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Überraschung bei Wahl auf Malediven

Der frühere politische Häftling und Favorit Nasheed wird wider Erwarten nicht Präsident. Durchgesetzt hat sich Abdullah Yameen, ein Verwandter von Langzeitherrscher Abdul Gayoom.

Soll morgen vereidigt werden: Abdullah Yameen bei der Stimmabgabe. (16. November 2013)
Soll morgen vereidigt werden: Abdullah Yameen bei der Stimmabgabe. (16. November 2013)
Keystone

Nach fast zwei Jahren ohne legitime Regierung haben die Malediven wieder einen demokratisch gewählten Präsidenten: Abdullah Yameen, Halbbruder des langjährigen Machthabers Maumoon Abdul Gayoom, gewann die Stichwahl am Samstag überraschend mit gut 51 Prozent gegen den ehemaligen Staatschef Mohammed Nasheed.

Trotz eines erbitterten und von gegenseitigen Schuldzuweisungen überschatteten Wahlkampfes gaben sich Sieger und Verlierer am Sonntag versöhnlich. «Das Land braucht Stabilität», sagte Yameen am Sonntagmorgen, nachdem er in der Nacht zum Wahlsieger erklärt worden war.

«Ich hoffe, wir werden nun im Parlament die erforderliche Unterstützung von Nasheed erhalten. Statt der Konfrontation zwischen den politischen Anführern werden wir die grossen Herausforderungen für unser Land angehen», sagte er zu Reportern in der Hauptstadt Malé.

Der unterlegene Nasheed, der lange als Favorit der Stichwahl gegolten hatte, zeigte sich dazu bereit. «Wir haben nun einen gewählten Präsidenten. Heute ist ein glücklicher Tag für die Malediven», sagte Nasheed, auf den fast 49 Prozent der Stimmen entfielen.

Kapitel des Streits und der Unsicherheit beenden

Der 54-jährige Yameen sollte noch am Sonntag in einer Sondersitzung des Parlaments seinen Amtseid ableisten. Damit werde ein Kapitel des Streits und der Unsicherheit geschlossen, kommentierten die Nasheed nahestehenden «Minivan News». In dem Inselstaat im Indischen Ozean waren 239'000 Menschen wahlberechtigt.

Das Land befand sich seit Anfang 2012 in einer tiefen politischen Krise. Damals musste der 46-jährige Nasheed, ein ehemaliger politischer Häftling, der 2008 der erste demokratisch gewählte Präsident der Malediven geworden war, nach einer undurchsichtigen Meuterei der Polizei zurückgetreten.

Geschwächt war er durch Massenproteste, die die Partei seines Widersacher Yameen organisiert hatte. Nasheed machte auch Abdul Gayoom für seinen Fall verantwortlich. Der hatte die Malediven über drei Jahrzehnte mit harter Hand regiert.

Erste Runde ging an Nasheed

In der ersten Runde der Präsidentenwahl am 7. September war Nasheed mit 45 Prozent auf den ersten Platz gekommen, doch war das Ergebnis vom Obersten Gericht wegen Beschwerden über die Wählerlisten annulliert worden. Nach mehrfacher Verschiebung fand am 9. November schliesslich eine erneute Abstimmung statt, die er mit fast 47 Prozent gewann.

Die für den folgenden Tag geplante Stichwahl wurde vom Obersten Gerichtshof allerdings kurzfristig verschoben. Dies hatte im Ausland erneut Sorgen um den demokratischen Prozess in dem Land geweckt, zumal das Gericht mit Gefolgsleuten von Ex-Machthaber Abdul Gayoom besetzt ist. In der gewonnenen Zeit bis zum Samstag sammelten sich Nasheeds Gegner hinter Yameen - und verhalfen ihm so zum Sieg.

AFP/ami

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