst unklar. Der Sprecher des chinesischen Aussenministeriums, Hong Lei, sagte heute in Peking, die Reaktion auf den Raketenstart solle «besonnen, ausgewogen und geeignet sein, die Stabilität zu wahren und eine weitere Eskalation der Situation zu verhindern». Seit dem Ende des Korea-Konflikts 1953 befinden sich der Norden und der Süden der Halbinsel weiterhin formell im Kriegszustand. Damals wurde lediglich ein Waffenstillstand vereinbart.

Millionen von Hunger bedroht

Die Aufrüstung steht vor dem Hintergrund grosser Armut im Land: Nach Schätzungen der UNO sind Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht. Unwetter und Zwangswirtschaft hatten 1997 zu einer Hungerkatastrophe mit einem Massensterben geführt. Trotzdem haben Ausgaben für das Militär Vorrang.

Mit rund 1,2 Millionen Soldaten unterhält eine der grössten Armeen Asiens. Nach Angaben des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) verfügen die Streitkräfte über mehr als 3500 Kampfpanzer und rund 21'000 Artilleriegeschütze.

Unter den etwa 600 einsatzbereiten Kampfflugzeugen sind rund 440 Jagdflugzeuge und 3 Bomber. Die Zahl der nordkoreanischen Boden-Boden-Raketen gibt das IISS mit knapp 50 an.

Wenig über atomare Bewaffnung bekannt

Besorgnis löst seit Jahren Nordkoreas Atomprogramm aus, das gemeinsam mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Internationale Gespräche, das Angebot westlicher Wirtschaftshilfe, aber auch Sanktionen konnten Nordkorea nicht daran hindern, Raketen zu erproben, die bis in die USA fliegen können. Zudem testete das Regime 2006 und 2009 Atomwaffen.

Über die atomare Bewaffnung der abgeschotteten Diktatur ist nur wenig bekannt. Nach Schätzungen der Federation of American Scientists (FAS) verfügt das Regime über 30 bis 50 Kilogramm Plutonium. Das reiche zusammen mit dem hochangereicherten Uran, das Nordkorea inzwischen genug produziert hat, um sechs bis zehn Atomsprengköpfe bestücken zu können. Mehrfach hatte das Land damit gedroht, ungeachtet aller Proteste seine «atomare Abschreckung» noch auszubauen.

sda/dapd/AFP/rbi

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