Neukaledonien bleibt bei Frankreich

Bei der Volksabstimmung im französischen Überseegebiet siegten die Gegner der Unabhängigkeit. Emmanuel Macron freuts.

Die Unabhängikeitsfrage ist geklärt: Die Bevölkerung von Neukaledonien will sich nicht von Frankreich lossagen. Bild: AFP

Die Unabhängikeitsfrage ist geklärt: Die Bevölkerung von Neukaledonien will sich nicht von Frankreich lossagen. Bild: AFP

Frankreich darf sein Überseegebiet Neukaledonien auf der anderen Seite der Erdkugel behalten. Auf der Inselgruppe im Pazifik - 18'000 Kilometer weit weg von Paris - entschied sich am Sonntag eine Mehrheit der Bevölkerung gegen die Unabhängigkeit. Gemäss dem definitiven Endergebnis legten 56,4 Prozent ein Nein in die Urne. Das Resultat fiel allerdings weniger deutlich aus wie von vielen erwartet. Umfragen hatten eine Ablehnung von mehr als 60 Prozent erwarten lassen. Die Beteiligung lag nach vorläufigen Zahlen bei hohen 80 Prozent.

An dem Referendum durften etwa 175'000 Neukaledonier teilnehmen. Ursprünglich hätte die Abstimmung bereits 1998 stattfinden sollen. Sie wurde aber immer wieder hinausgezögert. Das Ergebnis bedeutet vor allem für die Bevölkerungsgruppe der Kanaken - Neukaledoniens Ureinwohner - eine grosse Enttäuschung. Von ihnen hoffen viele seit langem auf einen eigenen Staat.

Die Niederlage bedeutet aber nicht, dass die Hoffnung der Separatisten endgültig gestorben ist. Bis 2024 sind nach früheren Abmachungen mit Paris noch zwei weitere Volksabstimmungen möglich. Aktuell sind noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung Kanaken. Auf deutsch bedeutet Kanake Mensch.

Macron erfreut und stolz

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach in einer Rede an die Nation aus dem Pariser Élyséepalast von einer «historischen Etappe». Er fügte hinzu: «Ich bin als Staatschef stolz darauf, dass sich die Mehrheit der Kaledonier für Frankreich entschieden hat.» Gleichzeitig rief er alle Beteiligten auf, eng miteinander im Gespräch zu bleiben. «Es gibt keinen anderen Weg als den Dialog.» Er schloss seine Ansprache mit den Worten. «Es lebe Neukaledonien. Es lebe die Republik. Es lebe Frankreich.» An diesem Montag wird Premierminister Édouard Philippe zu einem Besuch in der neukaledonischen Hauptstadt Nouméa erwartet. Aus Sorge vor Unruhen verstärkte der Staat die Sicherheitskräfte. In einigen Stadtvierteln Nouméas wurden in der Nacht Autos in Brand gesetzt.

Nicht in der EU

Das Archipel Nouvelle-Calédonie (wörtlich übersetzt: Neuschottland) wurde 1853 von Frankreich in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Heute sind dort mehr als 280'000 Menschen zuhause - neben Kanaken und Nachfahren der Kolonisten inzwischen auch viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten. Aktuell erhalten die Inseln pro Jahr etwa eine Milliarde Euro aus Paris.

Treibende Kraft der Unabhängigkeitsbewegung ist die FLNKS (Front de Libération Nationale Kanak et Socialiste). In den 1980er Jahren stand Neukaledonien am Rande eines Bürgerkriegs. Es gab auch mehrere Dutzend Tote. Inzwischen hat sich die Stimmung deutlich beruhigt. Die FLNKS ist längst auch an der Inselregierung beteiligt. Neukaledonien gehört nicht zum Gebiet der Europäischen Union. Bezahlt wird nicht mit dem Euro, sondern mit dem Pazifik-Franc. Bei Europawahlen dürfen die Neukaledonier aber mitstimmen. Zudem wird aus den Kassen der EU auch die Infrastruktur auf der Inselgruppe mitfinanziert.

afp

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