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Touristen sollen Terroristen vertreiben

Mit einem Skigebiet möchte Dmitri Medwedew dem Terrorismus im Kaukasus das Wasser abgraben. Doch das Grossprojekt «Wisota 5642» ist gleich aus mehreren Gründen problematisch.

Auf der Suche nach Investoren für das Grossprojekt «Wisota 5642»: Dmitri Medwedew.
Auf der Suche nach Investoren für das Grossprojekt «Wisota 5642»: Dmitri Medwedew.
Keystone

Gerade noch erklärten russische Ermittler, dass hinter dem tödlichen Anschlag auf dem Moskauer Flughafen womöglich Rebellen aus dem Nordkaukasus stecken. Jetzt wirbt Russland auf dem WEF in Davos bei internationalen Unternehmen für Investitionen in der Unruheregion, um dort riesige Skigebiete zu errichten.

Der Tourismus in der spektakulären Gebirgsregion an der Grenze zu Georgien soll dem Terrorismus im Nordkaukasus das Wasser abgraben, lautet Moskaus Plan. Doch dem «Wisota 5642» (»Höhe 5642») getauften Projekt, das 15 Milliarden Dollar kosten soll, fehlt es noch an Geldgebern.

«Wisota 5642 wird den Kaukasus verändern»

«Wisota 5642 wird den Kaukasus verändern», sagte Russlands Präsident Dmitri Medwedew vor seiner Abreise nach Davos. Vor dem Hintergrund des Anschlags auf den Moskauer Flughafen mit 35 Toten am Montag dürfte bei manchen Konzernchefs in Davos allerdings die Skepsis überwogen haben, ob es tatsächlich eine gute Idee ist, ausgerechnet im Nordkaukasus in den Skitourismus zu investieren.

Schliesslich ist das Gebiet zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer als notorische Unruheregion bekannt, in der Angriffe islamistischer und separatistischer Gruppen auf Polizei und Behörden an der Tagesordnung sind.

Der Mitentwickler des Projekts, Ahmed Bilalow, räumt ein, dass der Moskauer Anschlag eine «schreckliche Erinnerung» an die Militanz der Region war. Die Entwickler dächten aber keinen Moment daran, sich von dem Projekt zurückzuziehen.

Terrorismus besiegen

Die russische Regierung hofft, dass das Projekt, das langfristig 160'000 Arbeitsplätze schaffen soll, hilft, die Armut in der Region zu bekämpfen, und damit dem Terrorismus den Boden entzieht. «Es wird zeigen, wie wir Armut und Terror mit Tourismus besiegen können», sagte Medwedew.

Doch auch die Begeisterung fürs Skifahren muss die Regierung in Russland bei ihren Bürgern erst noch wecken. Der russische Geldadel kommt zwar schon heute zahlreich in Skigebiete wie Sankt Moritz oder Davos, aber insgesamt fahren bisher nur zwei Prozent der Russen Ski.

Moskau hofft nun auf einen Schub bei Skibegeisterten durch die Olympischen Winterspiele, die 2014 in der Schwarzmeerstadt Sotschi stattfinden. Die Planer von «Wisota 5642» hoffen, dass nach Fertigstellung der insgesamt fünf Skigebiete mit 90'000 Betten im Jahr 2020 täglich 150'000 Besucher kommen werden. Schon jetzt werben sie mit der wilden Natur und billigen Skipässen.

Schlechter Ruf

Abgesehen von der Frage der Sicherheit dürfte potenzielle Investoren aber auch Russlands Ruf abschrecken, notorisch korrupt zu sein. Der Vizechef von «Wisota 5642», Juri Karpenko, versicherte auf Fragen, dass das Projekt, in das Russland bereits zwei Milliarden Dollar investiert hat, nach internationalen Standards geprüft werde.

Zugleich wies er den Vorwurf zurück, dass die Baumassnahmen die Natur zerstörten, und erklärte, mit regionalen Umweltgruppen zusammenzuarbeiten. Andrej Rudomacha, der Koordinator einer dieser Gruppen in der autonomen Republik Adygeja, sagte jedoch, es gebe keine Kooperation.

Er und andere Umweltschützer befürchten, dass dem spektakulären Skiprojekt auch Landschaften zum Opfer fallen, die von der Unesco zum Welterbe gezählt werden.

SDA/mrs

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