Rohani lehnt Rücktritt von Aussenminister Sarif ab

Ein Rücktritt des iranischen Chefdiplomaten sei nicht im «Interesse des Landes», schreibt Präsident Rohani in einem Brief.

Überraschte mit seinem Rücktrittsgesuch: Mohammed Jawad Sarif an einem Meeting zum Atomabkommen im UNO-Hauptquartier in New York. (Archiv)

Überraschte mit seinem Rücktrittsgesuch: Mohammed Jawad Sarif an einem Meeting zum Atomabkommen im UNO-Hauptquartier in New York. (Archiv)

(Bild: Reuters Eduardo Munoz)

Irans Präsident Hassan Rohani hat das Rücktrittsgesuch von Aussenminister Mohammed Jawad Sarif abgelehnt. Sarifs Rücktritt sei nicht im «Interesse des Landes» und er stimme ihm daher nicht zu, schrieb Rohani in einem Brief an Sarif, der am Mittwoch auf der Internetseite der Regierung veröffentlicht wurde. Sarif, der einer der Architekten des internationalen Atomabkommens ist, hatte zuvor seinen Rücktritt eingereicht. Eine genaue Begründung nannte er nicht.

Sarif hatte in der Nacht zu Dienstag in einer Instagram-Mitteilung geschrieben, dass er «nicht mehr in der Lage» sei, sein «Amt weiter auszuüben». Die Erklärung erfolgte kurz nach einem unangekündigten Besuch von Syriens Machthaber Bashar al-Assad in Teheran.

Das Aussenministerium bestätigte die Rücktrittserklärung. Rohanis Stabschef dementierte jedoch kurz darauf, dass der Präsident den Rücktritt angenommen habe. Es hatte zuletzt wiederholt Berichte gegeben, dass Sarif zurücktreten wolle. Rohani liess den einflussreichen Minister demnach aber nicht gehen.

Rücktritt nach Assad-Besuch

Sarifs Rücktrittsgesuch steht möglicherweise in Zusammenhang mit dem Besuch Assads in Teheran. Sarif war nicht zugegen, als Assad sich mit Rohani und Irans geistlichem Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei traf. Anwesend war allerdings der Kommandeur der Al-Quds-Brigaden, General Kassem Soleimani. Der Iran unterstützt mit den Revolutionsgarden und verbündeten Milizen seit Jahren Assad im Syrien-Konflikt.

Laut der Nachrichtenseite Entekhab reagierte Sarif mit dem Rücktritt auf seinen Ausschluss von den Treffen. Der einflussreiche Abgeordnete Ali Motahari äusserte die Vermutung, dass Sarif mit seinem Rücktritt reagiert habe «auf die Einmischung gewisser Institutionen» in die Aussenpolitik der Regierung. Insbesondere die Revolutionsgarden spielen eine wichtige Rolle in der iranischen Aussenpolitik in Syrien, im Irak und im Jemen.

Rohani hatte den früheren UNO-Botschafter Sarif nach seinem Amtsantritt 2013 zum Aussenminister berufen, um die Verhandlungen mit den fünf UNO-Vetomächten und Deutschland zu leiten, die 2015 schliesslich zum internationalen Atomabkommen führten. Der 59-jährige Diplomat gilt als das freundliche Gesicht des Iran und geniesst gerade in Europa wegen seines konzilianten Auftretens und seiner moderaten Haltung hohes Ansehen.

sep/AFP

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