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Taliban greifen Ausländerviertel in Kabul an

Ein Brite kommt bei einem Selbstmordanschlag ums Leben, ein Angriff auf ein Gästehaus mit weiteren Ausländern wird aber von einem Grossaufgebot an Sicherheitskräften zurückgeschlagen.

Gewalt trotz grosser Sicherheitsvorkehren: Afghanische Polizisten stehen Wache in der Nähe des Gästehauses in Kabul, das ein Selbstmordattentäter angegriffen hatte. (27. November 2014)
Gewalt trotz grosser Sicherheitsvorkehren: Afghanische Polizisten stehen Wache in der Nähe des Gästehauses in Kabul, das ein Selbstmordattentäter angegriffen hatte. (27. November 2014)
Marai Shah, AFP

Die radikalislamischen Taliban haben bei zwei Angriffen in der afghanischen Hauptstadt Kabul am Donnerstag Ausländer ins Visier genommen. Ein Selbstmordattentäter rammte am Morgen seinen mit Sprengstoff beladenen Wagen in ein Auto der britischen Botschaft und tötete dabei einen britischen Wachmann und vier Afghanen, wie das Innenministerium mitteilte. Am Abend griffen Taliban-Kämpfer ein vor allem von Ausländern bewohntes Gästehaus an, wurden aber zurückgeschlagen.

Bei der Attacke auf das Viertel Wasir Akbar Chan habe es drei Explosionen gegeben, gefolgt von längeren Feuergefechten, sagte Polizeichef Mohammed Sahir. Ein Taliban-Sprecher erklärte, das Ziel seien «Feinde» in dem dort gelegenen Gästehaus gewesen.

Der stellvertretende Innenminister Mohammed Ajub Salangi sagte, kein Ausländer sei getötet worden. «Ein nepalesischer Wachmann wurde verwundet, aber allen Ausländern geht es gut.» Drei Angreifer seien ums Leben gekommen. Zwei seien von Wachleuten erschossen worden und einer habe sich selbst in die Luft gesprengt.

Botschaften und Regierungsvertreter

In Wasir Akbar Chan sind viele Botschaften und Büros internationaler Organisationen untergebracht. Auch mehrere ranghohe Regierungsvertreter wohnen in dem Viertel. Die afghanische Polizei marschierte mit einem Grossaufgebot auf und riegelte die Gegend ab. Auf Aufnahmen von Überwachungskameras waren schwer bewaffnete Sicherheitskräfte und Panzerfahrzeuge zu sehen.

Der Angriff ereignete sich nahe dem Büro der Entwicklungshilfeorganisation International Relief and Development. Deren Sicherheitschef sagte der Nachrichtenagentur AP, die Feuergefechte hätten rund 45 Minuten gedauert und es seien auch Raketenwerfer abgefeuert worden.

Angriff auf britisches Botschaftsauto

Nur wenige Stunden vor dem Angriff hatte ein Selbstmordattentäter mit seinem Auto den Jeep der britischen Botschaft gerammt. Neben dem getöteten britischen Wachmann sei ein weiterer britischer Sicherheitsmann verletzt worden, erklärte Aussenminister Philip Hammond. Einer der vier getöteten Afghanen arbeitete in Kabul für die britische Botschaft und fuhr den angegriffenen Wagen, in dem nach Angaben der Botschaft kein Diplomat sass. Mehr als 30 weitere Menschen wurden verletzt. Die Taliban bekannten sich auch zu dieser Attacke.

Hammond nannte den Angriff bei einer Pressekonferenz in Rom «sinnlos und feige» und sprach den Opfern und deren Angehörigen sein Beileid aus.

Auf Videoaufnahmen war zu sehen, dass das Dach des Botschaftswagens 15 Meter weit über die verkehrsreiche Strasse geschleudert wurde, die von Kabul nach Dschalalabad führt. Mindestens ein Dutzend weitere Wagen wurden beschädigt.

Zahlreiche Angriffe

In den vergangenen Wochen hatten Extremisten Militärkonvois und Grundstücke ausländischer Firmen angegriffen. Attacken auf diplomatische Ziele hatte es aber bereits seit einiger Zeit nicht mehr gegeben. Im Mai war das indische Konsulat in Herat im Osten des Landes angegriffen worden, im vergangenen Jahr wurde auch das US-Konsulat dort Ziel eines Angriffs. Im September 2011 hatten Aufständische einen Grossangriff auf das Diplomatenviertel in Kabul unternommen, der nach rund 20 Stunden schliesslich abgewehrt wurde.

Ende des Jahres zieht sich die Isaf-Kampftruppe aus Afghanistan zurück. 12000 Soldaten sollen im Land bleiben, um die einheimischen Sicherheitskräfte zu unterstützen.

SDA/rub

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