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Warum Chinesen nicht Fussball spielen können

Die Chinesen lieben den Fussball, ihre Mannschaft ist nicht konkurrenzfähig. Trotz Begeisterung und Millioneninvestitionen. Experten haben Antworten.

Will den Chinesen den Fussball näherbringen: David Beckham.
Will den Chinesen den Fussball näherbringen: David Beckham.
How Hwe Young, Keystone

1,3 Milliarden Einwohner – aber keine elf, die gut Fussball spielen können. So steht es um den Fussball in China. Erst einmal nahm eine chinesische Nationalmannschaft an einer WM teil. 2002 war für die Chinesen mit drei Niederlagen und einem Torverhältnis von 0:9 schon in der Vorrunde Schluss. Nein, Fussball und China, das ist keine Liebesgeschichte.

Dabei fehlt es den Chinesen nicht an Begeisterung: Viele schauen begeistert die WM und verfolgen auch die europäischen Topspiele. Und auch der chinesische Fussballverband investiert beträchtliche Summen: Im letzten Jahr wurde David Beckham als Fussballbotschafter verpflichtet. Und auch für die Nationalmannschaft verpflichtet der Verband ausschliesslich Trainer mit internationaler Ausstrahlung. 2011 holte der Verband die Real-Madrid-Legende José Antonio Camacho. Nach einer peinlichen 1:5-Klatsche gegen Thailand musste er auch schon wieder gehen. Zurzeit wird die Auswahl vom ebenfalls nicht billigen Alain Perrin (Ex-Lyon-Trainer) gecoacht.

Auch im Nachwuchs werden beträchtliche Gelder investiert: Der Immobilienhai Xu Jiayin hat die Evergrande International Football School eröffnet, das grösste Sportzentrum der Welt. Wo also liegt das Problem?

Korruption und Wettbetrug

«Es ist nicht nur China, viele asiatische Länder haben keine Fussballkultur», sagt Tom Byer, ein ehemaliger amerikanischer Fussballprofi, der jetzt für den chinesischen Fussballverband arbeitet, der US-Fernsehstation CNN. Viele Eltern wehren sich dagegen, dass ihre Kinder zu viel Zeit in den Fussball investieren. «Die Eltern sehen den Fussball nur als Ablenkung von der Schule», sagt er. Zudem hat der Profifussball in China ein Imageproblem: Der Spitzensport ist von Wettbetrug, Korruption und Tricksereien zersetzt.

Byer hat den Ruf, dass er Japan zur Fussballnation geformt hat. Der chinesische Fussballverband hofft, dass ihm dasselbe mit China gelingen wird. Byer will die Chinesen davon überzeugen, dass Sport die Jugendlichen erfolgreicher machen werde und eine positive Auswirkung auf die Persönlichkeit habe. «Wir müssen den Fussball als einen Lebensstil verkaufen, nicht nur als einen möglichen Beruf», sagt er.

Die Chinesen holen auf

In den letzten Jahren seien Fortschritte erkennbar, sagt Rowen Simon, Juniorentrainer eines Pekinger Fussballvereins, gegenüber CNN. Die Eltern hätten gemerkt, dass die Kinder fitter sind, ihre Koordinationsfähigkeit verbessern konnten und auch Werte wie Teamwork und Loyalität vermittelt bekamen, so Simon. Vor 13 Jahren besuchten seine Kurse fast ausschliesslich Expats. Jetzt sind von 3000 Kindern 60 Prozent Chinesen.

Es könnte noch ein paar Jahre dauern, aber die Weichen sind gestellt. Schon bald könnte nach 2002 wieder ein chinesisches Team an einer Fussballweltmeisterschaft teilnehmen.

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