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Ungewohnte Demokratieübung in China

Nach Protesten kommt die chinesische Regierung einem kleinen Fischerdorf in China entgegen: Die Bewohner von Wukan bestimmen in einer freien Kommunalwahl sieben Mitglieder ihres Dorfkomitees.

Darf frei Wählen: Eine Bewohnerin von Wukan wirft mit ihrem Kind den Stimmzettel ein. (3. März 2012)
Darf frei Wählen: Eine Bewohnerin von Wukan wirft mit ihrem Kind den Stimmzettel ein. (3. März 2012)
AFP
Unter Aufsicht: Ein Polizist bewacht den Urnengang in Wukan. (3. März 2012)
Unter Aufsicht: Ein Polizist bewacht den Urnengang in Wukan. (3. März 2012)
Reuters
Die Bewohner von Wukan hatten Sympathisanten in andern Regionen. Demonstranten mit Guy-Fawkes-Masken solidarisieren sich in Hongkong. (20. Dezember 2011)
Die Bewohner von Wukan hatten Sympathisanten in andern Regionen. Demonstranten mit Guy-Fawkes-Masken solidarisieren sich in Hongkong. (20. Dezember 2011)
AFP
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In einer für das Land unüblichen freien Kommunalwahl haben die Bewohner des chinesischen Fischerdorfs Wukan heute die sieben Mitglieder ihres Dorfkomitees bestimmt. In gehobener Stimmung angesichts der ungewohnten Demokratieübung zeichnete sich eine rege Beteiligung an dem Urnengang ab.

Mütter mit Kindern in den Armen strömten ebenso in die Wahllokale wie ältere Dorfbewohner. «Sie ermöglichen uns eine demokratische Wahl, ich bin so glücklich», sagte ein Einwohner mit Blick auf die herrschende Kommunistische Partei Chinas. Die Ergebnisse wurden noch im Lauf des heutigen Tages erwartet.

Polizisten und Beamte verjagt

Wukan in der südchinesischen Provinz Guangdong war Ende 2011 weltbekannt geworden, als dort tausende Menschen tagelang gegen die örtlichen Behörden protestierten, denen sie Korruption und den illegalen Verkauf von Gemeindeland vorwarfen.

Die Bewohner verjagten Polizisten und Beamte und bildeten selbst ein vorläufiges Verwaltungskomitee. Seit dem Tod eines Verhandlungsführers in Polizeihaft im Dezember war die Lage stark angespannt. Die Provinzregierung von Guangdong lenkte erst ein, als die Proteste weltweit Schlagzeilen machten. Das umstrittene Bauprojekt, das die Unruhen ausgelöst hatte, wurde auf Eis gelegt.

Zustimmung der Behörden

Mitte Februar wählten die Bewohner von Wukan dann mehr als hundert Vertreter, die später 21 Kandidaten für das siebenköpfige Dorfkomitee vorschlugen, aus denen nun ausgewählt werden konnte. Über die erste Wahl berichtete auch die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, was als Zeichen gewertet wurde, dass die Demokratieübung die Zustimmung der Behörden hatte.

Auf Gemeindeebene sind Wahlen in China grundsätzlich möglich, doch unterstehen die Gemeinderäte letztlich der Kommunistischen Partei. In Wukan gab es nach Angaben von Dorfbewohnern bislang nie freie Wahlen, das Dorfkomitee wurde hinter verschlossenen Türen ernannt.

AFP/wid

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