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Nach 35 Toten: Hoffnung keimt in Thailand auf

Nach Tagen heftiger Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften in Bangkok hat ein Anführer der oppositionellen Rothemden einen Waffenstillstand vorgeschlagen.

Bleiben wachsam: Thailändische Soldaten in Bangkok.
Bleiben wachsam: Thailändische Soldaten in Bangkok.
Keystone

Ein Ultimatum der Regierung zur Räumung des Oppositionellen-Lagers im Geschäftsviertel der thailändischen Hauptstadt Bangkok ist am Montag ungenutzt verstrichen. Angeheizt wurde die Stimmung durch den Tod eines der wichtigsten Anführer der so genannten Rothemden.

Allerdings schlug ein Anführer der oppositionellen Rothemden am Montagabend einen Waffenstillstand vor. Der Anführer der oppositionellen Rothemden,Nattawut Saikuar, habe in einem Telefongespräch mit dem Generalsekretär von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva, Korbsak Sabhavasu, eine Waffenruhe angeboten, teilte die thailändische Regierung am Montag mit.

Saikuar bot demnach an, die Rothemden von den Strassen Bangkoks in das besetzte Geschäftsviertel Ratchaprasong zurückzurufen, wenn die Soldaten zu schiessen aufhörten.

Tausend Menschen an Beerdigung

Der auch Seh Daeng genannte erschossene 58-jährige General Khattiya Sawasdipol hatte in den vergangenen Wochen die Rothemden in ihrem erbitterten Protest gegen die Regierung unterstützt. Unter anderem beriet er die Demonstranten bei der Sicherung ihres Lagers im Zentrum der Millionen-Metropole, das sich mittlerweile über mehrere Kilometer erstreckt.

Rund tausend Menschen nahmen am Montag an der Beerdigung des Ex- Generals im historischen Teil von Bangkok teil. Ein Scharfschütze hatte Sawasdipol am Donnerstag bei einem Gespräch mit ausländischen Journalisten in Bangkok in den Kopf geschossen.

Wer für die tödlichen Schüsse verantwortlich war, blieb unklar. Die Armee hatte mit dem Einsatz von Scharfschützen gedroht, dementierte aber, auf Seh Daeng geschossen zu haben.

Seh Daeng war ein Vertrauter des 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. 2008 fiel er in Ungnade, weil er öffentlich Kritik an der Armeeführung geübt hatte.

Geschäftsviertel bleibt besetzt

Trotz eines Ultimatums zur Räumung des Oppositionellen-Lagers befanden sich am Montagnachmittag in dem besetzten Bangkoker Geschäftsviertel noch rund 5000 Menschen. Darunter waren auch rund 400 ältere Menschen und Kinder, die sich in einen buddhistischen Tempel geflüchtet hatten, wie die thailändische Polizei mitteilte.

Die Regierung hatte die Oppositionellen aufgefordert, das Gebiet bis 15.00 Uhr Ortszeit (10.00 Uhr MESZ) zu räumen. Ansonsten drohten ihnen Haftstrafen bis zu zwei Jahre. Aus einem Flugzeug wurden Zettel mit der Räumungs-Aufforderung abgeworfen.

Am Wochenende hatte die Regierung angeboten, Alten, Frauen und Kindern vom Roten Kreuz beim Verlassen des Protestcamps helfen zu lassen. Die Demonstranten hatten Verhandlungen angeboten, falls die Soldaten abgezogen würden - allerdings nur bei Vermittlung durch Uno-Diplomaten.

Ein Vertreter der thailändischen Regierung kündigte an, die Zone werde «so bald wie möglich» geräumt. Die Lage blieb am Montagnachmittag zunächst ruhig. Rothemden tanzten im Lager, buddhistische Mönche beteten. In den Strassen war es ungewöhnlich still; die Regierung hatte die Sommerferien verlängert und zusätzlich zwei Feiertage angesetzt.

Neue Fronten

Einigen Rothemden gelang es, neue Fronten an anderen Kreuzungen aufzumachen. Sie setzten dort Gummireifen in Brand. Die Soldaten rückten vor und schossen, um die Kreuzungen zu verteidigen. Im Lokalfernsehen waren mehrere Verwundete zu sehen. An der Rama IV-Strasse stand ein verlassener Tanklaster zwischen den Linien.

In der Nacht auf Montag geriet auch das Luxushotel «Dusit Thani» unter Beschuss. Nach Angaben der Polizei wurden drei Granaten auf das Gebäude nahe dem besetzten Geschäftsviertel abgefeuert. Dort wohnten unter anderem Reporter, die über die Kämpfe berichteten. Verletzt wurde niemand.

Soldat getötet

Die Armee hatte das Gebiet am Donnerstag abgeriegelt und die Strom- und Wasserzufuhr gekappt. Bei den Strassenkämpfen zwischen Regierungsgegnern und der thailändischen Armee starben seither mehr als 35 Menschen. Unter ihnen war erstmals auch ein Soldat, wie Rettungskräfte am Montag mitteilten. Die Zahl der Verletzten stieg auf 244 Menschen, darunter sechs Ausländer.

SDA/bru

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