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Seoul setzt auf Dialog mit «Wendepunkt»

In einer Rede hat sich der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak offen für Atomgespräche gezeigt. Die koreanische Halbinsel befinde sich an einem Wendepunkt. Im Norden stiess er damit aber auf wenig Gehör.

Sieht neue Chancen für die koreanische Halbinsel: Lee Myung Bak während seiner Ansprache. (2. Januar 2012)
Sieht neue Chancen für die koreanische Halbinsel: Lee Myung Bak während seiner Ansprache. (2. Januar 2012)
Keystone

Der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak sieht nach dem Machtwechsel an der Spitze Nordkoreas eine Chance für eine Verbesserung der angespannten Beziehungen zwischen beiden Staaten. Die koreanische Halbinsel befinde sich an einem «Wendepunkt», sagte Lee in seiner Neujahrsansprache im Fernsehen.

Die nordkoreanische Staatspresse griff die Regierung von Lee indes weiter an. «Unsere grössten Ziele sind der Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel», sagte Lee. Neben neuen günstigen Gelegenheiten gebe es aber auch Ungewissheit. Südkorea werde auf Provokationen aus dem Norden scharf reagieren. Zeige Nordkorea aber «Aufrichtigkeit», könne eine neue Ära beginnen, sagte der Präsident. Es gebe die Chance auf «grosse Veränderungen».

Wenn die neue Führung in Pyongyang etwa die nuklearen Aktivitäten einfriere, könnten die seit Dezember 2008 unterbrochenen Sechs-Nationen-Gespräche zum umstrittenen nordkoreanischen Atomprogramm wieder aufgenommen werden.

«Auf die Knie fallen und sich entschuldigen»

Nach dem Tod von Machthaber Kim Jong-il und der Machtübernahme durch seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un war Hoffnung auf einen Wandel in der Haltung Nordkoreas aufgekommen. Ende vergangener Woche schloss die Nationale Verteidigungskommission Nordkoreas einen Kurswechsel jedoch aus. Insbesondere die «Marionettenregierung» in Seoul dürfe von der neuen Führung in Pyongyang «nicht die geringste Änderung» erwarten. Die Verteidigungskommission, die von Kim Jong-il bis zu seinem Tod geführt wurde, gilt als mächtigstes Gremium des Staates.

Die Zeitung der nordkoreanischen kommunistischen Arbeiterpartei, Rodong Sinmun, schrieb, der Norden werde das «unmenschliche Verbrechen, das Lee Myung Baks Regime begangen» habe, «niemals tolerieren». «Wir werden bis zum Ende kämpfen, wenn sie nicht auf die Knie fallen und sich entschuldigen.»

Beleidigung vorgeworfen

Die Staatsmedien des Nordens werfen Südkorea vor, das Land während der 13-tägigen Trauerzeit um den Tod Kim Jong Ils beleidigt zu haben. Die südkoreanische Regierung hatte dem nordkoreanischen Volk zwar ihr Beileid ausgedrückt, aber keine offizielle Trauerdelegation nach Pyongyang entsandt und nur zwei privaten Delegationen die Reise in den Norden genehmigt.

Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea sind seit dem Amtsantritts von Lee im Februar 2008 besonders angespannt. Der Präsident fährt gegenüber dem Norden eine deutlich härtere Linie als seine Vorgänger und setzte sich von deren auf Entspannung ausgerichtete sogenannte Sonnenscheinpolitik ab, die etwa Hilfen für den Norden praktisch ohne Gegenleistungen vorsah.

(dapd)

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